Die Rolle des Zuger CVP-Nationalrats in der Affäre Haben Sie Geri Müller ans Messer geliefert, Herr Pfister?

CVP-Nationalrat Gerhard Pfister (ZG, 51) hat Geri Müllers Chat-Gespielin im Mai in Bern getroffen. Eigentlich sei es um eine Laufbahnberatung gegangen, doch rasch sei die Frau auf die Causa Geri Müller eingegegangen, so Pfister.

Gerhard Pfister (CVP/ZG): «Es ist ein Problem ETH, nicht Fiala.» play
CVP-Nationalrat Gerhard Pfister (ZG, 51). Keystone

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Alle reden von Masseneinwanderung – unbemerkt verlassen Tausende...
2 Mit 188 Stimmen zur Bundespräsidentin gewählt Glanzresultat für Doris...
3 Wegen unbefriedigendem Wahlresultat SP holt sich Nachhilfe bei...

Politik

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
15 shares
27 Kommentare
Fehler
Melden

Herr Pfister, es heisst, ein CVP-Nationalrat sei ebenfalls in die Geri-Müller-Affäre verstrickt. Offenbar Sie.

Gerhard Pfister: Nein, ich bin nicht  verstrickt in die Sache, aber ich wurde tatsächlich – wohl unter einem Vorwand – mit einer unappetitlichen Geschichte konfrontiert.

Sie hatten Kontakt zu Müllers Chat-Partnerin?

Ja, ich habe die Frau am 22. Mai in Bern zu einem Gespräch getroffen.

Und dabei ging es um Geri Müller.

Nicht von Beginn weg. Sie war auf Stellensuche und wurde mir vermittelt durch einen Bekannten von mir, Josef Bollag. Er bat mich die Frau zu treffen, da sie eine Stelle als Lehrerin suche. Für mich ging es in erster Linie um eine Art Laufbahnberatung für die Frau – deshalb habe ich auch zugesagt.

Von Geri Müller war keine Rede?

Doch, Herr Bollag hat kurz erwähnt, dass die Frau offenbar in einem besonderen Verhältnis zu Geri Müller steht – und er hat auch das Thema Sexting erwähnt. Auf Details ist er aber nicht eingegangen, sondern er wollte ihr bei der Stellensuche helfen, die für sie eventuell schwierig werden könnte. Ich dachte, es gehe vor allem um eine Laufbahnberatung.

Das war beim Treffen aber nicht das Thema?

Zu Beginn schon. Ich habe ihr auch Tipps gegeben, wo sie sich bewerben könnte. Aber die Frau ist relativ rasch auf die Causa Geri Müller eingegangen. Sie hat ihre Beziehung zu Müller dargestellt. Sie schwankte stets zwischen dem Gefühl, bedroht zu werden und der Aussage, dass Müller doch ein lieber Mensch sei, der halt wie alle anderen Menschen auch Fehler mache. Sie machte auf mich einen sehr ambivalenten, verunsicherten Eindruck. Bilder oder Texte aus dem Chat habe ich aber glücklicherweise nie gesehen. Doch ich hatte das Gefühl, dass sie jemanden sucht, der ihr bestätigt, dass sie mit der Geschichte an die Medien gelangen soll. 

Und, haben Sie die Frau darin bestätigt?

Nein, mir war rasch unwohl bei der Sache. Im Verlauf des Gesprächs wurde mir angesichts der unappetitlichen Geschichte immer unbehaglicher zumute, und ich bekam den Eindruck, die Stellensuche sei ein Vorwand für das Meeting gewesen. Ich hatte den Eindruck, es geht um eine leidenschaftliche Beziehung, die unglücklich zu Ende ging. Ich habe der Frau gesagt, dass sie selber entscheiden müsse, wie sie mit dem Material umgeht. Sie solle sich das gut überlegen. Ich habe ihr geraten, einen Rechtsbeistand beizuziehen. Für mich habe ich gedacht, am besten würde sie den ganzen Chat-Verlauf löschen und mit Müller in Frieden auseinandergehen.

Das haben Sie ihr auch gesagt?

Nein, ich habe ihr weder zu- noch abgeraten, weil ich zunehmend den Eindruck hatte, das Ganze sei widersprüchlich und ich sollte eventuell instrumentalisiert werden.

Gemäss unseren Informationen haben Sie aber den Kontakt zu «Weltwoche» hergestellt.

Nein, ich wurde aber von einem Journalisten der Weltwoche kontaktiert und um eine Einschätzung der Frau gebeten. Was ich auch gemacht habe.

Blieben Sie mit der Frau in Kontakt?

Ja, am 14. Juni 2014 habe ich von ihr dann eine SMS erhalten, wonach sie es nicht übers Herz bringe, die Vorfälle publik zu machen. Ich habe ihr geschrieben, dass ich das verstehen könne, sie alleine habe die Verfügungsgewalt über die Bilder und müsse das für sich entscheiden. Ich habe ihr wie gesagt geraten, einen Rechtsbeistand beizuziehen – und ihr alles Gute in dieser für sie schwierigen Situation gewünscht. Für mich war die Geschichte damit erledigt.

