Blocher! Und nur Blocher!

  • Publiziert: 17.11.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Simon Spengler

ZÜRICH – Der alt Bundesrat will Neu-Bundesrat werden. Weil er, Christoph Blocher, der Einzige, der Beste, der Fähigste sei. Doch gewählt wird eher Ueli Maurer.

Klarer gehts fast nicht mehr. Mit 47 zu einer Stimme hat der Zürcher SVP-Vorstand Übervater Christoph Blocher (68) gestern Abend auf den Schild gehoben. Er allein soll antreten, um der SVP wieder einen Sitz in der Regierung zu erobern. Den Sitz, den der gleiche Blocher mit vierjähriger Obstruktionspolitik vermasselt hat.

«Christoph Blocher ist die beste Kandidatur», erklärte der Zürcher Parteipräsident Ueli Maurer (57) nach der Wahl. Man wolle keine Zugeständnisse machen, sich nicht von anderen Parteien einen Kandidaten aufzwingen lassen.

Nur: Sogar in der Zürcher SVP weiss man genau, dass Blocher im Parlament null Chancen hat. «Wahlchancen sind nicht mein Problem», wischt Blocher diesen Einwand vom Tisch. Aber sehr wohl das seiner Partei. Die will nämlich mehrheitlich einen Kandidaten, der auch gewählt wird. Blocher selbst lässt eine Tür offen: «Wenn die anderen Parteien erklären, mich nicht zu wählen, muss die Fraktion entscheiden, ob sie vielleicht doch mit einer Nummer 2 antreten will.»

Bei Ueli Maurer tönt es so: «Keiner der anderen Kandidaten stand am Schluss zur Verfügung.» Womit er Rita Fuhrer, Bruno Zuppiger – und vor allem sich selbst meint.

Aber was gestern nicht war, kann morgen schon sein. Am Schluss entscheidet die Fraktion in Bern. Und wenn Maurer dann wieder nicht will, stehen andere bereit. Zwei Berner haben sich schon gemeldet. Interessenten gibts auch im Thurgau und im Kanton Schwyz. Und im Aargau wartet Ueli Giezendanner. Die SVP hat eben doch mehr als nur einen fähigen Mann.

Blochers Nomination spaltet auch unsere Leser. Lesen Sie die zahlreichen Feedbacks!

Blocher nicht der einzige Kandidat

«Wir haben fast mehr Bundesratskandidaten als Nationalräte», sagte Christoph Blocher gestern bei seiner eigenen Nomination. Tatsache ist, dass der Zürcher nicht mehr der Einzige ist, der sich das Amt zutraut. Bei den Bernern sinds gar zwei.

Dörfs es bitzeli meh sii? Mit Gewerbler Adrian Amstutz (54) und Landwirt Andreas Aebi (49) schickt die Berner SVP gleich zwei ihrer Nationalräte ins Einsitzer-Rennen um die Schmid-Nachfolge. Die beiden seien «versierte und führungsstarke Politiker, welche das Anforderungsprofil für das Amt optimal erfüllen», teilten die Berner mit.

Doch Politstrategen reiben sich die Augen. Der liberale Aebi kann sich ohnehin kaum Wahlchancen ausrechnen: Er ist erst seit Anfang Jahr im Nationalrat. Das Berner Doppelticket mindert aber vorab die Chancen von Hardliner Amstutz, der bisher zu den Favoriten um die Schmid-Nachfolge zählte. Das Zweierticket kann nur heissen, dass die Berner SVP nicht voll hinter ihm steht. Schmid hatte im Jahr 2000 mehr Support und wurde als Einziger nominiert.

Das Berner Doppel zeigt aber auch: Es gibt in der SVP mittlerweile sehr viele Leute, denen das Zeug zum Bundesrat attestiert wird. Die Botschaft, dass Christoph Blocher (68) die alleinseligmachende Losung sei, dringt in der SVP nicht mehr durch.

Dazu passt, dass nach Bern und Zürich in den nächsten Tagen noch eine Reihe weiterer Kantone und Kandidaten ihre Ambitionen anmelden könnten. Eine Auswahl:

Aargau: Nationalrat und Transportunternehmer Ueli Giezendanner (55) wird seiner Kantonalpartei heute mitteilen, ob er ins Rennen steigen will.

Schaffhausen: Ebenfalls heute entscheidet die dortige SVP, ob sie Kandidaten ins Rennen schickt. Im Vordergrund steht Ständerat Hannes Germann (52), im Gespräch ist auch Nationalrat Thomas Hurter (45).

Thurgau: Bis am 21. November müssen Kandidaten gemeldet werden. Im Vordergrund steht Nationalrat Hansjörg Walter (57). «Alles ist offen, Gespräche laufen», sagt Parteipräsident Walter Marti.

Schwyz: Die Schwyzer haben bereits entschieden, Nationalrat Pirmin Schwander (47) ins Rennen zu schicken.

Waadt: Nominiert wurde am Montagabend Staatsrat Jean-Claude Mermoud (56). Mermoud ist Volkswirtschaftsdirektor.

Von Henry Habegger

Top 3

1 Bundesrat: So wird gewähltbullet
2 Rechenspiele mit Parteistärken Wer schaffts in den Bundesrat?bullet
3 Maurer will beste Armee der Weltbullet

Politik