Das grosse Interview mit Christoph Blocher «Ich lasse die Schweiz nicht im Stich»

Im BLICK-Interview verrät Christoph Blocher, dass er auch in Zukunft seine beängstigende Unabhängigkeit zur Verfügung stellen werde.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Erste Frau als Staatssekretärin Pascale Baeriswyl wird Burkhalters Nummer 2
2 Top-Spezialisten aus Drittstaaten Schneider-Ammann will Kontingente...
3 Schwerer Stand im Ständerat Rentenalter 67 auf Sterbebett

Politik

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
63 shares
65 Kommentare
Fehler
Melden

BLICK: Sie treten als Vizepräsident der SVP zurück und geben damit nach 42 Jahren das letzte politische Amt ab. Wie fühlt sich das an?
Christoph Blocher:
Ich höre nicht auf mit der Politik. Aber ich werde vermehrt auf der obersten Ebene arbeiten.

Was meinen Sie damit?
Die Bürgerinnen und Bürger stehen in der Schweiz zuoberst in der Hierarchie – erst dann kommen Parlament, Bundesrat und Gerichtsbarkeit.

Wie wollen Sie sich engagieren?
Ich führe das Komitee gegen den EU-Beitritt. Und bei grossen Fragen und den entsprechenden Volksabstimmungen stehe ich zur Verfügung.

Dann ist die Frage überflüssig, ob Sie sich ganz aus der Politik zurückziehen?
Zum Ärger all meiner Gegner bleibe ich. Ich werde meine grosse Erfahrung und meine beängstigende Unabhängigkeit weiter zur Verfügung stellen. In welcher Form, lasse ich noch offen.

Was ist dann der Grund, dass Sie sich jetzt als Vize zurückziehen?
Die Amtsdauer läuft ab. Ich will weniger im Parteiorganisatorischen wirken. Wir funktionieren immer noch, wie damals, als wir 24 Fraktionsmitglieder waren. Inzwischen sind wir 74. Toni Brunner war 24 Stunden im Einsatz und bleibt ein ganz grosses Vorbild.

Haben Sie schon Ideen, wie die SVP neu strukturiert werden soll?
Damit beschäftigen sich andere. Ich mache jetzt politische Arbeit. Leider müssen die wichtigen Dinge wie die Ausschaffung krimineller Ausländer, die Verhinderung der Masseneinwanderung, die Wahrung der Unabhängigkeit und das Abwenden des EU-Beitritts vor dem Volk entschieden werden, weil die anderen Parteien das Volk austricksen. Es sind diktatorische Tendenzen.

Wie meinen Sie das?
Das Establishment kennt die Stimmung im Volk nicht mehr. Weil das Parlament sich weigert, die Kriminellen auszuschaffen, mussten wir die Durchsetzungs-Initiative bringen. Die Masseneinwanderungs-Initiative ist angenommen. Aber nichts passiert. Man tut nichts. Anfang Jahr hiess es, jetzt, wo es der Wirtschaft schlechter gehe, würde die Zuwanderung zurückgehen.

Sie finden nicht?
Nein, trotz schlechterer Situa­tion kamen 2015 wieder 75'000 neue Zuwanderer, dazu eine ­erschreckende Zunahme der ­Arbeitslosigkeit von 3,4 auf 3,7 Prozent. Als die Schweiz die Zuwanderung noch selber regulierte, hatten wir solch hohe Werte nur bei ganz schwerer Rezession. Unter Ausländern liegt die Arbeitslosigkeit bei 7,3 Prozent und bei der Zuwanderung aus den EU-Ostblockstaaten sogar bei 15! Jeder Siebte ist bereits arbeitslos! Und gleichzeitig strömen neue ins Land, weil Bundesbern nicht handelt und vor der EU in die Knie geht.

