Mörgeli sagte am Vorabend kurzfristig ab Das Gespräch der letzten Chance liess er platzen

Nach seiner Freistellung durch die Uni Zürich will Professor Christoph Mörgeli klagen. Die SVP droht mit Konsequenzen für alle Mörgeli-Kritiker.

  • Publiziert: 21.09.2012, Aktualisiert: 22.09.2012
  • Von Henry Habegger
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Das wars. Gestern um 13.02 Uhr verlässt Professor und SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli (52) die Uni Zürich und besteigt seinen Jaguar.

Zweieinhalb Stunden vorher, 10. 33 Uhr. Der Rektor der Universität Zürich, Andreas Fischer, gibt vor den Medien bekannt: «Die Universität Zürich hat heute Freitag Professor Christoph Mörgeli die Kündigung und die sofortige Freistellung angekündigt.»

Eigentlich hatte die Uni für gestern noch ein Gespräch mit Mörgeli terminiert. Doch der SVP-Nationalrat sagte via seinen Anwalt am Vorabend kurzfristig ab.

Mörgeli wird entlassen. Zwar nicht fristlos, wie der «Sonntag» schrieb. Er wird freigestellt, erhält noch sechs Monate lang den Lohn.

«Schwere Loyalitätspflichtsverletzungen»

«Professor Mörgeli hat schwere Loyalitätspflichtsverletzungen begangen, das Vertrauensverhältnis wurde massiv und unwiederbringlich zerstört», begründete Rektor Fischer Entlassung und Freistellung.

Eigentlich wollte die Uni Mörgeli trotz als ungenügend eingestufter Leistung noch eine Bewährungsfrist von sechs Monaten zugestehen.

Diese Chance verspielte Mörgeli in den letzten zehn Tagen selbst. Er erhob auf allen Kanälen Mobbing- und Rufmord-Vorwürfe namentlich an seinen Chef, Professor Flurin Condrau, den Leiter des Medizinhistorischen Instituts.

Verlangte, die Uni müsse gegen Condrau ein Disziplinarverfahren einleiten. Drohte Condrau mit einer Strafanzeige.

Auslöser für Mörgelis Tiraden war ein Artikel im «Tages-Anzeiger» vor knapp zwei Wochen. Die Zeitung zitierte aus internen Berichten, die Mörgeli als Kurator des Medizinhistorischen Museums und Lehrbeauftragtem ein schlechtes Zeug­nis ausstellen.

Die Sammlung werde nicht professionell betreut, Objekte verstaubten in offenen Regalen. Menschliche Knochen seien teilweise Staub und Ungeziefer ausgesetzt.

80-Prozent-Stelle zu 105 000 Franken

Christoph Mörgeli verliert seine mit rund 105 000 Franken dotierte 80-Prozent-Stelle als Oberassistent und Museumsleiter. Er bleibt aber Titularprofessor und kann, gegen Entschädigung, Lehrveranstaltungen abhalten. Allerdings wird nächstes Jahr die routinemässige Überprüfung der Titularprofessur fällig.

Das ist der vorläufige Schlusspunkt eines langen Arbeitskonflikts.

Frühling 2009: Mörgeli will Leiter des Medizinhistorischen Instituts werden. Das Rennen macht Flurin Condrau. Die «Weltwoche» sieht eine Verschwörung gegen Mörgeli.

Sommer 2011: Experten orten schwere Mängel im Mörgeli-Museum. Mörgeli wird im Oktober 2011 informiert.

November 2011: Mörgeli wird einer ausserordentlichen Mitarbeiterbeurteilung unterzogen. Er muss vor seinen Chefs antraben. Bemängelt werden die Zusammenarbeit mit Condrau, der Zustand des Museums, die Leistung in der Forschung, die Lehrtätigkeit.

10. Februar 2012: Bei einer Mitarbeiterbeurteilung erhält Mörgeli die Note ungenügend. Für September wird eine zweite Beurteilung vereinbart, die jetzt aber obsolet ist.

