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Das ist die Geschichte von Emma Berger*. Es ist die Geschichte einer alten, alleinstehenden und exzentrischen Witwe, die in Bern wohnte und am 15. Dezember 2006 im Alter von 86 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs starb.
Die alte Dame, parteilos, bewegte sich jahrelang im Umfeld der SVP, reiste unablässig an deren Veranstaltungen. Sie war ab den 90er-Jahren eine glühende Anhängerin von Christoph Blocher und Ueli Maurer, in denen sie «Retter der Schweiz» sah. Zahlreiche Dokumente in ihrem Nachlass zeugen davon: Briefe, Glückwunschkarten, beschriftete Fotos, Zeitungsausschnitte.
In der Stadt Bern war Emma Berger auf die Junge SVP fokussiert. Vor allem auf deren damaligen Präsidenten Thomas Fuchs, auf den sie grosse Stücke hielt. Fuchs wohnte sogar eine Weile in einer einfachen Wohnung im Mehrfamilienhaus der alten Dame.
Emma Berger war wohlhabend und lebte sehr sparsam. Sie hatte Erspartes auf der Kantonalbank, und nebst dem Mehrfamilienhaus, das ihr ihre Tochter nach dem Tod des Vaters freiwillig aus dem Erbe überlassen hatte, noch eine Wohnung am Thunersee. Ihre Tochter hatte jeden Kontakt zu ihr abgebrochen.
Die Dame verteilte Geld nach allen Seiten. Ein guter Teil floss ins Umfeld der SVP, zum grössten Teil an die Junge SVP beziehungsweise an Thomas Fuchs selbst. Insgesamt rund 175000 Franken, so hat die Tochter und heutige Alleinerbin später anhand der minutiösen Buchhaltung ihrer Mutter ausgerechnet, seien ab 1994 bis zu ihrem Tod 2006 ins SVP-Umfeld geflossen. In bar, als Inseratespenden, für Wahlkämpfe, Plakate, für Parteianlässe und so weiter.
«Sie war eine unserer grössten Gönnerinnen. Kann sein, dass am Schluss 100000 Franken oder mehr an die SVP gingen», sagt Fuchs heute. Aber der grösste Teil ihres Geldes sei an Kreise ausserhalb der SVP gegangen.
Er selbst erscheint immer wieder in der Buchhaltung der alten Dame. Er ging ihr zur Hand bei der Hausverwaltung oder der Steuererklärung. Fuchs sagt, er habe das Geld nie für sich behalten, sondern der Partei übergeben.
Einmal überwies die alte Dame gar 50000 Franken auf ein Konto auf Fuchs’ Namen, für die Hausverwaltung. Weil plötzlich der Grossteil des Geldes vom Konto verschwand, wollte die alte Dame das Geld zurück. Fuchs zahlte widerwillig nach diversen Aufforderungen.
Ein anderer illustrer SVP-Name, der in der Buchhaltung auftaucht, ist Ueli Maurer. 2003 erhielt er 600 Franken für «Beratung». Die Dame wollte ihre Liegenschaft damals in eine SVP-Stiftung überführen. «Als die Frau ihr Haus der SVP vermachen wollte, habe ich mich dagegen gewehrt», sagt Maurer.
2006, kurz vor ihrem Tod, erhielt Maurer 400 Franken, als er die bereits todkranke Dame im Spital besuchte. Maurer: «Die Couverts mit dem Geld liegen immer noch ungeöffnet bei mir zu Hause. Ich habe der Tochter anerboten, das Geld zurückzugeben, aber sie wollte es nicht.» Und: «Die Frau war manchmal etwas verwirrt und wollte einem immer was geben.»
Maurer erhielt im Dezember 2002 zu seinem Geburtstag einen Silberlöffel «Soldaten-Weihnacht 1944», auf den die alte Dame eine Widmung eingravieren liess: «An Ueli Nat. Rat von Emma la douce». An diesen Löffel erinnert sich der Bundesratskandidat nicht mehr.
Die alte Dame wollte, dass ihr Haus nach ihrem Tod zum «Sozialwerk» wird. Sie sah es als die «wahre Notschlafstelle in Bern», auch für ihre Tochter. In einem Brief vom Januar 2006 sah sie als Stiftungsräte vor: Christoph Blocher, Ueli Maurer, den Schauspieler Walter Andreas Müller (ein langjähriger Bekannter der alten Dame) sowie ihren Notar. Es wurde auch ein Kaufvertrag aufgesetzt, in dem Thomas Fuchs und Walter Andreas Müller als «Käuferschaft» vorgesehen waren. Faktisch wäre es eine Schenkung geworden, weil der Verkaufspreis von 400000 Franken als «bereits bezahlt» verbucht wurde. Die alte Dame unterschrieb diesen Vertrag allerdings nie. Und Blocher und Maurer waren in den diversen letztwilligen Verfügungen sogar als Erben eingesetzt, schlugen das Erbe aber aus. Die Tochter der alten Dame sagt, die Sache übertreffe jede Gotthelf-Geschichte. Hans-Joggeli der Erbvetter sei nichts im Vergleich. Sie überlege sich, Fuchs einzuklagen.
Thomas Fuchs bestreitet vehement, dass SVP-Leute oder er selbst sich am Geld der alten Dame gütlich getan hätten. «Ich habe ein gutes Gewissen. Die Einzige, die in der Geschichte ein schlechtes Gewissen haben muss, ist die Tochter. Sie hat jahrzehntelang jeden Kontakt zu ihrer Mutter verweigert.»
Das sei ein Ablenkungsmanöver, sagt dagegen die Tochter. Für sie sei klar, dass sich Fuchs bei ihrer Mutter eingeschlichen habe.
Die Geschichte von Emma Berger ist kein Einzelfall. Ueli Maurer sagt: «Es handelt sich hier um einen Dutzendfall. Es kommt immer wieder vor, dass Leute der SVP etwas spenden wollen.»
*Name von der Redaktion geändert.