Die SVP ist Wahlsiegerin. Sie können jetzt als grösste Fraktion ­Gegensteuer geben.
Machen wir. Aber weil die anderen Parteien nicht mitmachen, nützt auch dies nichts. Ein Beispiel: Vor den Wahlen – am 20. September 2015 – schreibt Präsident Philipp Müller in einer Sonntagszeitung, dass die Grenzen unbedingt kontrolliert werden müssten. Im Dezember 2015 – nach den Wahlen – unterstützt kein einziger Freisinniger diese Forderung. Und jetzt haben wir eine unerträgliche Völkerwanderung – zusätzlich zur Masseneinwanderung aus der Personenfreizügigkeit.

Wenn Sie, Toni Brunner und Generalsekretär Martin Baltisser abtreten: Ist das nicht zu viel Erfahrungsverlust?
Ein Verlust sicher. Aber wenn ich die neuen 25 Parlamentsmitglieder anschaue, habe ich keine Angst. Da gibt es gute Typen darunter. Viele sind neue Unternehmer. Zum Beispiel aus den Kantonen Luzern, Aargau, Baselland, Appenzell Ausserrhoden oder meine Tochter, die ein grosses Exportunternehmen führt. Aber auch Intellektuelle wie Roger Köppel, der gleichzeitig auch Unternehmer ist. Da kommt gutes Holz, und wir haben keine Flügelkämpfe.

Dann muss die Partei auch nicht fürchten, dass Sie keine Abstimmungskämpfe mehr finanzieren?
Ich lasse weder die Schweiz noch die SVP im Stich.

Zieht der Erfolg der SVP bei den letzten Wahlen nun auch die falschen Leute an?
Die Gefahr besteht. Darum ist es wichtig, dass wir an guten Grundsätzen festhalten. Nicht umsonst gibt es bei der SVP für den Präsidenten keine Entschädigung.

Was sehen Sie nach 30 Jahren Politik auf nationaler Ebene als Ihren grössten Erfolg an?
Man weiss ja nicht, welche Sachen auch ohne einen passiert wären. Dass wir heute nicht in der EU sind, ist sicher auf den Sieg an der Urne gegen einen EWR-Beitritt zurückzuführen.

Worauf sind Sie im Rückblick stolz?
Wenn ich zurückschaue, was alles geschehen ist, bin ich grösstenteils zufrieden. Die Ems-Chemie war eine bankrotte Firma, als ich sie übernahm. Ich weiss nicht, ob es sie heute noch gäbe. Und die SVP ist heute die wählerstärkste Partei der Schweiz. Dass dies möglich wurde, ist nicht selbstverständlich.

Hoffen Sie auf Schub für die Durchsetzungs-Initiative durch die Vorfälle in Köln?
Das öffnet den Leuten – und hoffentlich endlich auch den Politikern – die Augen und hilft, endlich Kriminelle auszuschaffen. Was in Köln mit dem Totschweigen passiert ist, gibt es auch in der Schweiz. Die Straftaten aus der Silvesternacht in Zürich, die jetzt ans Tageslicht kommen, hat auch hier niemand gemeldet – auch die Polizei nicht, weil man nicht sagen wollte, woher die Täter kommen.

Alle andern grossen Parteien lehnen die Initiative ab.
Auch nichts Neues. Aber ich spüre grosse Unterstützung in der Bevölkerung, wenn es da­rum geht, Kriminelle nach der gerichtlichen Verurteilung auszuschaffen. In Kürze starten wir unsere Kampagne.

Liegen Ihre Gegner falsch, wenn sie frotzeln, die SVP wolle die Abstimmung gar nicht gewinnen?
Das sagten sie schon bei der Ausschaffungs-Initiative und bei der Masseneinwanderungs-Initiative. Beiden Initiativen stimmten aber das Volk und die Kantone zu.

Ihre Frau Silvia hatte einen Unfall. Geht es ihr wieder besser?
Ja, ja. Sie stieg am Weihnachtstag auf einen Stuhl, um einen Vorhang in Ordnung zu bringen – und stürzte auf den Boden. Sie erlitt eine Hirnerschütterung, kann aber schon wieder recht gut ohne Stützung herumgehen, wie Sie ja sehen.

