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Simon Berger, Luzern: Herr Burkhalter, welchen neuen Wind bringt ein Neuenburger wie Sie in den Bundesrat?
Didier Burkhalter: Ich bringe den Wind einer gestärkten Kollegialität in den Bundesrat.
Marc Ziltener, Mollis: Sehr geehrter Herr Burkhalter, was halten Sie von den Forderungen der SP, dass der neue Bundesrat sich zur EU bekennen muss? Ist das nicht ein Unding, vor allem, da das Volk gegen einen Beitritt ist? Werden Sie im Bundesrat für oder gegen die EU kämpfen?
Didier Burkhalter: Das ist falsch, wenn Parteien Forderungen an die anderen richten. Konkordanz heisst den Kandidaten der anderen Parteien zu unterstützen, ohne inhaltliche Forderungen zu stellen.
Simon Berger, Luzern: Wo würden Sie Pascal Couchepins Politik fortführen, und was würden Sie besser machen?
Didier Burkhalter: Ich würde die Reformen im Gesundheits- und Sozialwesen weiterführen. Mein Stil aber ist anders: Ich mache eine weniger personenbezogene Politilk und arbeite mehr mit den Leuten zusammen.
Peter Dudli: Man sagt, Sie seien bescheiden und arbeitetenn fleissig im stillen Kämmerchen. Ich finde es gut, wenn jemand sich nicht ständig in den Medien profilieren will. Kompliment!
Didier Burkhalter: Danke. Das zeigt meine politische Überzeugung: Die Funktion ist wichtiger als die Person.
Sarina Koller, Zürich: Sehen Sie sich als Kronfavorit?
Didier Burkhalter: Nein. Ich will aber die Bundesversammlung von mir überzeugen.
Christen, Alfred, Basel: Sehr geehrter Herr BR-Kandidat D. Burkhalter, ich habe 2 Fragen an Sie: Was halten Sie von einer Volkswahl des Bundesrates, und was ist Ihre Einstellung zu einem Beitritt der Schweiz zur EU? Besten Dank für Ihre Information.
Didier Burkhalter: ich bin gegen die Volkswahl des Bundesrats, weil es dann nur noch einen permanten Wahlkampf gäbe.
EU: Ich bin für den bilateralen Weg: Er war und ist erfolgreich für die Schweiz.
Reich, Susanne, Zürich: Sehr geehrter Herr Burkhalter: Was wäre Ihr wichtigstes Anliegen als Bundesrat? Was möchten Sie konkret erreichen, und wo sehen Sie die grössten Verbesserungsmöglichkeiten?
Didier Burkhalter: Ich möchte, dass die Schweiz viel mehr Selbstvertrauen zeigt. Dafür braucht es das Beispiel eines stärker geeinten Bundesrats.
Walter Weber, Bern: Guten Tag Herr Burkhalter, bis heute hörte ich nur Personen, Parteien, Sprache, Konkordanz und sonstige Diskussionen. Mich würde sehr interessieren, wie Sie die Abzockerei im Krankenwesen in den Griff bekommen wollen. Sorry, hier interessiert mich wirklich nur ein Fachmann, und die restlichen Diskussionen über Personen und Parteien lassen mich kalt.
Didier Burkhalter: In solchen schwierigen Fragen ist die Glaubwürdigkeit der Behörden sehr wichtig. Dafür brauchen sie eine totale Unabhängigkeit. Das kann ich von mir selbst behaupten. Konkret: Die Managed-Care-Modelle müssen ganz klar gefördert werden.
Peter Dudli: Sie sind Anhänger des Neoliberalismus. Hat nicht genau diese Politik so riesigen Schaden angerichtet und zu einer weltweiten Wirtschaftskrise geführt?
Didier Burkhalter: Liberalismus heisst auch Selbstverantworlichkeit. Das darf man nie vergessen.
Meyer, Steve, Brügg: Herr Burkhalter, wieso sollten es gerade Sie sein, der es in den Bundesrat schafft?
Didier Burkhalter: Weil es ein FDP-Sitz ist und ich wirklich die Zukunft der Schweiz mitgestallten will.
Marc Ziltener, Mollis: Sind Sie ein Mann, der Farbe bekennt? Ich möchte hier gerne eine Ja- oder Nein-Antwort. Möchten Sie, dass die Schweiz der EU Beitritt? Ja oder Nein?
