Steuerstreit Der «Spiegel» rückt Widmer-Schlumpf auf die Front

  • Publiziert: 20.08.2012
  • Von Peter Brühwiler

Finanzministerin Evelin-Widmer Schlumpf als Spiegel-«Cover-Girl»: Das von ihr ausgehandelte Steuerabkommen sei definitv «gescheitert», schreibt das grösste Magazin Deutschlands.

Das Steuerabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland: «Gescheitert!». Zu diesem unmissverständlichen Schluss kommt der «Spiegel» auf der Frontseite seiner aktuellen Ausgabe.

Prominent ins Bild gerückt: Unsere Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf.

Von ihr und ihrer Verhandlungsdelegation habe sich Deutschland «gnadenlos über den Tisch ziehen lassen», zitiert das Magazin den Vorsitzenden der deutschen Steuer-Gewerkschaft, Thomas Eigenthaler.

Fachleute des nordrhein-westfälischen Finanzministeriums liefern die entsprechenden Zahlen: Wer vor 10 Jahren 1,2 Millionen Euro unversteuertes Schwarzgeld in die Schweiz geschafft habe und hier dank Zins und Zinseszins inzwischen über 1,6 Millionen Euro verfüge, könne diesen Betrag dank Steuerabkommen mit 340'000 Euro weisswaschen.

«Wäre das Einkommen ordnungsgemäss in Deutschland deklariert und versteuert worden, lägen die Abzüge bei 770'000 Euro, also mehr als doppelt so hoch.»

Widmer-Schlumpf kommt nicht zu Wort

Zum Vorbild nehmen sich die Deutschen zunehmend die USA. Durch ein verschärftes Strafrecht, wie es der nordrhein-westfälische Justizminister Thomas Kutschaty im Spiegel-Interview vorschlägt, «könnte Deutschland künftig eine härtere Linie verfolgen».

«Wir könnten dafür sorgen, dass sich die Beihilfe zur Steuerhinterziehung für die Banken nicht mehr lohnt», so Kutschaty. Die heutige Rechtslage sei «bizarr»: «Wir können gegen kriminelle Unternehmen nur Bussgelder verhängen.»

Pikant: Widmer-Schlumpf ziert zwar die Frontseite des «Spiegels», zu Wort kommt die Bundesrätin im Text dann aber selber nicht.

Das Cover mit der Finanzministerin ist übrigens nur an den Schweizer Kiosken erhältlich. In Deutschland selber setzt der «Spiegel» auf eine ganz andere Geschichte über Introvertierte: Die Schlagzeile «Triumph der Unauffälligen» hätte vor ein paar Jahren wohl auf den Schweizer Bankplatz gemünzt werden können. Tempi passati.

Beliebteste Kommentare

  • Vito  Balotelli
    Mann könnte denken, die Schweizer seien am ganzen Schlamassel schuld. Dabei ist es ja das "Deutsche Volk" das Steuern hinterzieht! Würden Sie das nicht in der Schweiz tun, würden diese auf der ganzen Welt genügen Alternativen zum Hinterziehen finden! Ich bin dafür, das Abkommen ersatzlos z streichen und für CD-Diebe sehr harte Strafen einzuführen!
  • Roger  Frey , Gelterkinden
    Auch in Deutschland handeln dieverse Politiker anders wie es die Regierung vorgibt. Es geht doch gar nicht um das Steuerabkommen und das Schwarzgeld, es geht doch nur um möglichst viele Punkte zu sammeln im kommenden Wahljahr. Zudem steht ja in dem Bericht warum die Reichen das Geld vor dem Fiskus verstecken. Geld wird als einkommen versteuert, dann nochmals als vermögen und nach 10 Jahren soll man zum Dank noch 2/3 vom ursprünglichen Vermögen haben, weil die Unfähigen Politiker das Gefühl haben der Bürger sei ohne Ende auszupressen wie eine Zitrone. Wer würde da nicht versuchen soviel wie möglich zu retten.

Alle Kommentare (38)

  • patrick  müller
    warten wir doch ab. die deutschen werden das abkommen ablehnen und somit liegt dann der schwarze peter bei ihnen.
    • 20.08.2012
    • 37
    • 2
  • walter  maisel , aeugst am albis
    Es gibt nur eine Lösung:Wegfall des Bankgeheimnisses!!!
  •   Schlatter Uele , bern
    Wisst ihr eigentlch wie wichtig das Bankgeheimnis aus der Sicht der schweizer Wirtschaft ist? Wir sind hier wo wir sind, weil wir das Bankgeheimnis hatten und mit den Banken viel Geld verdienten. Das ist ein grosser Grund, warum wir so einem Wohlstand haben!
  • Giovanni  Palmiero , Jegenstorf
    Es gibt nur ein Original Covergirl auf der Welt und das ist und bleibt unsere Angie Merkel
  • Chris  Tersteegen , Andermatt
    Egal, was passiert: Für die BLICK-Forum-Schweizer sind immer die Deutschen schuld. Dabei merken sie gar nicht mehr, wie sehr unser Ruf leidet siehe USA und wir wegen der Banken in Europa und der Welt isoliert sind!
Seite 1 2 3 4 5 6 »
Seitenanfang

Top 3

1 Nach dem Nein im Nationalrat Ständeräte kämpfen weiter für die «Lex USA»bullet
2 Ständerat hält am US-Steuerdeal fest Was ist der «Bettelbrief» wert?bullet
3 Gesetz mit Hintertür Dürfen Asylbewerber bald sofort arbeiten?bullet

Politik