Darf einer Bundesrat werden, der kein Deutsch kann?

  • Publiziert: 27.07.2009, Aktualisiert: 14.01.2012

BERN – Couchepins Nachfolger soll Romand oder Tessiner sein. Doch dem Waadtländer FDP-Kronfavorit Pascal Broulis (44) macht die Sprachbarriere zu schaffen.

In der Schweiz ist man stolz auf die vier Landessprachen. Das gilt auch im Bundesrat. Bei der Suche nach einem Nachfolger für den abtretenden Walliser FDP-Bundesrat Pascal Couchepin ist man sich über Parteingrenzen hinweg einig: Es soll ein Welscher oder ein Tessiner nachrücken.

Dennoch reicht die Herkunft offenbar nicht aus: Der Freiburger Urs Schwaller (CVP) ist den Romands zu wenig welsch. Der Waadtländer FDP-Kronprinz Pascal Broulis spricht dagegen kein Deutsch.

Deutsch dominiert

Ein Handicap: Als Bundesrat muss man Medien und Volk Red und Antwort stehen können. Und politische Gegner mit Argumenten übertrumpfen. Wenn sich ein Romand oder Tessiner als Bundesrat in der Deutschschweiz nicht der Lächerlichkeit preisgeben will, muss er die deutsche Sprache einigermassen beherrschen.

Pascal Couchepin hat sich dabei tapfer geschlagen. Er zeigte sich stets gesprächsbereit und kommunikativ.

Dem Waadtländer Regierungspräsidenten und Finanzdirektoren Pascal Broulis hingegen wird nachgesagt, er spreche kein Deutsch und verstehe es auch nicht.

Trotzdem wird erwartet, dass er noch diese Woche offiziell seine Kandidatur für die Couchepin-Nachfolge bekanntgibt.

Deutsch büffeln in den Ferien

Doch was passiert, wenn er tatsächlich gewählt würde und in den Bundesratssitzungen der Argumentation seiner deutschsprechenden Kollegen nicht folgen kann? Er selbst dürfte selbstverständlich Französisch sprechen – und die anderen Bundesräte würden dies auch verstehen. Aber weil die Regierungsmitglieder aus der Deutschschweiz die Dossiers ebenfalls in ihrer Muttersprache vortragen dürfen, hätte er ein ernsthaftes Verständigungsproblem. Ganz zu schweigen von seiner Tauglichkeit, in Sendungen wie der «Arena» im Schweizer Fernsehen aufzutreten.

Pascal Broulis ist dies offenbar auch bewusst. Laut der Zeitung «Sonntag» ist er derzeit am Deutsch büffeln – in den Ferien in Italien. Seine Nomination in der FDP und der Verlauf der Hearings in den anderen Fraktionen hängen unter anderem auch davon ab, was Broulis für einen Lernerfolg vorweisen kann. (noo)

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play Deutsche Sprache schwere Sprache: Pascal Broulis poliert in den Ferien seine Deutschkenntnisse auf. (Keystone)

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Politik

Muss ein Bundesrat zwingend Deutsch sprechen und vertehen?»

  • 83,6% Ja, Deutsch ist für Bundesräte absolut Pflicht.
  • 16,4% Nein. Es genügt, wenn er eine der andern drei Landessprachen beherrscht.