ZÜRICH – Dass Toni Brunner trotzig Christoph Blocher die Treue schwört, ist klar. Aber auch er weiss: Der neue Bundesrat steht erst morgen fest. Aber dass es ein SVP-Wunschkandidat ist, ist bei weitem nicht klar.
Die
SVP will zurück in den
Bundesrat. Der Wunsch ist verständlich, der Anspruch ist berechtigt. Daran rüttelt – zumindest offiziell – fast keiner. Aber der von der Volkspartei als «bester Kandidat» nominierte Christoph Blocher hat keine Chance. Immerhin hat er die Stimme seines Parteipräsidenten Toni Brunner auf sicher. Der hat am Sonntag als Talkgast bei Giacobbo/Müller für viele Lacher gesorgt und dem SVP-Übervater die Stange gehalten: «Ich wähle Christoph Blocher.» Aber es dürfte auch Brunner klar sein, dass Blochers Wahl ein Wunschtraum bleibt. Derzeit wackelt sogar die Unterstützung für den zweiten SVP-Vorschlag: Ueli Maurer selbst schätzt seine Wahlchancen auf unter 50 Prozent ein. Das mag zwar schlichte Taktik sein. Doch angesichts der Mauscheleien im Bundeshaus ist es realistisch. Zünglein an der Waage spielt einmal mehr die
CVP. Die Christdemokraten haben bereits vor einem Jahr massgeblich dazu beigetragen, dass Eveline Widmer-Schlumpf gewählt wurde – und Christoph Blocher seinen Sitz im Bundesrat verlor. Heute wird Maurer bei der CVP vorsprechen. Doch ob die Fraktion den Zürcher SVP-Nationalrat morgen in die
Regierung wählt, dürfte auch nach dem Hearing offen bleiben. In
Bern werden derzeit verschiedenste Szenarien diskutiert: Wenn sich
SP, Grüne, CVP und einzelne FDPler absprechen, könnten sie einen anderen SVP-Politiker in den Bundesrat wählen. Um der Volkspartei eins auszuwischen. Dass der grüne Kandidat Luc Recordon gewählt wird, gilt als höchst unwahrscheinlich. Die
Bundesversammlung wählt einen CVPler und schickt die SVP erneut in die Opposition. Die Mitteparteien geben dem SVP-Wunsch nach und wählen Ueli Maurer. Weil sie sich davon eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Volkspartei versprechen. Angesichts der Wirtschaftskrise und der kommenden
Abstimmung über die Personenfreizügigkeit vielleicht ein klug. Allerdings hat Maurer mehrfach betont, er werde bei der Personenfreizügigkeit nicht abstimmen gehen. Weil die Vorlage ihm so nicht passt. Dass er seine Meinung als Bundesrat ändert, ist kaum anzunehmen.Dazu kommt, dass Maurer in den vergangenen Jahren niemanden vor seinen teilweise harten Worten verschont hat. Darum ist es gut möglich, dass der SVP-Hardliner nur mit Ach und Krach die Wahl schafft. BLICK hat nachgerechnet und geht davon aus: Maurers Wahl wird knapp. Checkt man alle Fraktionen durch, fehlen ihm rund 5 Stimmen zum Wahlsieg. Wer bis zur Wahl morgen früh noch umschwenkt, ist schwer zu sagen.Klar ist: Die Wahl wird erst morgen entschieden. Daran werden auch die heutigen Hearings bei CVP und SP nichts ändern. Blick.ch hält sie bei der Bundesratswahl auf dem Laufenden: Mit Live-Ticker, Berichten, Interviews und Videos.