Schweinegrippe Das machten die Behörden falsch

  • Publiziert: 27.05.2010, Aktualisiert: 03.01.2012

BERN – Nach heftiger Kritik an der Strategie gegen die Schweinegrippe gab der Bundesrat eine Untersuchung in Auftrag. Jetzt ist klar, wo es haperte.

Ein Expertenbericht deckt Mängel bei der Impfstrategie des Bundes auf: Die Verteilung des Impfstoffes gegen die Schweinegrippe sei nicht gut gelaufen. Auch die Kommunikation sei mangelhaft gewesen, lautet das Fazit des Berichts, den der Bundesrat heute veröffentlichte.

Lücken ortet der Bericht auch in der Koordination der Pandemiepläne: Das Bundesamt für Gesundheit (BAG), die Eidgenössische Kommission für Impffragen und Swissmedic hätten sich besser absprechen müssen. Bei der Verteilung des Impfstoffs sei nicht klar gewesen, wer zuständig sei: der Bund oder die Kantone.

Impfstoff-Beschaffung nicht kritisiert

Richtig gelegen sei die Schweiz hingegen mit dem Kauf von 13 Millionen Impfdosen, heisst es im Expertenbericht. Angesichts der herrschenden Unsicherheit zu Beginn der Grippepandemie A H1N1 sei die Strategie richtig gewesen. Im Juni 2009 hatte der Bundesrat beschlossen, für rund 84 Millionen Franken Impfstoffe bei Novartis und GlaxoSmithKline zu kaufen.

«Die nationalen und internationalen Fachleute gingen davon aus, dass pro Person zwei Impfdosen benötigt wurden», schreibt das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) dazu.

Allerdings liessen sich bloss 15 Prozent der Bevölkerung und 27 Prozent der Risikogruppen impfen. Von den 13 Millionen Dosen sind deshalb über zwei Drittel übrig geblieben: Nach einer Spende an die WHO lagern beim Bund immer noch rund 7 Millionen und in den Kantonen 1,2 Millionen Impfdosen.

Alle rechtzeitig geimpft

Mit der Untersuchung der Impfstrategie reagierte der Bundesrat auf Kritik von allen Seiten. Er beauftragte damit internationale Experten und das Unternehmen Ernst & Young. Den fertigen Bericht unterbreitete der Bundesrat der Geschäftsprüfungskommission des Ständerats.

Abgesehen von den erwähnten Mängeln stellten die Fachleute der Impfstrategie des Bundes ein gutes Zeugnis aus, wie das EDI mitteilte. Obwohl die Zulassung des Impfstoffs länger gedauert habe als in anderen Ländern, hätten sich alle impfwilligen Personen rechtzeitig impfen lassen können.

Um die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren zu verbessern, hat auch das BAG Untersuchungen zur Pandemie-Strategie veranlasst. Zudem finden Auswertungen mit den Kantonen und den Hausärzten statt.

Weltweit 18000 Tote


Seit Ende April des vergangenen Jahres haben in der Schweiz rund 300000 Personen wegen der Grippe A H1N1 einen Arzt aufgesucht. Gemäss EDI waren 1,5 Millionen Menschen erkrankt. 570 Schweinegrippekranke mussten im Spital behandelt werden – davon 114 auf der Intensivstation.

Gestorben am Virus sind in der Schweiz 20 Menschen. In Europa hat die Schweinegrippe 5000 Menschen das Leben gekostet – weltweit 18000. (SDA)

Kosten noch unklar

Was die Impfaktion gegen die Schweinegrippe gekostet hat, ist noch unklar: Weil die Logistikkosten, die Aufwendungen der Kantone sowie die Abrechnungen der Krankenkassen noch fehlten, sei eine Gesamtschätzung schwierig, teilte das EDI mit.

Zusätzliche Kosten verursachen die zuviel gekauften Impfstoffe: Die Entsorgung aller abgelaufenen Dosen werde zwischen 120000 und 180000 Franken kosten, schätzt das EDI. Vor rund zwei Wochen hatte der Bundesrat die Kantone ermächtigt, die abgelaufenen Impfstoffe zu entsorgen.