Infektion, Trainingsrückstand – und jetzt ein Langlaufrennen Der härteste Bundesrat der Welt!

  • Publiziert: 06.03.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Marcel Odermatt
play Angeschlagen Trotz Jubel mit Gold-Simi: Ueli Maurer war in Vancouver krank. (RDB)

Heute startet Ueli Maurer beim Wasalauf in Schweden. Mutet sich der Sportminister, der eben noch an einer Erkältung litt, zu viel zu?

Heute Sonntag musste Ueli Maurer (59) früh aus den Federn. Bereits um drei Uhr war Tagwacht im Örtchen Mora. Nach dem Frühstück fuhr der Bundesrat im Bus nach Sälen. Dort startete der schwedische Langlaufklassiker, der Wasalauf.

Um acht Uhr geht es los. Der Sportminister nimmt die 90 Kilometer (klassischer Stil, kein Skating) unter seine Langlaufski. Die schnellsten der mehr als 15000 Teilnehmer brauchen für die Strecke knapp vier Stunden, Maurer hat sich nur vorgenommen, gut anzukommen.

Das hat seinen Grund. Der Verteidigungsminister fühlte sich in letzter Zeit alles andere als fit. Wochenlang laborierte er an einer heftigen Erkältung, die einfach nicht abklingen wollte.

Während seines Aufenthalts an den Olympischen Winterspielen in Vancouver musste der SVP-Politiker die Infektion mit Antibiotika behandeln. Maurer: «Seit einigen Tagen geht es mir besser.» Nach einem ärztlichen Check-up habe er entschieden, am Lauf teilzunehmen.

Der begeisterte Ausdauersportler steigt mit einem Handicap ins Rennen: Durch seine Krankheit hat er sich einen Trainingsrückstand eingehandelt. «Ich konnte in den letzten drei Wochen nicht trainieren», so der VBS-Chef. Zur Vorbereitung des Rennens in Skandinavien absolvierte er bloss 600 Loipenkilometer, viele davon auf der beleuchteten Strecke in Kandersteg BE.

Infektion, Antibiotika und jetzt diese Parforceleistung bei Temperaturen um minus zehn Grad. Übernimmt sich Maurer? Aus dem Umfeld des Bundesrates sind kritische Stimmen zu hören.

Der Chef arbeite generell zu viel, schone sich zu wenig und riskiere damit seine Gesundheit. Auch der von SonntagsBlick befragte langjährige Teamarzt der Olympiamannschaft, Beat Villiger (66), warnt: «Nach einer langwierigen Infektion sollte Ueli Maurer das Rennen langsam angehen. Wenn er spürt, dass es geht, kann er später immer noch zulegen.»

Für den Sportarzt ist der Start überhaupt nur zu verantworten, weil Maurer sein Leben lang intensiv Ausdauersport betrieben hat. Villiger: «Solche Läufer kennen ihren Körper am besten und wissen, was sie ihm zumuten können.»

play Motiviert Vor Parforceleistung: Ausdauersportler und VBS-Chef Ueli Maurer. (RDB)