Skandal-interview: Das hat SVP-Nationalrat Ueli Maurer noch nie erlebt. TV-Bosse entschuldigen sich bei Maurer

  • Publiziert: 29.11.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Joël Widmer

Schon am ersten Tag nach seiner Kür zum Bundesratskandidaten bedachten die Bosse des Schweizer Fernsehens (SF) Ueli Maurer (57) mit einer VIP-Behandlung. Der SVP-Politiker erhielt für ein «missglücktes» Interview gleich drei Entschuldigungungen.

Grund war ein Interview in der Sendung «10 vor 10» vom Donnerstagabend. Nach dem Nominationsentscheid der SVP-Fraktion hatte Redaktor Hans Bärenbold (55) dem Kandidaten Maurer die kritische Frage gestellt: «Und Ihre Dossiers, landen die dann immer auf dem Tisch von Christoph Blocher?»

Maurer konterte, solch dumme Fragen könnten nur dem Fernsehen einfallen. Gestern sagte Maurer, Bärenbold sei «schlicht unhöflich und frech». SF-Chefredaktor Ueli Haldimann (55) gibt Maurer recht: Das ganze Gespräch sei «missglückt» und die betreffende Frage «ganz daneben». Durch den Ton der Fragen sei der Eindruck eines «unflätigen Verhaltens» entstanden. Haldimann stellte Redaktor Bärenbold deshalb am Freitagmorgen zur Rede. Nach diesem Gespräch entschuldigte sich Bärenbold telefonisch bei Ueli Maurer.

Dann doppelten die TV-Bosse nach. Haldimann griff zum Hörer und entschuldigte sich ebenfalls noch am Freitag. Auch SF-Chefin Ingrid Deltenre (48) fand das Interview «völlig missglückt». Weil sie Maurer persönlich kenne, habe auch sie sich per Mail bei ihm entschuldigt, sagte sie am Samstag.

Einen solchen Bückling der TV-Leute hat Maurer noch nie erlebt: «Es ist das erste Mal, dass sich das Fernsehen bei der SVP entschuldigt.» Haldimann bestätigt: Solche Entschuldigungen kämen «extrem selten» vor.

play «Frech»: SF-Redaktor Hans Bärenbold interviewt Ueli Maurer. (SF)

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