Clown-Legende Dimitri macht vier Wochen vor der Abstimmung zur 2. Gotthard-Röhre einen U-Turn «Auch mit 80 kann man noch lernen»

Erst ja, jetzt nein: Clown-Legende Dimitri (80) wechselt vier Wochen vor der Abstimmung zur 2. Gotthard-Röhre die Spur. «Ich sage mit meinem bescheidenen Clown-Hirn: Bei einem Nein kann man in aller Ruhe Alternativen prüfen.»

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Es war eine Nachricht, bei der sich nicht nur eingefleischte Linke die Augen rieben: «Clown Dimitri kämpft für zweite Gotthard-Röhre», lautete die Meldung vor ein paar Wochen. Für die Befürworter der Gotthard-Vorlage, die am 28. Februar an die Urne kommt, war es eine höchst willkommene Schlagzeile. Sogar Verkehrsministerin Doris Leuthard (50) nahm sie begeistert auf. Dimitri gehöre eben nicht zu jenen, die ausblendeten, wie der Verkehr während der Sanierung des Tunnels zu bewältigen sei, gab sie in einem Interview zu Protokoll. Deshalb sei auch ­Dimitri, der prominente Unterstützer der Alpen-Initiative, für eine zweite Röhre.

Doch Dimitri hat es sich anders überlegt. «Ich werde Nein stimmen», sagt der 80-Jährige im Gespräch mit SonntagsBlick. «Ich habe meine Meinung geändert – und schäme mich nicht dafür.» Auch mit 80 könne man noch dazulernen, fügt er an – und setzt dabei sein umwerfendes Lächeln auf, das bis an die Ohren zu gehen scheint.

Sein ursprünglich begeistertes Ja für den zweiten Tunnel sei spontan und aus dem Bauch heraus gekommen – «wie so vieles bei mir». – «Juppi, dachte ich, toll, dann haben wir keine Staus mehr. Denn die sind tatsächlich eine Plage.» Oft genug steht er selbst in der Blechlawine: Mehrere Dutzend Mal pro Jahr fährt Dimitri durch den Gotthard. Seit Jahrzehnten lebt und arbeitet er im Centovalli, wo er in den 70er-Jahren die Scuola und das ­Teatro Dimitri gründete.

Als seine anfängliche Begeisterung für einen zweiten Tunnel pub­lik wurde, waren die Reaktionen heftig. «Es gab auch ein, zwei sehr böse E-Mails», erzählt er. Erst dann habe er begonnen, sich so richtig mit der Materie zu beschäftigen, räumt er ein. Beispielsweise habe er erfahren, dass die Sanierung gar nicht so dränge wie es immer heisse. Eine zentrale Rolle könnte zudem der neue Eisenbahntunnel (Neat) spielen, der diesen Sommer eröffnet wird. Dimitri ist überzeugt: «So viele Lastwagen wie möglich müssen auf die Schiene.»

Und vor einer Woche sei ihm zudem ein eindrücklicher Artikel des emeritierten ETH-Professors Christian Menn (88) in die Finger gekommen. Menn gilt als der bedeutendste Schweizer Brückenbauer der Gegenwart. Im Magazin des «Tages-Anzeigers» bemängelte er, dass es keinen Wettbewerb gab, um die beste Sanierungs­variante zu prüfen. Spätestens dann war für Dimitri klar: «Die Abstimmung ist überhastet.»

Stimme das Schweizer Volk für eine zweite Röhre am Gotthard, sei alles in Stein gemeisselt. «Deshalb sage ich mit meinem bescheidenen Clown-Hirn: Bei einem Nein kann man in aller Ruhe Alternativen prüfen.» Überhaupt sollte man sich dann und wann mehr Zeit lassen, meint Dimitri und setzt wieder sein breites Lächeln auf. «Ich habe wieder gemerkt: Bei wichtigen Fragen sollte man ein paar Nächte darüber schlafen, ­bevor man etwas öffentlich verkündet.»

Publiziert am 31.01.2016 | Aktualisiert am 21.07.2016
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Zweite Gotthardröhre Umweltverbände werben für ein Nein

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41 Kommentare
  • William  Quispe aus Bellinzona
    01.02.2016
    Jetzt ist Dimitri wirklich senil geworden. Er habe einen Bericht eines noch viel älteren "Fachmannes" gelesen. Weshalb steht er denn immer im Stau? Könnte ja auch mal den Zug nehmen. Aber eben, Wasser predigen und Wein trinken. Ich bin schon sehr enttäuscht.
  • Peter  Maier , via Facebook 31.01.2016
    Vielleicht hat sich Dimitri folgendes überlegt: Wie kann es sein: Alle sprechen von der Auflösung des Staus, aber ohne Kapazitätserweiterung? oder Gibt es in einem richtungsgetrennten Tunnel nicht auch Auffahrunfälle und alle Jahrzehnte brennende Lastwagen? Müssen wir in der ganzen Schweiz richtungsgetrennte Strassen bauen? und kam zum Schluss: Eine zweite Röhre ist eine Kapazitätserweiterung, erhöht den Verkehr von Basel bis Chiasso, gratis dazu Feinstaub (armes Tessin), Abgase, zusätzliche Un
  • Benno  Lütolf 31.01.2016
    Und es fahren wie immer alle nur zum Plausch durch den Tunnel! So muss man die Argumente der Nein-Sager interpretieren.
  • Rocco  Martignoni , via Facebook 31.01.2016
    Mach doch ein Betonnen wand von 20 Cm. Dick und 2 Meter Hoch oder bis zum Decke ist sicher besser und braucht auch nicht viel Platz .FluchtTüre kann man auch gleich einbauen.
  • Hanspeter  Niederer 31.01.2016
    Wer den alpenquerenden Verkehr von ganz Europa zum Nulltarif für die Benützer durch die Schweiz leiten will, stimmt für eine 2. Röhre ..... Wer ein bisschen weiterdenkt, stimmt dagegen.
    • Edi  Ammann aus Semione
      01.02.2016
      Sie sprechen immer von "NULL- TARIF" das stimmt so nicht oder fahren SIE ohne Vignette durch die Schweiz? Auch für den Schwerverkehr gibt es keine Abgaben?! Träumen SIE weiter!