Zauder-Kandidaten Wollen wir so einen im Bundesrat?

BERN – Man hat den Eindruck, sie wollen gar nicht wirklich: Fulvio Pelli oder Jean-François Rime lassen bei ihren Beinahe-Kandidaturen für den Sitz von Bundesrat Pascal Couchepin an Herzblut vermissen.

  • Publiziert: 24.08.2009, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Georg Nopper
play Soll ich? Soll ich nicht? Beim Rennen um den Bundesratssitz von Pascal Couchepin (links) hält sich FDP-Pelli alle Optionen offen. (Keystone)

FDP-Präsident Fulvio Pelli hätte die besten Voraussetzungen, um in den Bundesrat gewählt zu werden: Er kommt nicht aus der Deutschschweiz und ist in der richtigen Partei für die Nachfolge von Pascal Couchepin. Doch der Tessiner hat entweder gar keine Lust auf das hohe Amt oder spielt nicht mit offenen Karten.

Pelli: Bundesrat wider Willen?

Die Tessiner Kantonalpartei schlug ihn der Fraktion zwar als Kandidaten für den freiwerdenden Bundesratssitz vor. Doch Pelli selber gibt sich bedeckt. Fast scheint es, er würde sich nur widerwillig seinem Schicksal fügen, wenn ihn die Fraktion dazu zwingen und ihn offiziell zu ihrem Kandidaten ernennen würde.

Fulvio Pelli, der Nicht-Kandidat: «Es ist nicht so, dass ich nicht am Bundesrat interessiert wäre.» So wenig ambitioniert schildert der FDP-Präsident seine Position im Bundesratsrennen gegenüber der «NZZ».

SVP glaubt selbst nicht an Sieg

Ähnlich halbherzig gehts bei der SVP zu und her: Die Partei hält zwar mit dem Freiburger Nationalrat Jean-François Rime einen eigenen Kandidaten in der Hinterhand. Im Interview mit dem «Schweizer Fernsehen» gibt dieser jedoch zu verstehen, dass er eigentlich lieber Unternehmer ist als Bundesrat.

Warum Rime sich trotzdem aufstellen lassen würde – tatsächlich nominiert ist er noch nicht – erklärt er so: «Wenn Sie Politiker sind, und die Kollegen finden, dass Sie der Richtige sind, machen Sie halt mit.» Selbst SVP-Parteipräsident Toni Brunner glaubt da nicht an einen Sieg. Stattdessen werde dank einem Pakt mit den Linken die CVP das Rennen machen.

Kandidat Schwaller verstummt plötzlich

Erobert am Ende die CVP ihren zweiten Sitz im Bundesrat zurück, weil der FDP-Kandidat mit den grössten Chancen, Fulvio Pelli, nicht weiss, was er will? An der CVP-Delegiertenversammlung vom Samstag machte Präsident Christophe Darbellay keinen Hehl aus den Ambitionen seiner Partei.

Doch Kandidat Urs Schwaller hielt sich an der Veranstaltung auffallend im Hintergrund. Kriegt der CVP-Mann mit guten Aussichten angesichts der Zurückhaltung seiner Mitbewerber plötzlich auch noch kalte Füsse? Anstatt auf Personen, richtete die CVP den Fokus lieber auf den politischen Kurs und versuchte als Mitte-Partei Stimmen bei SP und Grünen gutzumachen.

Was halten Sie von wankelmütigen Bundesratskandidaten? Gehört das einfach zum Polit-Theater? Oder denken Sie, dass solche Politiker in unserer Regierung nichts verloren haben? Schreiben Sie uns!

Tessiner Grüne wollen Pelli nicht

Für die Tessiner Grünen ist es zwar an der Zeit, dass wieder einmal ein Tessiner in den Bundesrat gewählt wird. Eine allfällige Kandidatur von FDP-Präsident Fulvio Pelli für die Nachfolge von Pascal Couchepin unterstützen sie jedoch nicht. Für die Grünen ist Pelli aus mehreren Gründen nicht tragbar. Sie stören sich unter anderem daran, dass sich Pelli für die Initiative gegen das Verbandsbeschwerderecht stark machte. Zudem habe Pelli den Abbau des Service Public unterstützt. Auch bei sozialen Anliegen sei seine Politik nicht mit derjenigen der Grünen vereinbar. (SDA)

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