Das Bundesratsfoto 2017 «Leuthard II» statt «Queen II»

BERN - Schwarz-weiss mit Fokus auf den Gesichtern: Das neue Bundesratsfoto erinnert an einen traurigen Christbaum – und an Freddie Mercury.

So präsentiert sich der Bundesrat fürs Jahr 2017. play
So präsentiert sich der Bundesrat fürs Jahr 2017.

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Woran erinnert das bloss? Ein Ensemble von Gesichtern auf schwarzem Grund ... das gabs doch schon mal ... Richtig! «Queen II», Studio-Album der englischen Band um Frontmann Freddie Mercury aus dem Jahr 1974. Daran erinnert das offizielle Bundesratsfoto 2017 – auch wenn auf der demokratischen Version von 2017 deutlich weniger Haare sind.

Cover des Album Queen II play
Cover des Album Queen II zVg

Für den Fotografen Beat Mumenthaler, den Bundespräsidentin Doris Leuthard beauftragt hatte, war es eine schwierige Aufgabe: Normalerweise lichtet der Porträt-Spezialist nur je eine Person ab. Nun musste der Thuner, der schon Hollywood-Grössen wie Arnold Schwarzenegger, Kiefer Sutherland und Jeremy Irons vor der Linse hatte, acht Persönlichkeiten auf einem Postkartenformat gruppieren.

Ein trauriger Christbaum

Nach dem dokumentarischen Industrie-Bild von Johann Schneider-Ammann wollte Leuthard offensichtlich wieder etwas künstlerisches. Das Ergebnis ist ein trauriger Christbaum. Wie Kerzen an einer Nordmann-Tanne in dunkler Nacht leuchten die Köpfe der sieben Magistraten und von Kanzler Walter Thurnherr vom Bild herab.

Es gibt keine Farben, der Bundesrat im Trauermodus. Das Bild ist offenbar ganz unter dem Eindruck des «Horror-Jahres» 2016 entstanden. Nun gut, es war für die Landesregierung auch kein besonders schönes: Zwar konnte man die Beziehungen zur EU und den Zugang zu den wichtigen Forschungsmilliarden von «Horizon2020» sichern, aber der Brexit und die Trump-Wahl dürften im Bundeshaus nicht zu Freudensprüngen geführt haben.

Von den Kriegen im Nahen Osten, der anhaltenden Flüchtlingskrise und den Terrorangriffen vor der eigenen Tür ganz zu schweigen. Insbesondere Aussenminister Didier Burkhalter ist die Bürde anzusehen, wohingegen Johann Schneider-Ammann die Erleichterung nach seinem intensiven Präsidialjahr ins Gesicht geschrieben steht.

Etwas mehr Optimismus, bitte!

Doch 2016 ist ja endlich vorbei. Sollte die Landesregierung 2017 nicht etwas optimistischer in Angriff nehmen als in Trauerkleidung? Der Blick soll so sehr auf die Gesichter gelenkt werden, dass die Herren sogar dunkle Hemden anziehen mussten. Wie viele Weibel wohl zum Posten geschickt wurden, wo die klassische Garderobe eines Bundesrats doch dunkler Anzug und helles Hemd ist?

Die Frauen hatten es besser – weniger zugeknöpft als die Männer machen Leuthard und Simonetta Sommaruga einen freundlicheren Eindruck als die sechs Herren. 

Maurer, Charakterkopf im Zentrum

Zum Schluss die Komposition: Ganz oben und leicht grösser positioniert ist das «Präsidentenpaar» Doris Leuthard und Vize Alain Berset, die anderen hübsch unten drunter drapiert.

Der Neuzugang in der Regierung, Verteidigungsminister Guy Parmelin, wird ganz unten im Keller versorgt, sein Kopf ist noch unter dem vom Kanzler Thurnherr montiert. Soll da etwa jemand klein gehalten werden? Ganz anders Ueli Maurer: Ins Zentrum des Bildes gesetzt, hinterlässt er fotografisch den stärksten Eindruck. Der wahre Charakterkopf der acht, der starke Mann im Bundesrat.

Ein Hit wäre wünschenswert

Ganz unten finden sich die acht nochmals in schwarzen Silhouetten. Wobei man sich fragt, ob da nicht getrickst wurde: Ist Doris Leuthard wirklich kleiner als Ueli Maurer?

Und irgendwie passt die Anlehnung an Queen ja doch: Damals das zweite Album, heuer die zweite Präsidentschaft von Leuthard. «Leuthard II» statt «Queen II». Das durchdachte Konzeptalbum fiel in den Siebzigerjahren durch seine hohe formale Geschlossenheit und orchestralen Sound auf. Beides kann dem Bundesrat ja nicht schaden. Und nicht zuletzt hatte Queen mit der Single-Auskopplung «Seven Seas of Rhye» ihren ersten Hit. Und mal wieder einen Hit zu landen, ist dem Bundesrat für 2017 nur zu wünschen.

 

Publiziert am 31.12.2016 | Aktualisiert am 04.01.2017
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24 Kommentare
  • Hubertus  Frankenstein aus Wohlen
    01.01.2017
    Hervorragendes Foto. Passt genau zum Vorgehen des Bundesrates: Die Personen strahlen Strebsamkeit, einwandfreie Ordnung und natürlich die Offenheit gegenüber dem Volk aus. Genau dies, was der Durchschnittsbürger sehen will: Ja nichts Kritisches und ja nichts, was vom Bewährten abweicht. Dass genau diese Personen die Volksentscheide ignorieren und halt nicht soviel Gegengewicht zu den Anforderungen der EU zu geben vermögen, ist jetzt nicht so wichtig. Wir wollen ja das Liebe und Nette.
  • Abbas  Schumacher aus Basel
    01.01.2017
    Wenn ich das Foto betrachte, kommt keine Positive Stimmung in mir auf! Was solls, das Bild ist gemacht, komme es wie es wolle? Oder ändert es etwas am Bundesrat? Nein, die machen weiter wie bisher...
  • Hans-Peter  Brechbühl 01.01.2017
    An den vielen Daumen nach unten haben
    viele noch nicht begriffen was die Politiker
    im Bundesbern aus der Schweiz machen
    wollen.
    • Tinu  Rösch 01.01.2017
      Genau dieser Meinung. Um dies zu sehen sollte man halt kein Blindgänger sein.
  • Stef  Wälti aus Fehri
    01.01.2017
    Das Bild reflektiert genau DAS, was der heutige Bundesrat ist - KATASTROPHAL! Schlechtes Bild, schlechter Bundesrat.
  • Divico  Tigurin aus Neuchâtel-Hua-Hin
    31.12.2016
    2016 hat man die direkte Demokratie beerdigt....und dazu passend kommt das Trauerfoto der Verursacher.
    Somit ein ausgezeichnetes Foto....Danke Beat Mumenthaler, gut geschossen.
    2017 sollte man also Trauerflor tragen...zur Erinnerung und Ausdruck des Schmerzens.