Calmy-Rey kämpft für Burkhalter Doch folgen ihr genügend Genossen?

  • Publiziert: 16.09.2009, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Simon Spengler & Henry Habegger
play Wie gucken die denn? Wir sehen von links FDP-Kandidat Christian Lüscher, SVP-Nationalrätin Natalie Ricklin und SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli: Letzterer schaut ein bisschen kritisch (oder neidisch?), seine Kollegin eher fasziniert zu Lüscher, der tut was er gut kann: strahlen. Ob mit oder ohne Miss an der Seite. (Keystone)

Keine Experimente, aber weniger Schützenhilfe von links für CVP-Mann Schwaller als erwartet. Weil Micheline Calmy-Rey gegen ihn Stimmung machte.

Nach der grossen Verwirrung der letzten Tage klärten sich gestern die Fronten. Sprengkandidat Dick Marty (FDP) verlor im Lauf des Tages zunehmend an Boden. Die SP beschloss am Abend einstimmig, nur einen offiziellen Kandidaten zu wählen. So bleiben Marty höchstens vereinzelte Stimmen vorab der Grünen.
Damit bleiben Urs Schwaller (CVP), Didier Burkhalter (FDP) und Christian Lüscher (FDP) ernsthaft im Rennen.

Wie sind ihre Chancen ...
... bei der SP? Die Schützenhilfe der Linken für Schwaller dürfte schwächer ausfallen als bis anhin erwartet. 25 SPler sprachen sich in der Fraktionssitzung für ihn aus, 15 für Burkhalter. Die 9 Abwesenden sollen
zwar laut SP-Leuten mehrheitlich Schwaller-Wähler sein. Trotzdem dürfte der Deutschfreiburger nicht viel mehr als 30 SP-Stimmen erhalten. Als seine stärkste Widersacherin erwies sich gestern SP-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey. Vehement rückte sie die Sprachenfrage ins Zentrum der Diskussion, lautstark unterstützt vom Waadtländer Nationalrat Roger Nordmann.

Sprachenkrieg statt Klassenkampf war gestern die Devise der linken Burkhalter-Wähler. Dass Schwaller sozialpolitisch der SP näher steht, spielte bei ihnen keine Rolle. Der FDP-Rechte Lüscher bekommt keine Stimme.

... bei den Grünen? Hier lief die Diskussion anders. Zwar will hier auch ein Drittel für Burkhalter stimmen. Vor allem aber aus taktischen Gründen. Bei einem zweiten CVP-Sitz befürchtet man, auf lange Sicht keine Chance auf einen grünen Bundesrat zu haben. Von den 24 Grünen werden rund 8 Burkhalter wählen, der Rest Schwaller. Auch hier bekommt Lüscher keine Stimme.

Zwischenbilanz: Neben den 52 eigenen Stimmen der CVP-Fraktion fallen rund 40 linke Stimmen auf Schwaller. Das reicht zwar für den Schlussgang. Aber dann wirds eng.

Was machen FDP und SVP? Weniger offensichtlich präsentiert sich die Rechte. SVP-Fraktionschef Caspar Baader machte vor allem eines klar: «Keine SVP-Stimme für Schwaller!» Parteichef Toni Brunner will diese Stallordnung mit drakonischen Mitteln durchsetzen: «Wir ergreifen Massnahmen.» Was wohl heissen soll, dass die Wackelkandidaten, sprich die Bauernvertreter der SVP, unter schärfster Beobachtung stehen und den Sitznachbarn den Stimmzettel zeigen müssen. Womit Schwallers Chancen weiter sinken. Auf Bauernstimmen der SVP wäre er dringend angewiesen.
Die SVP will zunächst voll auf Lüscher setzen. 59 votierten in der Fraktion für ihn, 2 für Burkhalter. Aber Baader machte auch klar: «Unsere Strategie für die späteren Wahlgänge legen wir erst unmittelbar vor der Bundesratswahl fest.»

Die FDP wird zu Beginn ihre 47 Stimmen auf ihre beiden Kandidaten aufteilen, um keinen zu desavouieren. Lüscher hätte dann total rund 80 Stimmen, Burkhalter käme auf 50 bis 60. Dann aber setzt die FDP voll auf Burkhalter, und auch die SVP dürfte umschwenken. Spätestens im dritten Wahlgang könnte Burkhalter auf rund 130 Stimmen kommen und wäre gewählt. Falls nicht eine stattliche Zahl von SVP-Hardlinern und Bauern abweichen. Sie sind Schwallers letzte Hoffnung.