Finanzministerin Evelin-Widmer Schlumpf als Spiegel-«Cover-Girl»: Das von ihr ausgehandelte Steuerabkommen sei definitv «gescheitert», schreibt das grösste Magazin Deutschlands.
Das Steuerabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland: «Gescheitert!». Zu diesem unmissverständlichen Schluss kommt der «Spiegel» auf der Frontseite seiner aktuellen Ausgabe.
Prominent ins Bild gerückt: Unsere Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf.
Von ihr und ihrer Verhandlungsdelegation habe sich Deutschland «gnadenlos über den Tisch ziehen lassen», zitiert das Magazin den Vorsitzenden der deutschen Steuer-Gewerkschaft, Thomas Eigenthaler.
Fachleute des nordrhein-westfälischen Finanzministeriums liefern die entsprechenden Zahlen: Wer vor 10 Jahren 1,2 Millionen Euro unversteuertes Schwarzgeld in die Schweiz geschafft habe und hier dank Zins und Zinseszins inzwischen über 1,6 Millionen Euro verfüge, könne diesen Betrag dank Steuerabkommen mit 340'000 Euro weisswaschen.
«Wäre das Einkommen ordnungsgemäss in Deutschland deklariert und versteuert worden, lägen die Abzüge bei 770'000 Euro, also mehr als doppelt so hoch.»
Zum Vorbild nehmen sich die Deutschen zunehmend die USA. Durch ein verschärftes Strafrecht, wie es der nordrhein-westfälische Justizminister Thomas Kutschaty im Spiegel-Interview vorschlägt, «könnte Deutschland künftig eine härtere Linie verfolgen».
«Wir könnten dafür sorgen, dass sich die Beihilfe zur Steuerhinterziehung für die Banken nicht mehr lohnt», so Kutschaty. Die heutige Rechtslage sei «bizarr»: «Wir können gegen kriminelle Unternehmen nur Bussgelder verhängen.»
Pikant: Widmer-Schlumpf ziert zwar die Frontseite des «Spiegels», zu Wort kommt die Bundesrätin im Text dann aber selber nicht.
Das Cover mit der Finanzministerin ist übrigens nur an den Schweizer Kiosken erhältlich. In Deutschland selber setzt der «Spiegel» auf eine ganz andere Geschichte über Introvertierte: Die Schlagzeile «Triumph der Unauffälligen» hätte vor ein paar Jahren wohl auf den Schweizer Bankplatz gemünzt werden können. Tempi passati.
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