Sie haben nichts mehr von ihr gehört?

Vom 14. Juni bis zum Mittwoch letzter Woche (dem Tag, als die Frau in Baden von der Polizei angehalten wurde, Anmerkung der Redaktion) nichts mehr. Sie schrieb dann: «Sehr geehrter Herr Pfister, ich bin dermassen traurig, ich kann fast nicht mehr.» Ich habe sie per SMS gefragt, was passiert sei – aber keine Antwort mehr erhalten. Erst aus den Sonntagsmedien habe ich erfahren, was danach passiert ist.

Mittlerweile stellt sich in der Geschichte auch die Frage, ob der Palästinenser-Freund und Israel-Kritiker Geri Müller mundtot gemacht werden soll. Herr Bollag ist ja Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Baden. Welche Rollen spielen Sie und Herr Bollag da?

Ich habe in der Nahost-Frage politisch bestimmt eine andere Meinung als Geri Müller, aber mich geht sein privates Leben nichts an, nur seine politischen Positionen. Ich bin keineswegs der Spin Doctor in dieser Sache. Ich würde Müller sicher nicht mit solchen Mitteln bekämpfen und mich auch nicht dafür instrumentalisieren lassen. Mein Eindruck war, dass die Frau mit ihrer Geschichte etwas «hausieren» ging, in der Hoffnung, jemand würde ihr die Entscheidung abnehmen. Sie kontaktierte ja auch offenbar noch mindestens einen andern Politiker in dieser Sache. Ich glaube auch nicht, dass Herr Bollag sich irgendwie hat instrumentalisieren lassen.

Hat die Frau ein Drittpartei erwähnt?

Mir gegenüber nie. Offenbar wurde die Frau aber schlecht beraten – von wem auch immer. Ihr wirkliches Motiv bleibt mir auch heute noch unklar.

Was raten Sie Geri Müller? Soll er zurücktreten?

Er befindet sich in einer schwierigen Situation. Der Schaden ist bereits angerichtet. Ich kann Müller in dieser leidvollen Sache ebenso wenig raten, wie ich der Frau einen Rat geben kann. Für mich ist das ganz klar eine Sache zwischen diesen beiden Personen, die mich nichts angeht. Sie haben sich beide offenbar in eine äusserst schwierige Situation manövriert, die auf allen Seiten nur Verletzungen hinterlässt.

Publiziert am 21.08.2014 | Aktualisiert am 21.08.2014
teilen
teilen
15 shares
27 Kommentare
Fehler
Melden
Stadtrat Baden entbindet Geri Müller vorläufig von seinen Aufgaben play
Grünen-Nationalrat Geri Müller (AG, 53). Keystone
Stadtrat Baden entbindet Geri Müller vorläufig von seinen Aufgaben

TOP-VIDEOS

27 Kommentare
  • Martin  Baumann 22.08.2014
    Die Frau hat also alle jüdischen Gegner von Geri Müller vorher schon gekannt, und zwar den aus Baden wie auch "rein zufällig" auch den aus Zürich. Jetzt ist die Verschwörung perfekt, das ist alles kein Zufall mehr.
  • ERICH  Hofer 22.08.2014
    Man kann Schuldzuweisungen in jede Richtung verteilen aber was bleibt ist ein Politiker der gerne gross anrichtet und verteilt aber selber nicht Herr über den Reissverschluss an seiner Hose ist. Beginnen wir einmal mit der Beurteilung dieser Person und seinen Aemtern, respektiv deren Zukunftsaussichten.
  • Heiri  Cadalbert aus Schaffhausen
    22.08.2014
    Jetzt fährt die Israel- Lobby also in der Schweiz die gleichen Methoden wie in der USA. Unliebsame Kritiker werden mit manipulativen Methoden mundtot gemacht und diskreditiert.
  • Markus  Berchier aus Soulce
    22.08.2014
    Wer in solchen Ämter sitzt und im Privaten in einer Beziehung ist, sollte es wissen dass er in einem Glashaus sitzt und mit einer solchen pubertären Handlung viele Menschen vor den Kopf stösst.
    Leider muss man auch dazu stehen können, sowie die Konsequenz aus der Sache ziehen, auch wenn es persönlich schmerzt. Es ist klar dass das Vertrauen bei vielen Bürgern der Schweiz hiermit nicht mehr vorhanden ist.
  • marcel  meuler aus Regensdorf
    21.08.2014
    All dies ändert nichts an der Tatsache, dass Geri Müller vom Badener Volk gewählt wurde und dies für ein verantwortungsvolles Amt. Während der vom Steuerzahler bezahlten Arbeitszeit hat er Bilder von seinem Penis verschickt. Dies geht nicht. Es kann nur ein Rücktritt geben!