Wirtschaftsprofessor Kunz in der «Tagesschau» «Der Kauf der Daten-CD war legal»

  • Publiziert: 16.07.2012

Erneut hat das Bundesland Nordrhein-Westfalen eine CD mit Steuerdaten aus der Schweiz gekauft. In der Tagesschau heute Mittag sagt Peter V. Kunz, Wirtschaftsprofessor an der Uni Bern, dieser Kauf sei völlig ok.

Viele sagen, mit der Unterzeichnung des Steuerabkommens seien Deutschland und die Schweiz übereingekommen, dass keine weiteren CDs mit Daten von Steuerflüchtlingen gekauft werden dürften.

Alles falsch, sagte heute in der Mittags-Tagesschau der Berner Prof. für Wirtschaftsrecht, Peter V. Kunz: «Der Wortlaut ist klar, der Erwerb solcher CD-Kundendateien durch deutsche Bundesländer ist weiter legal. Nicht legal wäre, Auskundschaftsaufträge zu erteilen.»

Im Steuerabkommen sei die entsprechende Aussage auf Seite 47 zu finden. Die Formulierung des betreffenden Passus sei bewusst so gehalten, dass sich Deutschland betr. CD-Kauf ein Hintertürchen offen halten könne, so Kunz weiter im TV.

Politiker der Mitteparteien erstaunt

Vertreter der Mitteparteien sind über die Aussagen des Wirtschaftsprofessors erstaunt. «Offensichtlich besteht ein Interpretationsspielraum, der nun unterschiedlich ausgelegt wird», sagt FDP-Präsident Philipp Müller. Nachverhandlungen in diesem Punkt seien nicht mehr möglich.

Martin Landolt: «Man kann es auch so interpretieren, dass es nicht legal ist. Im entsprechenden Passus steht, Deutschland würde sich «nicht mehr aktiv bemühen» an Steuerdaten heranzukommen.» Dies bedeute, so Landolt, dass Deutschland dennoch aktiv handeln würde, wenn ihnen eine CD angeboten wird. «Darum ist der weitere Erwerb solcher Daten-CDs für mich illegal. Und deren aktive Bezahlung ist im Sinne des Abkommens ausgeschlossen.»

Urs Schwaller, Fraktionschef CVP: «Das Parlament ging klar davon aus, dass sowohl der Ankauf wie auch die Verwendung verboten sind.»

Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf müsse, so Schwaller, in den nächsten Tagen in Deutschland Klarheit schaffen.

(kmu)

 

 

 

 

 

 

Beliebteste Kommentare

  • Roberto  Gloor , Zürich , via Facebook
    Sorry, alle ausser die SVP waren einfach dumm. Das Steuerabkommen ist schädlich für unser Land.
  • Edith  Zellweger
    Offenbar sitzen in unserem Parlament alles nur Pumpen! Und solch ein Parlament regiert die Schweiz! Mei oh mei.....wahrscheinlich können die meisten von denen weder lesen noch schreiben. Auf jeden Fall hat der Rest der Welt wieder etwas zum lachen.

Alle Kommentare (16)

  • Priska  Jermann , via Facebook
    Im entsprechenden Passus steht, Deutschland würde sich «nicht mehr aktiv bemühen» an Steuerdaten heranzukommen.» Und wenn Deutschland eine CD mit Steuerdaten angeboten worden ist, hat Deutschland sich ja auch nicht aktiv darum bemüht. Also ist es letztlich ein Fehler derjenigen Verantwortlichen in der Schweiz, welche nicht fähig waren, den Passus so zu formulieren, dass auch der Kauf von angebotenen Steuerdaten ausgeschlossen sein soll. Nicht einmal für eine solche korrekte, eindeutige Formulierung sind unsere verantwortlichen PolitikerInnen in der Lage. Hahnebüchen!
    • 16.07.2012
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  • Roger  Garnier , Buchs ZH
    Wie geht dass nochmal mit Diebesgut kaufen? Wenn ich Diebesgut kaufe mach ich mich doch strafbar oder nicht? Umso schlimmer, wenn ich weis das es Diebesgut ist. Die D machen sich somit strafbar! Warum macht keiner eine Anzeige liebe Leute in Bern?
  •   Max Heinicke sen , Zürich
    Wenn das Kleingedruckte in diesem Vertrag original Ausspruch Tagesschau solches zulässt, hat sich die Verhandlungsdelegation des EFD, Vorsteherin Madame Widmer-Schlumpf, über den Tisch ziehen lassen. Früher galt allerdings noch der Grundsatz von Treu und Glauben. Dass sich Herr Schäuble so vorführen lässt, ist bedenklich .
    • 16.07.2012
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  • Daniel  zeller
    Endlich Schluss mit der Rosinenpickerei unserer Schweiz. Wir können mit Qualität und Fleiss viel mehr erreichen als mit Unterstützung von Steuerhinterziehung. Das Bankgeheimnis gehört endlich abgeschafft. Die Banken haben sich jahrelang gesund gestossen und mussten im Fall UBS noch gerettet werden. Jeder Kauf einer CD im Ausland ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wer nicht hören will, muss fühlen.
  • Johannes  Lenssen
    Es ist doch verständlich, dass Deutschland Steuerhinterziehung energisch bekämpfen muss. Ich erwarte von der Schweiz und den Schweizern, dass sie endlich Stellung beziehen und der kriminellen Steuerhinterziehung den Kampf erklären. Diese eindeutige Positionierung vermisse ich bisher.
    • Germano  Foschi , Basel
      Herr Lenssen es geht nicht um Steuern sondern um Kunden. Das ist ein Wirtschaftskrieg indem sich die Schweit befindet. Leider haben dies die Politiker noch nicht begriffen. Wenn die Raktion ausbleibt, wird die Schweiz zig tausende gutbezahlter Arbeitsplätze verlieren und Steuerausfälle in ungeahnter Höhe. Wollen sie dies kompensieren?
      • 16.07.2012
      • als Kommentar auf Johannes  Lenssen
      • 34
      • 20
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