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Was für eine Karriere. Jahrelang wurde er belächelt und von seinen Gegnern nicht ernst genommen. Jetzt steht er kurz vor dem Sprung ins höchste politische Amt der Schweiz. Ueli Maurer, morgen Montag 58-jährig, hat beste Chancen, am 10. Dezember in den Bundesrat gewählt zu werden. Er selber ist noch skeptisch. Seine Chancen stünden höchsten 50 zu 50. Mit dem SonntagsBlick pilgerte er gestern auf seinen Hausberg im Zürcher Oberland, den Bachtel.
Herr Maurer, herzliche Gratulation zu Ihrer Bundesratsnomination. Was sagten Ihre Frau und Ihre Kinder dazu?
Ueli Maurer: Meine Kinder wollen, dass ich Bundesrat werde. Bei meiner Frau war die Begeisterung allerdings kleiner.
Wieso?
Wir hatten abgemacht, dass ich wieder öfter zu Hause bin.
Ziehen Sie mit der Familie nach Bern, wenn Sie gewählt werden?
Nein, ich glaube wir bleiben hier in Wernetshausen. Ich nehme wohl eine kleine Wohnung in Bern. Was meinst du, Corsin?
Corsin: Ja, Papi, ich bin froh, wenn du hier bleibst.
Werden Sie überhaupt gewählt? Die Zürcher CVP-Nationalrätin Barbara Schmid sagt, Sie seien «bis tief in den rechten Flügel der FDP hinein nicht wählbar».
Ich glaube Frau Schmid sieht das nicht richtig. Oder sonst wären die Parteien CVP und FDP noch näher zusammen, als ich je gedacht habe. Aber natürlich: Die Wahl ist keineswegs gelaufen. Meine Chancen stehen höchstens 50 zu 50.
Was passiert, wenn Sie nicht gewählt werden?
Dann bleiben wir in der Opposition und wir hätten eine Mitte-links-Regierung.
Und wenn ein anderer SVP-Vertreter als Sie gewählt würde?
In der Fraktion sagten alle zu, dass sie eine Wahl ablehnen würden.
Sind Sie 100 Prozent sicher?
Alle, die nominiert worden sind und bei der Nomination gegen Blocher und mich unterlagen, werden eine Wahl ablehnen. Auch andere ernsthafte Kandidaten werden Nein sagen.
Das sagten Sie im Fall von Eveline Widmer-Schlumpf auch!
Ja, aber seither gab es einen Lernprozess in unserer Partei.
Im letzten Jahr machte Ihre Partei nicht gerade einen gefestigten Eindruck.
Ich denke hier an Ortssektionen und die Kantone. Es werden immer noch Parteisektionen gegründet.
Aber die Führung der SVP Schweiz schwächelt.
Das muss jetzt wieder eingependelt und eingemittet werden.
Was lief falsch?
Die Oppositionspolitik wurde zu wenig konsequent betrieben. Doch obwohl unsere Oppositionspolitik nicht alle Ziele erreicht hat, hat es die anderen Parteien offenbar genug gestört, dass sie uns nun wieder in der Regierung wollen.
Wie sehen Sie Ihre Rolle im Bundesrat?
Ich werde versuchen die Politik unserer Partei im Bundesrat zu integrieren. Wir werden weiterhin Oppositionselemente in unserer Politik haben und uns ähnlich verhalten wie die SP heute. Meine Aufgabe ist es, eine Brücke zu schlagen zwischen der SVP und dem Bundesrat. Der Bundesrat wird dadurch im Volk wieder breiter abgestützt. Damit möchte ich das Zusammengehörigkeitgefühl in der SVP wieder stärken. Ein Bundesrat wird immer auch zur Führungsfigur in der Partei.
In den kommenden Hearings wollen die andern Parteien wissen, ob aus dem polemischen Parteipräsidenten Maurer ein konkordanzfähiger Bundesrat werden kann. Trauen Sie sich diesen Rollenwechsel zu?
Davon bin ich überzeugt. Die Rolle als Parteipräsident war schwieriger. Ich musste ohne Schattierungen einfach die unverfälschte Haltung der Partei vertreten. Sonst muss man gemeinsam Lösungen suchen. Ich denke, dass mir das liegt.
Sie werden Verteidigungsminister. Wie sehen Sie die Zukunft der Armee?
Kurzfristig braucht es eine Reihe von Sofortmassnahmen, damit die Armee wieder funktioniert. Längerfristig braucht die Armee wieder einen Sinn. Dafür braucht es eine Bedrohungsanalyse. Meine Vision: Wir sind die beste Armee der Welt. Jeder soll sich freuen, für diese Armee Dienst leisten zu können.
Ihr Bundesratsjob wird ein Verschleissjob. Wie viele Jahre geben Sie sich?
Die ersten drei Jahre sind entscheidend. Kann ich mich durchsetzen oder nicht? Wenn es geht, kann man verlängern, wenn nicht, muss man die Übung abbrechen. Nach zweieinhalb Jahren ziehe ich Bilanz. Ich bin kein Bundesrat zum Karriere machen, der nur darauf wartet, Bundespräsident zu werden.
Wird diese Bilanz nach zweieinhalb Jahren ein einsamer Entscheid sein?
Am Schluss entscheidet man alleine. Aber man kriegt immer genug Hinweise aus dem Umfeld, wenn man wach ist.
Wird bei einem solchen Entscheid auch Ihre Frau mitreden?
Nein, wir politisieren null zu Hause.