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Micheline Calmy-Rey ist, wie sie im Interview mit SonntagsBlick gesteht, «etwas irritiert». Dabei hatte ihre Woche doch so gut begonnen. In der Nacht auf Montag konnte die Aussenministerin der Schweiz Max Göldi in die Heimat zurückbringen. Das beinahe zweijährige Leiden des ABB-Vertreters in Libyen war zu Ende. Noch auf dem Rollfeld von Kloten durfte Göldi seine Liebsten in die Arme schliessen.
Die Bundesrätin durfte Stolz sein – auf sich und ihr Team. Hand in Hand mit den europäischen Freunden, die mit dem Schengen-Kniff ins Boot gezwungen wurden, fand man den Weg, Muammar al-Gaddafi so zu piesacken, dass er bereit war, auch die zweite der Schweizer Geiseln springen zu lassen.
Mit dem Ende von Göldis Leiden aber endete auch die Zurückhaltung im Streit um die Libyen-Affäre. Nicht alle hatten sich so unberührt von jeder Rücksicht in die Schlacht geworfen wie die «Tribune de Genève» mit ihren Fotos des inhaftierten Hannibal. Was viele aus Rücksicht auf die beiden Geiseln aufgeschoben hatten, kommt jetzt hoch.
Die politische Aufarbeitung der Affäre gehört jetzt vollends ans Licht – nicht mehr nur in die diskreten Hinterzimmer parlamentarischer Ausschüsse. Das mag für die Betroffenen lästig sein, ist aber demokratisch sinnvoll.
Die erste «Bombe» ist schon detoniert: Calmy-Rey hat auch eine militärische Befreiung der Schweizer Geiseln in Libyen prüfen lassen. Oder war es gar mehr? Genauer will sie nicht Auskunft geben, «weil ich das zum jetzigen Zeitpunkt für das einzig Richtige halte».
Ein Schweizer Kommando im Maghreb-Einsatz: Was auf den ersten Blick abenteuerlich wirkt, ist gar nicht abwegig. Solange die Schweiz exakt für solche Missionen eine teure Spezialtruppe führt, wird sie – wie jede Regierung dieser Welt – deren Einsatz zumindest erwägen.
Der Hund liegt eher bei der Regierung begraben: Es scheint einmal mehr, dass sie nicht als Team operierte. Kaum einer wusste, was die andere tat oder zumindest «prüfte». Und so herrscht wieder einmal «smoke in the cockpit» – dicke Luft im Bundesratszimmer. Kein Wunder, hätte die Aussenministerin lieber noch ein Weilchen dem Applaus gelauscht als sich die brennenden Augen gerieben.
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Ringier-Publizist Hannes Britschgi interviewt für Blick.ch Spitzenpolitiker. (Geri Born)