Heute hat Ueli Maurer seinen ersten Arbeitstag Wie bin ich Bundesrat?

  • Publiziert: 05.01.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Georges Wüthrich
play Der Neue kommt immer zuletzt an die Reihe – für Maurer kein Problem. (Illustration: Igor Kravarik)

Wie am ersten Schultag. Bundesrat Ueli Maurer muss von heute an viel lernen – und unbedingt behalten.

Da wird er manchmal nicht mehr wissen, wo ihm der Kopf steht. BLICK hilft beim Lernen.

Lektion 1: Du bist oft stundenlang im Büro eingeschlossen. Schweizer Bundesratsweibel schliessen im Bundeshaus Ost die Türen aus Sicherheitsgründen hinter den Bundesräten ab. Die persönlichen Weibel öffnen die schweren Portale erst wieder, wenn ein Besucher kommt. So gesehen sind unsere Bundesräte die prominentesten «Isolations-Häftlinge» der Schweiz.

Lektion 2: Das Geheimnis des schwarzen Koffers
Die grosse Verantwortung bekommt Ueli Maurer früh zu spüren. Sogar die Verantwortung über Leben und Tod – während des WEF in Davos Ende Januar. Dann wird der Chef VBS in das Geheimnis des Koffers eingeweiht. Tag und Nacht wird ein Oberst der Luftwaffe nicht von seiner Seite weichen. Der Koffer ist ein überdimensionales, sprechendes Handy, das direkt mit der Einsatzzentrale der Luftwaffe verbunden ist. Über den schwarzen Koffer müsste Bundesrat Maurer notfalls den Abschuss eines feindlichen Flugzeuges befehlen. Schon heute übernimmt der neue VBS-Chef den Vorsitz des Sicherheitsausschusses des Bundesrates – das wichtigste Gremium während des WEF.

Lektion 3: Grün ist heikel, Weiss ist leicht
Bis zur Bundesratssitzung am 14. Januar hat Maurer Zeit, sich in das Geheimnis der farbigen Papiere einzuarbeiten. Die Unterlagen zur umfangreichen Traktandenliste sind in Orange, Weiss, Blau und Grün gehalten. Die Orangen sind Routinegeschäfte, die Weissen sogenannt normale aussprachebereite und entscheidungsreife Geschäfte, die Blauen Antworten auf Vorstösse aus dem Parlament und die Grünen haben es in sich – das sind die heissen, vertraulichen Themen.

Lektion 4: Wer zuletzt kommt, spricht zuletzt
In der ersten Bundesratssitzung muss der Neue lernen, dass er immer zuletzt an die Reihe kommt. Bei Wortmeldungen und bei der allgemeinen Umfrage am Schluss. Das wird ihm aber nicht so schwer fallen: Ueli Maurer ist keiner, der sich vordrängt.

Lektion 5: Die ungeliebten Cüpli-Anlässe
Am Neujahrsempfang des diplomatischen Corps muss er nicht teilnehmen, aber bald wollen die wichtigsten Verteidigungsminister im Ausland den Neuen aus der Schweiz kennenlernen.

Lektion 6: Gutes Geld für gute Arbeit
Ende Monat wird Maurer sich daran gewöhnen, dass er einen ordentlichen Lohn bekommt: fast 440000 Franken im Jahr. Abgezogen wird nur die AHV. Pensionskassenbeiträge müssen Bundesräte nicht entrichten.

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