Die kleine China-Knigge vor dem Staatsbesuch aus dem Reich der Mitte «Wir sollten uns als Heidiland zeigen»

Er kommt nur zu uns: Vier Tage lang besucht Chinas Staatspräsident Xi Jinping die Schweiz. Für BLICK sagt China-Experte Ruedi Nützi, wie der Chinese tickt und wie die Schweiz ein perfekter Gastgeber ist.

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Im Frühling 2016 besuchte Johann Schneider-Ammann den chinesischen Staatsschef Xi Jinping. Xinhua

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Die Schweiz und China – das sei eine ganz besondere Verbindung, sagt China-Experte Ruedi Nützi*. «Der Kleinstaat Schweiz geniesst eine Ausnahmestellung im Reich der Mitte, besonders auch seit dem Freihandelsabkommen.» Deshalb besuche der chinesische Staatspräsident Xi Jinping die Schweiz für vier Tage, «ohne im Anschluss eine Europatour anzuhängen».

Aber Achtung, es herrscht Fettnäpfchen-Gefahr im Umgang mit den hohen Gästen aus dem Fernen Osten. Die Tipps des China-Experten Prof. Ruedi Nützi, Direktor Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz. 

  • Aufmerksamkeiten helfen: Geschenke, das Überreichen der Visitenkarten mit beiden Händen, mindestens «Guten Tag» und «Danke» auf Chinesisch sowie Essen mit Stäbchen zeigen, dass man an China interessiert ist.  

  • China richtig einschätzen: China hat 165-mal mehr Einwohner als die Schweiz, war im Mittelalter eine Weltmacht und wird die USA in absehbarer Zeit als Nummer eins ablösen. Das Land steht vor enormen Herausforderungen und muss in allen Bereichen unglaubliche Fortschritte machen. Kein Land der Welt ist so unterschiedlich, so dynamisch, so ehrgeizig wie China. 

  • Selbstbewusst: Die Chinesen schätzen die Schweiz. Wir sollten uns als Heidiland und als Innovationsland zeigen. Die Chinesen lieben nicht nur Uhren und Berge. Sie sind auch sehr am Schweizer Bildungs- und  Berufsbildungssystem interessiert.

  • Es ernst meinen mit den Chinesen: Vorsicht ist geboten, wenn es etwa um Firmenverkäufe an China geht. Aber für die Schweiz zahlt sich aus, wenn sie die Partnerschaft selbstbewusst und offen mit Inhalten füllt. Und zwar subito. Gegenwärtig sind zu viele Lippenbekenntnisse vorhanden. 

  • China würdigen: Es gibt heikle Themen. Dafür finden zwischen beiden Ländern regelmässige Arbeitsgespräche statt. Es geht beim Staatsbesuch darum, China und seine Menschen zu würdigen. Der Besuch von Xi soll harmonisch ablaufen. 

  • An Beziehungen interessiert sein statt am Gewinn: Das Gesicht des chinesischen Partners wahren, Persönliches erzählen, schweizerisch freundlich, bescheiden, geduldig sein. All das hilft sehr. 

  • Bundespräsidentin Leuthard soll ihre Kompetenz und ihren Charme zeigen und launige Reden halten: Sie wird punkten und damit die Schweiz ins beste Licht rücken.

  • Acht ist die Lieblingszahl der Chinesen, eine Glückszahl: Es lohnt sich, sich mit chinesischen Ritualen und Traditionen auseinanderzusetzen. Geschichte und Zukunft gehören für die Chinesen untrennbar zusammen.

  • Beim Essen: Der Ranghöchste, die Ranghöchste hält eine Tischrede. Die ist zu erwidern.

  • Fauxpas: Chinesen lieben es, einem Exotisches aufzutischen. Ich habe öfters als Delegationsleiter Seegurken angeboten bekommen. Das wollte ich nicht essen, und das kam nicht gut an. Seither versuche ich es immer wieder…

  • * Prof. Dr. Ruedi Nützi ist Direktor Hochschule für Wirtschaft der FHNW (Fachhochschule Nordwestschweiz) und China-Experte. Unter seiner Leitung hat die Hochschule in den letzten 10 Jahren mehr als 1000 chinesische CEO ausgebildet.

Publiziert am 13.01.2017 | Aktualisiert am 14.01.2017
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20 Kommentare
  • olivia  meierhans 14.01.2017
    Herrn Nützis Tipps mögen für Besuche in China gelten, bei uns ist es aber unüblich, mit Stäbchen zu essen. Na ja, man könnte diese zum Käsefondue anbieten, aber ich bin mir nicht sicher, ob die Chinesen dann Freude hätten, bei jedem Brothäppchen, welches reinfällt zu singen. Hier gilt unsere Kultur, nicht die von China. Das müsste auch einem chinesischen Präsidenten klar sein und ich bin überzeugt, es hat sich vorher über unsere Gepflogenheiten informiert. Es gibt hier auch keine Seegurken!
  • Colin  Uttley 14.01.2017
    @Thomas Guldimann
    Und wie man dort mit Tieren umgeht finden Sie auch akzeptabel?
  • Fritzpeter  Friedli , via Facebook 14.01.2017
    Nicht vergessen zum kleinen China-Knigge gehört auch, dieses Thema bitte nicht ansprechen! Die Volksrepublik China vollstreckt weltweit mit Abstand die meisten Todesurteile. Die Exakte Anzahl ist ein Staatsgeheimnis, kann daher nur geschätzt werden. Im Jahr 2007 schwankten die Schätzungen zwischen knapp 2.000 - 6000.
    Seit dem Jahr 2007 müssen alle Todesurteile vom Obersten Volksgericht in Peking bestätigt werden. Besten Dank für das China Verständnis, ihr Heidi- Land Bewohner samt Regierung!
  • Luca  Conti 14.01.2017
    Vorsicht ist geboten! Ehe man es versieht, wird Heidiland in China kopiert und 1:1 wieder aufgebaut. Das ist die wahre Tugend der Chinesen. Aber auch moderne Technologien werden gnadenlos kopiert, Arbeitsplätze nach China verschoben. Und deshalb wurde Trump auch Präsident, die Amis hatten einfach genug davon.
  • Thomas  Guldimann aus Kuala Lumpur
    14.01.2017
    Herr Kuster, waren Sie schon einmal in China? Kennen Sie Land u Leute? Ich habe 6 Jahre in China gelebt, dann bekommen Sie ein anderes Bild. Nur laestern bringt nichts. Aber Sie haben recht es werden zu viele Leute exekutiert. Und dies sollte man auch Ji Xingping mitteilen. Man sollte die Schweiz nicht als Heidiland verkaufen, man sollte Ihm zeigen wie wir Lehrlinge ausbilden u was fuer hochwertige Technologien wir verkaufen koennen.