Diplomaten sauer auf Bundesrat Extrawurst für Yves Rossier

Damit der umstrittene EDA-Staatssekretär Yves Rossier einen diplomatischen Fallschirm bekommt, hat der Bundesrat eine grosse Personalrochade vorgenommen. Diplomaten sind irritiert.

EDA-Staatssekretär Yves Rossier erhält Diplomatische Extrawurst play
Bundesrat Didier Burkhalter, rechts, hat seinem Staatssekretär Yves Rossier, seinen Wunschposten besorgt. Hier sieht man beide während einer Medienkonferenz, am Mittwoch, 4. Mai 2011 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer) PETER KLAUNZER

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Als der Bundesrat letzte Woche entschied, wer neuer Staatssekretär im Aussendepartement EDA wird, sah man den derzeitigen Amtsinhaber Yves Rossier mit einem zufriedenen Lächeln durch Bern flanieren.

Rossier hatte auch allen Grund dazu: Sein nicht ganz freiwilliger Abgang als rechte Hand von Aussenminister Didier Burkhalter war ihm vergoldet worden. Rossier wird als Botschafter nach Moskau versetzt. Sein Wunschposten.

Ernennung rückgängig gemacht

Für diesen diplomatischen Fallschirm hat der Bundesrat auf Antrag von Burkhalter alle möglichen Hebel in Bewegung gesetzt und sogar früher getroffene Personalentscheide über den Haufen geworfen.

Denn vor knapp einem Jahr hatte die Landesregierung bereits jemand anderen in diese Funktion berufen: Kosovo-Bortschafterin Krystyna Marty Lang sollte nach Russland gehen. Sie gilt als Kennerin der Region.

Wie die NZZ schreibt, war Marty Langs Umzug samt Familie bereits organisiert, als das EDA den Prozess Mitte August plötzlich sistierte. Unmittelbar nach der Rücktrittsankündigung von Rossier und mit der Begründung, man wolle zuerst seinen Posten neu besetzen. 

Während Rossier, der im wichtigen EU-Dossier das Vertrauen des Bundesrats verloren hatte und darum seinen Stuhl räumen musste, also eine diplomatische Extrawurst bekommt, wird Marty Lang nun mit dem Trostpflaster als stellvertretende Staatssekretärin abgespeist. Gemäss NZZ ist die Irritation über dieses Vorgehen unter Diplomaten und Beobachtern gross.

Kein Russland-Kenner

Das EDA teilte der Zeitung auf Anfrage mit, bei über 30 jährlichen Neubesetzungen von Missionschefs seien kurzfristige Änderungen jederzeit möglich. Auf die Frage, was Rossier für die Stelle in Moskau prädestiniere, weicht das Departement aber aus.

Für die Besetzung von Botschafterposten würden die «Übereinstimmung von Eignung, Kenntnissen und Erfahrungen» mit den jeweils verlangten Kompetenzen, aber auch die Präferenzen der Kandidaten berücksichtigt. Rossier, ein diplomatischer Quereinsteiger, ist bisher allerdings nicht als Russland-Kenner aufgefallen.

Auch Marty Lang gibt sich diplomatisch: Kurzfristige Wechsel in der Einsatzplanung gehörten zum Alltagsgeschäft einer Diplomatin. Sie freue sich nun auf ihre neue Aufgabe als Stellvertreterin der neuen Staatssekretärin Pascale Baeriswyl in Bern. (sf)

Publiziert am 05.10.2016 | Aktualisiert am 05.10.2016
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7 Kommentare
  • Ulrich  Hirter 05.10.2016
    Burkhalter sieht sich wohl auf der Zielgeraden zur EU. Was mich schmunzeln lässt: warum wohl seine Gattin nicht (mehr) ständig als Begleiterin an seiner Seite ist....
  • Werner  Meier 05.10.2016
    Bundesrat Burkhalter zeichnet sich nicht nur durch eine beschämende Unterwürfigkeit gegenüber der EU, sondern auch durch einen nicht tolerierbaren Nepotismus aus. Die Anzahl der Bundesräte sollte nicht erhöht, sondern auf sechs reduziert werden.
  • Chrigel  Neff aus St. Gallen
    05.10.2016
    Wenn persönliche Seilschaften schon den Zenit des Schweizer Politsystems erreicht haben - und diese zudem noch öffentlich zur Schau gestellt werden - sollte es für uns alle eine Warnung sein.
  • Nikolaus  Grimmi aus Schwerzenbach
    05.10.2016
    Auch auf höchster Ebene der Regierung findet Kumpanei statt. Tust du mir einen Gefallen, dann tu ich dir auch einen. Diese Aemtli-Verteilung ist in der Nähe der Korruption zu suchen. Und das, wo doch die ach so schöne und gute Schweiz keine Korruption kennt!
  • Eugen  Büchel 05.10.2016
    Bei Burkhalter als Bundesrat muss man sich doch immer wieder mit Irritationen gewohnt sein. Er wollte und will das Schweizervolk austricksen, mit hinterhältigen Abmachungen und Verhandlungen. Auch für seine egoistischen Ziele ist er immer zu haben. Aber in der FDP sollte dies ja kein Problem darstellen, man ist sich langsam gewohnt von dieser Partei, den wischi - waschi Kurs.