Didier Burkhalter: Nein.
Nadig, Roger, Uster: Sehr geehrter Herr Burkhalter, wird die Libyen-Affäre zum Sturz von Bundesrat Bundesrat Merz führen ?
Didier Burkhalter: Nein.
Falciani Mirko , Zürich: Sehr geehrter D. Burkhalter, meine Frage lautet: Was für Lehren würden Sie heute aus den Affären UBS/USA und Libyen ziehen?
Didier Burkhalter: Die Regierungsreform muss endlich umgesetzt werden. Die Kohäsion des Bundesrates und seine Fähigkeiten, strategisch zu denken, müssen gestärkt werden.
Peter Dudli: Bonjour, Monsieur Burkhalter: Ist die FDP nicht übervertreten mit 2 Sitzen im Bundesrat?
Didier Burkhalter: Konkordanz heisst, dass die drei grössten Parteien jeweils zwei Sitze haben und die vierte Partei Anspruch auf einen Sitz hat. Somit hat die FDP einen klaren Anspruch auf zwei Sitze.
Schreiber, Schorsch, Luzern: Sehr geehrter Herr Burkhalter, Mir sind in den letzten Jahren viele FDP-Politiker durch eine nicht liberale Haltung aufgefallen, z. B bei den Parallelimporten. Wie stehen Sie dazu, sollte man Güter aus der EU parallel importieren dürfen?
Didier Burkhalter: Parallelimporte sind in der Schweiz international möglich im Markenrecht und Urheberrecht, was bei der EU nicht der Fall ist. Bei den patentgeschützten Produkten und nur bei diesen muss es anders sein, um das geistige Eigentum zu schützen. Das ist liberal.
K.B., Bern: Was denken Sie über die Harmos-Abstimmung? Und denken Sie, dass, wenn der Bundesrat vom Volk gewählt würde, Sie eine Chance hätten?
Didier Burkhalter: Harmos bringt Vorteile, ist aber Sache der Kantone. Ich wurde immer in Volkswahlen gewählt.
Schreiber, Schorsch Luzern: Quoi est pour vous liberal ?
Didier Burkhalter: Eigenständig und selbstverantwortlich denken und handeln.
Weinberg, Michael Heuried: Herr Burkhalter, Sie sind immer so sachlich, fast schon keimfrei. Aber wo ist das Charisma, das Feuer, das es für diesen Top-Job braucht?
Didier Burkhalter: Vom Blick am Abend wurde ich vor zwei Tagen als glamourös bezeichnet...:-)
Meier, Simon Luzern: Herr Burkhalter, meine Anliegen sind folgende: Ich möchte nicht in die EU, und die zunehmende Zuwanderung und Kriminalität machen mir Sorgen. Würden Sie dagegen ankämpfen?
Didier Burkhalter: Ich stehe für die konsequente Verfolgung des bilateralen Wegs. Gegen Kriminalität müssen wir gleichzeitig Repressions- und Präventionsmassnahmen ergreifen.
Peter Dudli: Hat Urs Schwaller nicht einen grösseren Leistungsausweis als Sie?
Didier Burkhalter: Nein.
Marco Tarnutzer, Chur: Hallo, Herr Burkhalter, wenn Herr Lüscher im ersten Wahlgang mehr Stimmen als Sie erreicht, würden Sie auf den nächsten Wahlgang verzichten ?
Didier Burkhalter: Nein.
Marco, Wetzikon: Herr Burkhalter, bitte versprechen Sie uns Schweizern, dass sie ein Bundesrat werden, welcher die Schweiz auch öffentlich gegen Angriffe (Libyen, Steinbrück usw.) wehrt und auch mal zurückfeuert. Viele, welche ich kenne, haben die Schnauze voll vom Kopf Einziehen und Warten, bis das Gewitter vorbei ist..
Didier Burkhalter: Ein geeinterer Bundesrat wird stärker auftreten können, auch in der Auslandspolitik.
Didier Burkhalter: Danke für die Fragen und sorry, dass ich nicht alle Fragen in der kurzen Zeit beantworten konnte. Es hat mich sehr gefreut, während dieser Kampagne so viele und so interessante Kontakte mit der deutschsprachigen Schweiz pflegen zu können. Schönen Tag noch!
play
Oder Didier Burkhalter (FDP)? (Keystone)