Kroatien ist EU-Mitglied: «Der Bundesrat will die Schweiz mitbeerdigen»

Was bedeutet der EU-Beitritt Kroatiens für die Schweiz? Die SVP warnt, der Bundesrat beruhigt, die Industrie hofft.

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play Die EU-Grenze hat sich verschoben: Feuerwerk am Grenzübergang Kroatien-Slowenien. (Keystone)

Seit Mitternacht ist Kroatien das 28. Mitglied der EU. Noch bevor das kleine Adrialand den Beitritt mit einem Feuerwerk feiern konnte, warf die SVP eine rhetorische Petarde: «Die EU erweitert sich ins Grab – der Bundesrat will die Schweiz mitbeerdigen».

Angesichts der über 30’000 hier lebenden und der über 15’000 in den letzten zehn Jahren eingebürgerten Kroaten erwartet die Partei eine «grosse Sogwirkung auf Arbeitssuchende Mitbürger in der Heimat.»

«Kroatien ist ein kleines Land»

Die Verhandlungen zur Ausdehnung des Freizügigkeitsabkommens, in denen die Schweiz eine siebenjährige Übergangsfrist anstrebt, laufen zwar noch. Trotzdem gibt Simonetta Sommaruga schon mal Gegensteuer. «Selbstverständlich gehen wir davon aus, dass auch Arbeitskräfte zu uns kommen können», so die Justizministerin im Schweizer Fernsehen. Kroatien sei aber «ein kleines Land».

Dies gilt sowohl für die Einwohnerzahl – etwas mehr als vier Millionen –, als auch für die wirtschaftliche Bedeutung: In der Rangliste der Schweizer Handelspartner liegt das Land als Lieferant auf dem 63., als Abnehmer gar nur auf dem 71. Platz.

«Das Potenzial ist beschränkt»

«Als Exportmarkt ist Kroatien unbedeutend», sagt denn auch Ivo Zimmermann vom Industrieverband Swissmem. 2012 exportierte die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie insgesamt Waren im Wert von 64,6 Milliarden Franken, wovon auf Kroatien gerade mal 54 Millionen entfielen.

Diese Zahl könnte sich laut Zimmermann mit dem EU-Beitritt zwar erhöhen, «aber das Potenzial ist beschränkt.»

Ist der historische Moment mitsamt Feuerwerk für die Schweiz – abgesehen von dem in Aussicht gestellten 45-Millionen-Kohäsionsbeitrag – also mehr oder weniger bedeutungslos?

Nicht ganz. ABB, Alstom und auch KMU könnten sich dank gleichberechtigtem Marktzugang an grossen EU-finanzierten Infrastrukturprojekten beteiligen. Zahlen kann Zimmermann allerdings keine nennen; «eine Schätzung wäre zum jetzigen Zeitpunkt rein hypothetisch.»

Beliebteste Kommentare

  • oskar  meier
    schon wieder ein Land mehr,wo von EU Länder mit Geld Unterstützung braucht.Die EU holt es dann wieder von der Schweiz.
  • daniel  reneau , montreux
    Pleiteverein EU heisst Pleiteland Kroatien im Klub der pleitier herzlichst Willkommen.

Alle Kommentare (31)

  •   Alexander Borg , Mönchaltorf
    Portemonnaies in die Brusttasche!
  • Wyanet  Cree
    Willkommen in der EU.
    Mal abwarten wie lange es dauert bis Kroatien in Geldnot gelangt.
  • Walter  Baldauf , Volketswil
    Im Gegensatz zu den vielen Asylanten aus dem ach so armen Afrika arbeitet ein Grossteil derKroaten in der Schweiz und brauchen keine Unterstützung.
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