Bundesrat Christoph Blocher hat in seiner Bergpredigt auf dem Üetliberg die Schweiz der
SVP als die einzig erfolgreiche Schweiz gepriesen. Jetzt kontert Micheline Calmy-Rey.Von morgen an ist Micheline Calmy-Rey (61) Bundespräsidentin. Im SonntagsBlick-Interview kündigt sie an, wohin sie das Land führen will (in der Printausgabe vom 31.12.2006). Ihr Grundsatz: «Alle müssen am Wohlstand teilhaben, sonst ist der Zusammenhalt gefährdet.» Und: «Es braucht eine Umverteilung von den Starken zu den Schwachen.» Was Blocher preist ...Da tönte es in der Bergpredigt von Bundesrat Christoph Blocher (66) ganz anders. Der hatte die
Presse am Donnerstag für eine «Standortbestimmung» auf den Zürcher Üetliberg gebeten – und vor allem von Sparen, Staatsabbau und Geldverschwendung gesprochen.Und das ganz unbescheiden: Als er 2004 in den Bundesrat einzog, «hat eine erfolgreiche Wende eingesetzt, nach einer Zeit der Illusionen und der Fehleinschätzungen.»Damit steigt Blocher für seine SVP in die Wahlkampfhosen: In den Parlamentswahlen vom Oktober entscheidet das Volk, wohin die Schweiz in den kommenden vier Jahren steuern soll. Christoph Blocher sieht dabei nichts Geringeres als «die Fortsetzung der erfolgreichen Werte oder Rückfall in die Illusionen». SVP oder Linke – das stilisiert er zu einer Schicksalfrage hoch:«gesunde Wirtschaft oder Niedergang»«Neutralität oder Einbezug in Kriege»«Vertrauen oder Schummelei»«Wohlfahrt oder Verarmung».... und was er verschweigtCalmy-Rey kanzelt Blochers Rede als «Auftritt eines Parteichefs» ab und will «diesem Gebärdenspiel nicht mehr Gewicht geben, als es verdient».Was Blocher verschweigt, sagt Calmy-Rey: «Es gibt in der Schweiz auch Armut. Viele Menschen haben es schwierig und können von ihrem Lohn kaum leben.»Gemäss dem Hilfswerk Caritas hat die Zahl der armen Menschen erstmals die Grenze von einer Milliion überschritten. Caritas-Direktor Jürg Krummenacher (53): «Der Grossteil der Menschen profitiert nicht vom Wirtschaftswachstum. Die Schere zwischen Arm und Reich driftet weiter auseinander.»