Nur fünf Wochen nach Einführung ist klar Das Fallpauschalen-System krankt

  • Publiziert: 03.02.2012
  • Von Karin Müller
play Fehler: Im Unispital ist's noch immer teurer als im Kantonsspital. (sda)

BERN - Seit dem 1. Januar werden in der ganzen Schweiz stationäre Spitalbehandlungen zu einem festen Preis abgerechnet. Nun wird klar: Das Fallpauschalen-System funktioniert nicht richtig.

Eigentlich sollten die Fallpauschalen die Gesundheitskosten senken. Doch das System krankt. Das mussten Klinikdirektoren, Krankenkassen-Vertreter und Experten aus Deutschland und der Schweiz am 1. DRG-Forum in Bern eingestehen. Die Erkenntnis: Diagnosis Related Groups (DRG) funktioniert noch nicht wirklich in der Schweiz.

Ziel von DRG, dem Fallpauschalen-System, wäre, dass beispielsweise eine Blinddarm-Operation überall gleich viel kosten darf. Unabhängig davon, ob der Patient in einer Uniklinik oder im Regionalspital operiert wird.

Noch immer grosse Kostenunterschiede

«Wir haben jedoch festgestellt, dass die Preise an Unispitälern noch immer deutlich höher liegen als in kleineren Spitälern. Das Schweizer DRG-System ist noch nicht optimal», sagt Werner Kübler, Direktor des Universitätsspitals Basel.

Kübler betont, dass Uni- und grosse Kantonsspitäler keine Sonderbehandlung wünschen. Deshalb müssen nun die Weichen gestellt werden, dass das System rasch durch sogenannte Zusatzentgelte weiter entwickelt wird. «Nur so erreichen wir einheitliche Preise», erklärt Kübler.

Sonderfall Schweiz muss weg

Dann verschwinden auch die Preisunterschiede zwischen den Kantonen, so dass wirklich freie Spitalwahl für alle herrscht.

Wurde DRG also zu früh eingeführt? Nein, erklärt Werner Kübler. «Man hätte konsequenter das deutsche System übernehmen sollen, statt einen Sonderfall Schweiz daraus zu machen. Dann wären wir jetzt schon viel weiter.»

Was heisst «Fallpauschale»?

Für jede stationäre Behandlung im Spital wird ein Preis abgemacht, den das Spital von der Krankenkasse vergütet bekommt.

Jede Diagnose ist einem Schweregrad zugeordnet. Ein Blinddarm ohne Komplikationen hat einen sehr viel tieferen Schweregrad als eine Herzoperation.

Die Idee: Die Kosten und die Leistungen sollen in allen Spitälern vergleichbar sein – und damit tendenziell günstiger werden. Fallpauschalen in Form von sogenannten Diagnosis Related Groups (DRG) sind heute in vielen Ländern Standard für die Abrechnung von stationären Spitalaufenthalten.

Die sogenannte Swiss DRG ist eine Weiterentwicklung des in Deutschland 2004 eingeführten Fallpauschalensystems.

 

Kommentare (5)

  • weber  jack , oberglatt
    Hallo Leo Erne.Gleichheit-Freiheit-Brüderlichkeit.Der Komonismuss läst Grüssen.
    Einheits Kassen und Falpauschalen haben miteinander nichts zu Tun.
    Seit wier das Obligatorium haben sind die Preise Explodiert.
    • 04.02.2012
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  • Peter  Stoffel , Rorschach
    An diesem System bastelt man schon bald 20 Jahre herum. Die ersten Verträge zwischen Kassen und Privatspitälern gab es schon in den 1990-er-Jahren. Nichts gelernt? Kläglich.
    • 03.02.2012
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  • Leo  Erne
    Politiker und Fachleute haben ein neues Fallpauschalen- System entwickelt, das nicht richtig funktioniert. Oh Wunder, unsere Politiker sind unfähig, das zeigt sich auch hier wieder . Für mich als Laie war es von Anfang an klar, dass es nicht funktioniert und die Kosten können damit erst recht nicht gesenkt werden. Jede Änderung in unserem kranken Gesundheitssystem brachte in den letzten Jahrzehnten nicht tiefere, sondern höhere Prämien. Es wurde schon alles probiert, aber in unserem Gesundheitssystem hat gar niemand Interesse daran die Kosten zu senken, denn die Verantwortlichen profitieren alle von den hohen Kosten.. Darum gibt es nur eine Lösung und die heisst Einheitskasse. Und wer sagt es werde dann noch teurer, der lügt schlicht und einfach.
    • 03.02.2012
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    • Peter  Stoffel , Rorschach
      Die Einheitskasse gibt es schon. Alle KK haben dieselben Leistungen zu erbringen. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Lediglich bei den Prämien sind Korrekturen notwendig und es muss den Kassen verboten werden, Sonderkässeli für junge, gute Risiken einzurichten. Wenn da der Hebel angesetzt wird, braucht es keine Neugründung einer Einheitskasse. Man nutzt die Infrastruktur der bestehenden Kassen und Schafft Gleichheit.
      • 03.02.2012
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    • Zane  Snozzi , Rothrist
      Keiner wiil weniger verdienen, es geht um Profit! Die Ware "Mensch" ist eine wertvolle Ressource, die es auszubeuten gilt :-
      • 03.02.2012
      • als Kommentar auf Leo  Erne
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