Thomas Minder erklärt seine Wut nach dem Nationalrats-Entscheid «Die Linken gefährden die Abzocker-Initiative»

NEUHAUSEN SH – Thomas Minder, der Vater der Abzocker-Initiative, ist stinksauer auf die Linken. Im Interview erklärt er warum.

  • Publiziert: 12.03.2010, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Michael Perricone
play Thomas Minder kämpft an vorderster Front gegen überrissene Manager-Löhne. (REUTERS)

Gratulation: Ihre Initiative kommt zu Abstimmung.
Thomas Minder: Das ist leider nicht nur erfreulich, denn das Parlament will einen Gegenvorschlag machen. Damit gefährden die Linken den Erfolg der Initiative. Denn eine Initiative kommt gegen einen Gegenvorschlag an der Urne nicht durch. Wenn die Initiative nicht durch kommt, ist das ein Sieg für die Abzocker – dafür mache ich die Linken verantwortlich.

Weshalb hat die SP Ihren Einigungsvorschlag nicht unterstützt?
Im Gespräch unter vier Augen finden Sozialdemokraten und Grüne den Einigungsvorschlag von mir und Blocher gut. Gut bis sehrgut! Auch die wissen: Auf Gesetzesebene kann man das besser ausformulieren als in der Verfassung. Aber sie wollen mit der Initiative Politik machen.

SP-Präsident Levrat hat gestern im Blick am Abend angekündigt, dass er Ihre Initiative im Abstimmungskampf unterstützt.
Wie will Herr Levrat im Abstimmungskampf erklären, dass er doch für die Initiative ist, wo er jetzt im Parlament für einen Gegenvorschlag kämpft?

Weshalb vertrauen Sie nicht darauf, dass der Gegenvorschlag von CVP und SP gut kommt?
Weil der Gegenvorschlag aus dem Parlament es nie schaffen wird, alle Hintertüren zu schliessen.

Hintertüren?
Die Abzocker schaffen es immer wieder, Hintertüren zu finden. Ein Beispiel: Selbst die Novartis könnte einfach eine Gesellschaft im Ausland gründen, an die sie die Geschäftsführung auslagert. Und schon wären die gesetzlichen Vorgaben der Schweiz umgangen. Meine Initiative macht solche Schlupflöcher dicht. Im Parlament wollen das viele verhindern. Die machen nie einen wasserdichten Gegenvorschlag.

Der Abstimmungskampf kommt – haben Sie genug Geld, um diesen gegen die Schweizer Wirtschaft zu führen?

Ehrlich gesagt wünsche ich mir fast, dass Economiesuisse Millionen in die Abstimmung reinbuttert. Denn die Gelder kommen ja genau von den grossen Firmen mit den Abzockern. Da könnte der Schuss hinter rausgehen, Sollen doch Vasella und Co. ihr Portemonnaie öffnen – das gäbe nochmals einen Kick für das Volk.

Auf ihrer Seite würde wohl Christoph Blocher Geld locker machen. Er will die Initiative unterstützen.
Ja, sonst würde er wortbrüchig.