BERN – Die Geisel-Affäre wird immer mysteriöser: Der eine Schweizer soll beste Beziehungen zur libyschen Regierung haben – und merkwürdige Sonderrechte geniessen.
Rachid Hamdani arbeitete in Libyen im Auftrag einer Schweizer Baufirma, bis er letzten Sommer zum Opfer der Affäre um Gaddafi-Sohn Hannibal wurde. Seither hält ihn das libysche Regime als Geisel und er darf das Land nicht verlassen. So weit die offizielle Version. Oder ist alles ganz anders?Wie «24 heures» heute berichtet, soll der tunesisch-schweizerische Doppelbürger beste Beziehungen zur Entourage von Libyens Premierminister Almahmoudi al-Baghdadi unterhalten. Das habe es Hamdani sogar ermöglicht, in den letzten Monaten zu einem Familienurlaub nach Tunesien zu reisen, schreibt die Lausanner Tageszeitung. Die Information stamme von einem Parlamentarier, der das Dossier gut kenne. Hamdani sei auch einmal mit Gaddafis Premier selber zusammengetroffen – also mit dem Mann, der Bundespräsident Merz bei dessen Reise nach
Tripolis zum Narren hielt.Sollte die Geschichte stimmen, stehen neue Fragen im Raum: Wenn Hamdani so gute Beziehungen zur libyschen Spitze unterhält, wieso konnte er sich dann keine Ausreisebewilligung für die Schweiz beschaffen? Wenn der 68-Jährige wirklich nach Tunesien ausreisen durfte, wieso nutzte er die Gelegenheit nicht, sich gleich in die Schweiz abzusetzen? Hält sich Hamdani dementsprechend aus freien Stücken noch in Libyen auf?Hamdanis Familie war für eine Stellungsnahme heute nicht erreichbar. Auch das
Finanzdepartement und das
EDA hüllen sich gegenüber Blick.ch vorerst in Schweigen. Eine Merz-Sprecherin betonte lediglich erneut, dass sich die Geiseln in Libyen frei bewegen dürften.Mario Fehr, Mitglied der aussenpolitischen Kommission, sagte auf Anfrage, dass er von keinen Belegen für die Geschichte wisse. «Das ist vorerst reine Spekulation», so der SP-Nationalrat.