Gleichgeschlechtliche Adoption im Nationalrat Dürfen Schwule Kinder kriegen?

  • Publiziert: 27.11.2011, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Nico Menzato
play Superstar Elton John und sein Freund David Furnish mit ihrem Baby Zachary. (Dukas)

Der Nationalrat ist progressiver geworden. Doch das Adoptionsrecht für Homosexuelle hat kaum Chancen.

Ein überraschender Entscheid ohne Gegenstimme: Die Rechtskommission des Ständerats will es homosexuellen Paaren in eingetragener Partnerschaft erlauben, Kinder zu adoptieren.

Und geradezu sensationell: Wie in Grossbritannien, Spanien oder Schweden will die Kommission die Stiefkind- wie die Volladoption legalisieren. Sowohl Kinder, von denen ein leiblicher Elternteil in der eingetragenen Partnerschaft lebt, als auch Kinder, die keine genetische Gemeinsamkeit mit dem Paar haben, sollen zur Adoption zugelassen sein. Wie bei Heteros würde eine Adoptionsbehörde die Homo-Paare auf Eignung prüfen.

Mitteparteien FDP, CVP und BDP mehrheitlich dagegen

Der Dachverband Regenbogenfamilien freute sich: Die Politik habe endlich den Handlungsbedarf erkannt. Doch der Jubel kommt zu früh. Das zeigt eine Auswertung der Kandidatenprofile bei der Online-Wahlhilfe Smartvote. SonntagsBlick hat die entsprechende Frage und Antwort für sämtliche 200 Nationalräte analysiert. Ergebnis: Mit 113 zu 84 Stimmen würde das Anliegen klar bachab geschickt.

Der alte Nationalrat hatte dieselbe Frage Ende September noch relativ knapp – mit 97 zu 83 Stimmen – mit Nein beantwortet. Aber sollte nicht der neue Nationalrat nach der Schwächung von SVP und CVP sowie dank Stärkung von SP und Grünliberalen progressiver politisieren?

In dieser Frage offenbar nicht: Laut Smartvote wollen einzig Grüne und Grünliberale geschlossen das Adoptionsrecht für Homo-Paare. Die Politiker der Mitteparteien FDP, CVP und BDP sind mehrheitlich dagegen (siehe Tabelle rechts). Bei der letzten Abstimmung enthielten sich jedoch einige prominente FDP- und BDP-Parlamentarier – was ein Umdenken zumindest bei der Stiefkind-Adoption bedeuten könnte.

Noch viel Überzeugungsarbeit nötig

Selbst bei der SP sind fünf Nationalräte mehr als skeptisch. Einer ist Stéphane Rossini (VS), ein anderer Eric Nussbaumer (BL): «Ich bin klar für die Stiefkind-Adoption. Aber bei der Volladoption gibt es Fragezeichen. Die gesellschaftliche Akzeptanz ist wohl auch noch nicht da», so der Familienvater, Mitglied der evangelisch-methodistischen Kirche.

Auch bei der SVP gibt es mit dem Schaffhauser Thomas Hurter und der Bernerin Nadja Pieren Abweichler – allerdings in die andere Richtung: «Liebe und Zuneigung, aber nicht das Geschlecht der Eltern sind für das Wohl des Kindes entscheidend», sagt Pieren, Gründerin einer Kindertagesstätte in Bern. «Kinder mit einem homosexuellen Elternteil sind genau gleich wie alle anderen Kids!»

Der Bundesrat muss nun einen Gesetzesvorschlag ausarbeiten. Aber bereits im Ständerat dürfte der es schwer haben. Dass der Entscheid in der Kommission ohne Gegenstimme zustande kam, liegt an der speziellen Konstellation: Nur 8 der 13 Mitglieder stimmten Ja. Die anderen fünf sind dagegen, enthielten sich oder waren abwesend.

Der Dachverband Regenbogenfamilien muss also noch Überzeugungsarbeit leisten. Bei einem hats schon gefruchtet: «Ich war bis vor ein paar Monaten eher gegen das Adoptionsrecht», so der neue SP-Nationalrat Matthias Aebischer (BE). «Jetzt bin ich eher dafür!»  

In England ists möglich

Was in der Schweiz verboten ist, kennt England seit 2005: Homosexuelle Paare dürfen heiraten – und Kinder adoptieren. Superstar Elton John war einer der Ersten auf der Insel, der seinen Freund David Furnish ehelichte. Und seit letzten Weihnachten sind die beiden stolze Väter des kleinen Zachary. Zur Welt gebracht wurde Zachary von einer Leihmutter in Kalifornien, der das Baby im Embryostadium eingepflanzt worden war.