Das sagen Schweizer SP-Politiker mit italienischem Pass «Wenn Italien die EU verlässt, dann gute Nacht»

BERN - So beurteilen die Nationalräte Corrado Pardini (51) aus Bern und Ada Marra (43) aus Lausanne das gescheiterte Referendum von Italiens Premier Matteo Renzi (41).

Nach Referendum-Nein von Italien: Schweizer Politiker beurteilen Lage play
Die Italiener haben ihm (bildlich) das Maul gestopft: Nein-Plakat mit dem Konterfei des zurücktretenden Premiers Matteo Renzi. AP

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BLICK: Italien hat Nein gestimmt zur Verfassungsreform von Matteo Renzi. Hat Sie das überrascht?
Corrado Pardini:
Eigentlich nicht. Die Nein-Front war sehr heterogen, sehr breit. Von ganz rechts bis ganz links. Sogar die PD war in dieser Frage gespalten. Es musste so kommen.

Nach Referendum-Nein von Italien: Schweizer Politiker beurteilen Lage play
SP-Nationalrätin Ada Marra (VD, 43) ist ebenfalls italienisch-schweizerische Doppelbürgerin. Keystone

Ada Marra: Ich hatte schon ein knappes Ergebnis erwartet, aber nicht, dass so viele mit Nein stimmen würden.   

Matteo Renzi hat das Ergebnis mit seinem Amt verknüpft. Hat sich Italiens Premier da verzockt?
Pardini: Ich würde nicht von verzockt sprechen. Das war politisches Kalkül. Er brauchte eine Antwort auf die Frage: Wollt ihr mich oder wollt ihr mich nicht? Er hätte für seine Regierung viel Rückendeckung gebraucht. Er musste wissen, ob er eine Mehrheit hinter sich hat oder nicht. Jetzt wird er zurücktreten. Ich finde seine Haltung sehr staatsmännisch.
Marra: Matteo Renzi hat viel riskiert. Ich glaube aber, dass er besser daran täte, jetzt nicht zurückzutreten. Er sollte sich nicht von den Populisten unter Druck setzen lassen. Die Demokratische Partei muss ihren Wählerauftrag vollenden. Es sollte keine vorgezogenen Wahlen geben.

Wie sieht Renzis politische Zukunft aus?
Pardini: Es kommt darauf an, ob er die innerparteiliche Zerreissprobe besteht. Ich könnte mir vorstellen, dass er bei den nächsten Wahlen wieder als Premierminister kandidieren wird, wenn er in seiner Partei den anstehenden Machtkampf für sich entscheidet.

Nach Referendum-Nein von Italien: Schweizer Politiker beurteilen Lage play
Gewerkschafter und SP-Nationalrat Corrado Pardini (BE, 51). EQ

Marra: Matteo Renzi wurde ja nicht ins Amt gewählt. Ich denke auch, dass er sich bei den nächsten Wahlen für das Amt des Premierministers aufstellen lassen wird. 

Wie sieht die Zukunft in Italien aus?
Pardini: Die nächsten Wochen und Monate werden sehr spannend sein. Die Frage ist: Wie EU-feindlich ist das Land, wie stark werden die Populisten? Einen Rechtsruck kann man ja auch in anderen Ländern Europas beobachten. Wir hatten jetzt eben die Präsidentschaftswahlen in Österreich mit einem populistischen Kandidaten. Wir blicken nach Frankreich, wo die Rechtspopulisten aufholen. Im nächsten halben Jahr wird sich zeigen, ob dieser Trend sich auch in Italien durchsetzt. Wenn Italien aus der EU ausbricht, dann gute Nacht! Das schadet auch der Schweiz.
Marra: Ich glaube nicht, dass Italien der EU den Rücken kehrt. Die Italiener fühlen sich als Europäer und wissen, dass Italien die EU braucht. Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass sie auf die Slogans der Populisten hereinfallen, wenn diese die EU für Italiens Wirtschaftskrise verantwortlich machen.

Publiziert am 05.12.2016 | Aktualisiert am 11.12.2016
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28 Kommentare
  • Klaus  Müller 06.12.2016
    Wann hört es endlich auf, dass allen eingeredet wird, die EU wäre ganz toll und nur ein paar böse Populisten würden alles madig machen? Die Fehler der EU Bürokraten und die endlosen Rechtsbrüche werden weggewischt. Dabei gibt es Europa auch ohne die EU und den Zwang zum Einheitsstaat. Die EU hat sich selbst verkehrt in ein Monster, das waren keine Rechtspopulisten. Darum braucht es einen Neuanfang, weil man am gegenwärtigen System nichts mehr retten kann.
    • jürg  frey aus teufen
      06.12.2016
      Leider nie und nimmer. Das Konstrukt ist zu stark oben auf dem wackeligen Fundament zwar, aber man baut trotzdem immer wieder ein Stockwerk obenauf. Einstürzen kann das erst, wenn ein Land austritt, dass im ersten bis 4 Stock eigenistet ist. Nur Italien wird nicht. Dazu bräuchte es einen Krieg, angezettelt durch die Türkei z.B. das darf man nie unterschätzen!
  • Alexandra  Weber aus Kloten
    06.12.2016
    Das wäre mal richtig, Ausstieg aus der EU, dann wüssten die SP-ler in der Schweiz endlich mal, dass die EU ein riesen nicht existierendes Geschwür ist BASTA!
    ewz
  • Steven  Christen aus Basel
    06.12.2016
    Man kann es wenden und drehen wie man es will. Europa geht es schlechter als bevor es Europa so gab, wie es heute funktioniert. Wir haben eine Arbeitslosigkeit wie nie zuvor, wir haben Flüchtlinge zu Abermillionen und die Sozialhilfe zahlt, zahlt und zahlt - und am Ende zahlt der Steuerzahler. All jene, die noch einen Job haben, können sich glücklich schätzen - mit der Sparerei werden wir alle noch einmal unsere eigenen Gräber schaffen... Jeder sollte wieder für sich selbst schauen.
  • Beat  Schenker aus Lugano
    06.12.2016
    Auch wenn ich glaube in der EU läuft vieles auf dem falschen Geleise. Aber etwas gutes muss es ja geben auch wen viele Glauben GB sei auf dem richtigen Weg und es sei alles nicht so schlimm gelaufen. Nun der Austritt muss ja erst noch kommen aber es gibt schon viele negative Vorzeichen. Warum zum Beispiel spricht man öffentlich darüber mit den EU Zahlungen weiter zu machen um den Anschluss an den Markt nicht zu verlieren? Früher oder später wird jemand die Zeche zahlen müssen!
  • Wolfgang  Gallin aus Berlin
    06.12.2016
    solange jedes europäische land sein eigenes süppchen kocht, wird die eu mehr schlecht als recht funktionieren. auch die ch wird sich auf längere zeit nicht der eu enthalten können, weil sich die kleinen länder auf dauer nicht gegen diesen riesigen apparat wehren können.
    • Erich  Kälin 06.12.2016
      Oh doch das können wir, weil die grossen Länder die Nase eben so voll haben von dieser Geldvernichtungsmaschine. Es sind vor allem die Politiker dieser Länder die daran festhalten, aber nicht das Volk. Würden die Medien die EU in Ihren EU-freundlichen Berichterstattungen nicht auch noch unterstützen, gäbe es diese Gebilde nicht mehr. Die EU ist in der Form wie sie jetzt existiert, ein reines Machtzentrum und ist nicht an einer wirklich fairen und gesunden Wirtschaft interessiert.