Der Konflikt ist längst noch nicht zu Ende. Mörgeli will laut seinem Rechtsberater Valentin Landmann Rekurs einreichen. Vorwurf an die Uni: Mobbing. Toni Brunner, Präsident der SVP Schweiz, tobt.

Die Entlassung sei «skandalös» und «inakzeptabel», sie treffe ein «missliebige Partei». Die SVP des Kantons Zürich verlangt politische Aufarbeitung der «unkontrollierten Vorgänge».

Bevor er im Jaguar entschwand, sagte Mörgeli gestern unüblich wortkarg auf die Frage von Tele Züri, wie es ihm gehe: «Das interessiert doch keinen.»

 

Beliebteste Kommentare

  • Ruedi  Gwerder , Gersau
    Wenn Arbeiter auf ähnlich Art gefeuert werden kräht kein Hahn danach,aber sobald es ein "Politiker" betrifft,ist es ein Komplott.
    Die Heulsusen,der Schweiz haben wieder ein weiteres Jammertal gefunden.
  • Beat  Stefan , via Facebook
    Ironie des Schicksals.Ausgerechnet Mörgeli, ein Vordenker jener Partei, welche vehement jede Verbesserung des Kündigungsschutzes ablehnt, will nun juristisch gegen sein Kündigung vorgehen. Den Erfolg seiner Politik wird er jetzt selber spüren.

Alle Kommentare (43)

  • Edith  Zellweger
    Ich bin kein SVP- Wähler. Aber für mich stinkt diese Angelegenheit eher nach Intrige gegen Mörgeli! Freuen tut es die Linken und die restlichen Intriganten gegen die SVP! Offenbar wird nur noch intrigiert anstatt politisiert!
  • Steve  Yzerman
    Ich finde es zwar eine Frechheit wie alles über die Medien kommuniziert wurde. Aber irgendwie passt dies halt zu Mörgeli.

    Wie man in den Wald ruft so schallt es heraus...
  • Kurt  Schlatter , via Facebook
    Wie in der SVP und speziell bei Mörgeli üblich, sind auch jetzt wieder die anderen, vor allem die Linken schuld, Fakt aber ist die Beurteilung :
    "UNGENÜGEND".
    Dies könnte ev. auch auf die strategische Meisterleistung des Chefstrategen im Fall Zuppiger angewendet werden.
    Wenn es stimmt, was in Bern hinter vorgehaltener Hand bezüglich Pünktlichkeit, Anwesenheit, Dossierkenntnis des Herrn Mörgeli zu hören ist müsste das Fazit auch hier nur UNGENÜGEND heissen.
  • Domenig  Wilhelm
    Korrektes vorgehen der Uni. Herr Mörgeli hat eigenhändig seine Unterschrift unter die Zielsetzug gesetzt. Nur komisch dass sich Herr Mörgeli jetzt herausreden will, dass er von nichts gewusst hat, was eindeutig gelogen ist da es ja Aktenkundig mit seiner Unterschrift ist. Bin Parteilos aber denke, dass sich die SVP mit ihrer Haltung und Mobingvorwürfen ins eigene Fleisch schneidet. Wo ist da die Gerechtigkeit wo die SVP immer propagandiert und dem Volk in dem Fall nur vorgaukelt.
  • Thomas  Jauslin , Riehen
    Eine 80 Prozent und Vollblutpolitiker sein, jetzt sollte für jeden erkennbar sein, dass dies nicht aufgehen kann. Bei jedem hat der Tag nur 24 Stunden. Irgendetwas hat sicher gelitten. Herr Mörgeli ist ein Vollblutpolitiker. Ich kann mir also schwer vorstellen, dass er seinen Job nicht vernachlässigt haben soll!
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Wurde Christoph Mörgeli gerecht behandelt?»