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Sechs Wochen Ferien für alle: Über dieses Volksbegehren stimmen die Schweizer in drei Wochen ab.
Im Parlament hatte es keine Chance. CVP, Grünliberale, FDP und SVP schmetterten das Anliegen der Gewerkschaft Traivailsuisse geschlossen ab. Einzig Links-Grün stimmte dafür.
Hauptargument der Gegner: Es sei zu teuer! Firmen könnten es sich nicht leisten, den Beschäftigten mehr Ferien zu gönnen.
Doch bis weit ins bürgerliche Lager herrschte Einigkeit, dass das gesetzliche Minimum von vier Wochen zu knauserig sei. Die Firmen sollen grosszügiger sein, insbesondere in Branchen mit schlechten Arbeitsbedingungen und tiefen Löhnen müssten mehr als 20 Tage pro Jahr drinliegen.
Recherchen von SonntagsBlick zeigen: Das sind Lippenbekenntnisse! Zum Beispiel beim Grünliberalen Thomas Weibel (ZH). Im Nationalrat verkündete er lauthals am Rednerpult: «In Arbeitsbereichen, in welchen offensichtlich Handlungsbedarf besteht, erwarten wir branchenspezifische Lösungen.»
Derselbe Thomas Weibel sitzt auch im Vorstand des zürcherischen Spitex-Verbands. Und der empfiehlt für 21- bis 49-Jährige bloss vier Wochen Ferien. Von SonntagsBlick mit dem Widerspruch konfrontiert, gelobt Weibel Besserung: «Wenn die Initiative abgelehnt wird, werde ich mich dafür einsetzen, dass die Angestellten in der Pflegebranche mehr als das gesetzliche Minimum an Ferientagen erhalten.»
Ähnlich liegt der Fall bei Kurt Fluri (FDP/SO). In einem Interview sagte er: «Die bisherige einzelbetriebliche oder branchenspezifische Regelung über Gesamtarbeitsverträge hat sich in unserem Land bestens bewährt.»
Tatsächlich? Fluri ist Vizepräsident im Stiftungsrat des Altersheims Wengistein. Die unter 50-jährigen Angestellten des Altersheims haben vier Wochen Ferien – keinen Tag mehr. Damit konfrontiert meint er: «Das Altersheim muss eben selbsttragend sein. Man muss je nach den finanziellen Verhältnissen pro Unternehmen entscheiden.»
Auch in der Klinik Adelheid in Unterägeri, wo der Zuger CVP-Nationalrat Gerhard Pfister im Verwaltungsrat sitzt, bekommen Angestellte bis zum 44. Altersjahr nur vier Wochen Urlaub. Auf Anfrage räumt Pfister ein, das Ferienregime in der Klinik sei «tatsächlich etwas starr». Er sei aber gegen landesweite und für individuelle Vereinbarungen. Im Fall der Klinik Adelheid sei er bereit, das Ferienthema zu diskutieren.
Für Travailsuisse-Präsident Martin Flügel zeigen diese Beispiele, was von solchen Politikern zu halten ist: «Sie reden gross von Sozialpartnerschaft, setzen sich aber nicht einmal dort für Verbesserungen ein, wo sie Einfluss haben.» Nur die Initiative «6 Wochen Ferien für alle» verspreche einen Ausgleich zum Arbeitsstress.
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