Urs Schwallers heisse Prüfung Die Bankenfrage

  • Publiziert: 13.09.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Marcel Odermatt
play Anhörung: Die Tabelle zeigt, ­welcher Kandidat von welcher Partei zum Gespräch eingeladen wird.

Im Hearing am Dienstag will die SP erfahren, wie es CVP-Bundesratskandidat Urs Schwaller mit den Banken hält.

Im SonntagsBlick listete SP-Chef Christian Levrat (39) vergangene Woche die Zugeständnisse auf, welche er von Urs Schwaller (56) erwartet. Erst wenn der Bundesratskandidat ihm in diesen Punkten entgegenkomme, könne er mit einer Mehrheit der Genossen am Wahltag am Mittwoch rechnen. Levrat stellte klare Forderungen zu Klima-, Landwirtschafts- und Gesundheitspolitik sowie zu den EU-Beitrittsverhandlungen.

Doch das aktuelle politische Thema, die Finanz- und Bankenkrise sowie das UBS-Debakel, erwähnte Levrat mit keinem Wort.

Jetzt wird der Kurs im letzten Moment noch korrigiert. SonntagsBlick weiss: Beim Hearing am Dienstagnachmittag wollen die SP-Parlamentarier Schwaller auf den Zahn fühlen. Christian Levrat bestätigt: «Ja, dieses Thema wird auch zur Sprache kommen.»

Dies aus gutem Grund: Der Lieblingskandidat der Sozialdemokraten ist in dieser entscheidenden Frage Lichtjahre von linken Positionen entfernt – ebenso wie die beiden FDP-Kandidaten. So engagierte sich Schwaller im Ständerat an vorderster Front mit seinen Kollegen von CVP und FDP gegen einen Lohndeckel für Bankmanager. Auch der Forderung, die Schweizer Grossbanken zu verkleinern, um damit das volkswirtschaftliche Risiko zu verringern, erteilte er im August eine Absage.

Also genau das, was SP-Chef Levrat am Freitag zusammen mit Unternehmer Nicolas G. Hayek (81) und SVP-Vizepräsident Christoph Blocher (68) zur Schicksalsfrage der Schweizer Wirtschaft erklärte.

Wie bankennah Schwaller politisiert, zeigt sich auch daran, wem der Freiburger Zutritt zum Bundeshaus gewährt. Jeder Parlamentarier hat das Recht, zwei Personen einen Badge zu beschaffen, mit dem sie jederzeit die Wandelhalle betreten dürfen. Schwaller erteilte dieses Privileg ausgerechnet einem Lobbyisten der Bankiervereinigung: Yves Weidmann. Seit vier Jahren weibelt der mit dem Segen des CVP-Fraktionschefs bei den Parlamentariern für die Interessen der Finanzbranche.

Ob nun Schwaller gewählt wird oder einer der FDP-Kandidaten Didier Burkhalter (49) und Christian Lüscher (45), sicher ist: Die Finanzlobby kann sich auf den neuen Bundesrat freuen. 

play Gewährte einem Lobbyisten der Bankiervereinigung Zutritt zum Bundeshaus: CVP-Bundesrats­kandidat Urs Schwaller. (Reuters)