Publiziert am 11.01.2016 | Aktualisiert am 11.01.2016
teilen
teilen
63 shares
65 Kommentare
Fehler
Melden

Soll sich Blocher ganz aus der Politik verabschieden?

Abstimmen
SVP-Blocher nach Bekanntgabe von Rücktritt «Der Politik bleibe ich treu»

TOP-VIDEOS

65 Kommentare
  • Peter  Senn aus Lenggenwil
    11.01.2016
    Für viele aktuelle Themen z.B. EU-Beitritt, Durchsetzungsinitiative, usw. brachen wir weder Herr Blocher noch die SVP, denn die Schweizer sind mündige Bürgerinnen und Bürger, die auf demokratische Art ihre Stimmen zu diesen Themen abgeben.
  • Mike  Müller aus Zürich
    11.01.2016
    Der Eine hält sich für ein Geschenk Gottes an den Fussball und der Andere für ein Geschenk Gottes an die Schweiz. Ich bin ja kein Freund der EU. Aus einer guten Idee ist ein Moloch der Konzerne und des Grosskapitals geworden. Aber trotzdem sollte man sich zumindest die Frage stellen dürfen, ob vielleicht ein Beitritt nicht das kleinere Übel gewesen wäre. Letztlich musste ja in der CH selbst das Bankgeheimnis aufgegeben werden, während der engl. Bankenplatz immer noch wursteln darf wie eh und je.
    • Hugo  Wirz 11.01.2016
      Also bitte! Blocher mit Blatter zu vergleichen ist wie Pfarrer Sieber mit Hitler.
      «Letztlich musste ja in der CH selbst das Bankgeheimnis aufgegeben werden, während der engl. Bankenplatz immer noch wursteln darf wie eh und je». Wie bitte? Es gab nie einen Grund dazu. Der Unterschied ist einfach der, dass GB noch Politiker hat, die sich trauen Nein zu sagen! Während unser CH-Parlament der EU immer voreilig in den Ar... kriecht, bevor die überhaupt husten! Allen voran unser untaugliche BR...
  • Ines Maria  Giezendanner aus Viganello
    11.01.2016
    Vielleicht wird Christoph Blocher doch noch in die Fussstapfen seines Vaters sel. treten. Dass er gut predigen kann, hat er allemal bewiesen.
  • Helmut  Ziegler 11.01.2016
    Wenn schon Herr C.B. noch immer nicht den Unterschied von EU und EWR kennt, wie soll das sein Volch wissen! Norwegen und Liechtestein sind seit 1993 im EWR und haben gerade deswegen nicht den EURO und sind NICHT in der EU! C.B. wird in die Geschichtsbücher eingehen, aber als der grosse Verhinderer...
    • Jorge  Suizo aus San Cristobal
      11.01.2016
      Was bitte hat Christoph Blocher verhindert? Mit was genau hat der Schweiz geschadet? Präzise Antworten bitte.
    • Fritz  Frigorr 12.01.2016
      Sie haben absolut recht, doch die Lemminge sind ihm nachgerannt.
  • Kurt  Rudolf aus St.Gallen
    11.01.2016
    Ich finde es himmeltraurig wie unkritisch die Fragen gestellt wurden...., War das von ihm so verlangt?
    Fakten sind nämlich:
    1. Die Schweiz war nach dem EWR- Nein 10 Jahre lang das wirtschaftsschächste Land in Mitteleuropa! Danke CB
    alle neutralen Statistiken belegen dies!
    2. EMS-Chemie hat nachweislich das Apartheid-Verbot verletzt
    3. Als BR hat er total versagt, das beweisen auch die Schubladen voller unerledigter Dokumente, die nach seinem Abgang gefunden wurde
    Das sind wahre Fakten!
    • Marion   Jost aus Schönenwerd
      11.01.2016
      Schön dass hier auch noch andere Menschen denken und zeigen dass dieser Mensch nicht halb so toll war wie die meisten hier glauben wollen! Wie die Lemminge kommen die mir vor!