Antifeministen-Treffen Die Männer mit den gebrochenen Herzen

  • Publiziert: 30.10.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Beat Kraushaar, Jessica Francis (Text) und Paolo Foschini (Fotos)

GLATTFELDEN - ZH - Das erste Antifeministen-Treffen der Schweiz löste Protest aus. Statt Frauenhassern aber sah man viele traurige Männer.

Am Flughafen Kloten steht ein Mann. Er hält eine Tafel in der Hand. «Egala» steht darauf. Es ist das Codewort für die Teilnehmer des ersten Internationalen Antifeminismus-Treffen. Die Geheimaktion wurde nötig, nachdem letzte Woche Linksaktivisten mit Spray-Attacken und Demo-Aufruf gegen den Anlass mobil gemacht hatten – mit dem Ziel, ihn zu verhindern.

Er findet trotzdem statt. Nicht wie geplant in Uitikon ZH, sondern in einem Saal nahe Glattfelden ZH. Rund 100 Personen, vorwiegend Männer zwischen 40 und 60 Jahren, sind gekommen. Nicht die erwarteten Antifeministen, die Frauen als männerfressende Schlampen beschimpfen, sondern vor allem Männer mit gebrochenen Herzen.

Wenn sie Frauen hassen, dann nur eine: die Ex. Fast alle teilen das gleiche Schicksal: Trennung, Kampfscheidung – und keine Chance, das Sorgerecht für die Kinder zu erhalten. Der meistgehörte Satz: «Mit der Drohung, meine Kinder nie mehr zu sehen, presst mich meine Ex finanziell aus wie eine Zitrone.»

Artig lauscht man den Referenten, von denen die Hälfte aus Deutschland kommt. Bei Sätzen wie «Scheidungsfälle sind eine Sammlung von Kriminalfällen» oder «Feminismus ist heute klar männerfeindlich» rauscht höflicher Beifall auf. Die meisten sind offenbar wegen des Gemeinschaftsgefühls hier. Und um mal wieder zu erleben, dass sie mit ihren gebrochenen Herzen nicht alleine sind.

Der provokative Titel «Internationales Antifeminismus-Treffen» hat aber auch etwas Positives bewirkt: viel Aufmerksamkeit. Und eine Demonstration ihrer Gegner am Samstag in Zürich, bei der eine junge Frau sagte: «Was die Antifeministen rauslassen, ist ein Skandal. Trotzdem werden ihre Aussagen verbreitet – wir müssen dagegen ankämpfen. Sonst ist unsere Gesellschaft verloren.»

Dass ihm so viel Radikalität unterstellt wird, bringt Daniel Neuhaus (44), Teilnehmer des Treffens in Glattfelden, zum Lachen. «Ich musste auf Wikipedia nachschauen, was Antifeminismus heisst.»