Bundesrat Johann Schneider-Ammann verteidigt Schlaumeiereien der Firmen «Steuern optimieren ist sehr schweizerisch»

Nach einem Bericht der «Rundschau» steht Bundesrat Johann Schneider-Ammann in der Kritik. Jetzt nimmt der Wirtschaftsminister Stellung zu den Vorwürfen.

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BLICK: Als Chef der Ammann-Gruppe hatten Sie 250 Millionen Franken in Jersey und Luxemburg deponiert. Laut Unterlagen der Steuerverwaltung wurde das Geld aber von Langenthal aus verwaltet, wie die «Rundschau» berichtete. Stimmt das?
Johann Schneider-Ammann:
Die Ammann-Gruppe hat immer korrekt gehandelt und gegenüber den Steuerbehörden Jahr für Jahr transparent alle ihre Aktivitäten dargelegt. Wir haben stets die Bestätigung erhalten: Alles ist akzeptiert.

Wo wurde das Geld verwaltet? Die Ammann-Gruppe sagt nur: Die Substanz vor Ort war vorhanden.
In meiner Funktion als Bundesrat nehme ich dazu nicht Stellung. Das ist Sache der Firma.

Warum haben Sie die Gewinne aus dem angelegten Vermögen nicht in der Schweiz versteuert?
Wir haben uns so aufgestellt, dass wir die industriellen Arbeits­plätze in der Schweiz verteidigen konnten – über gute und schlechte Zeiten hinweg. Das Verständnis bezüglich Steueroptimierung ist heute teilweise ein anderes als vor zehn Jahren. Damalige Aktivitäten von Firmen sollten auch mit der damaligen Messlatte gemessen werden. Sonst ist die Rechtssicherheit in Frage gestellt. Das gefährdet den Standort und seine Arbeitsplätze, und das nehme ich nicht hin.

War es damals akzeptiert, von der Schweiz aus verwaltete Vermögen anderswo zu versteuern?
Die Steuerbehörde hat die Aktivitäten meiner ehemaligen Firma stets für rechtens befunden. Das ist entscheidend.

War die Tochterfirma in Jersey eine Briefkastenfirma?
Wir hatten Geld, das nicht im Tagesgeschäft eingesetzt wurde, sondern für die strategische Weiterentwicklung der Firma. Mit dem Ziel, am teuren Standort Bern Arbeitsplätze zu verteidigen. In Jersey war kein Geld versteckt, sondern steueroptimiert parkiert. Die Familie Ammann hat sich weder bereichert, noch wurde das Vermögen für extravagante Tätigkeiten ausgegeben.

Die Steuerverwaltung des Kantons Bern schaut den Fall jetzt nochmals an. Befürworten Sie das?
Ich muss das akzeptieren. Die Art, wie jetzt rückwirkend vorgegangen wird, scheint mir sehr fragwürdig. Meine ehemalige Firma darf beanspruchen, gleich anständig behandelt zu werden wie alle anderen. Ich erwarte aber, dass die Verwendung vertraulicher Dokumente untersucht und geahndet wird.

Finden Sie es in Ordnung, dass Firmen wie Ems die Möglichkeiten ausreizen, um Steuern zu sparen?
Es ist nicht nur in Ordnung: Firmen müssen Steuern optimieren. Sie müssen Reserven schaffen. Weil sie im weltweiten Wett­bewerb stehen. Wir wollen Vollbeschäftigung. Schweizer Firmen müssen sich mit allen erlaubten Mitteln gegen die weltweite Konkurrenz verteidigen, um zu überleben.

Steueroptimierung um jeden Preis mag nicht illegal sein. Aber unschweizerisch und unsolidarisch!
Ein Unternehmer hat die Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Firma im Markt besteht und Arbeitsplätze anbieten kann. Unter anderem heisst das auch, dass er die Kosten optimieren muss. Dazu gehören auch Steuern. Wenn die Optimierung in Absprache mit den Steuerbehörden geschieht, dann ist das sehr schweizerisch.

Morgen halten Sie am FDP-Wahlkampfauftakt eine Rede über Gemeinsinn. Wie definieren Sie diesen?
Gemeinsinn ist etwas, das man mit anderen und für andere tut. Beispiel Unternehmertum: Ich kämpfe seit 30 Jahren dafür, dass unser Land industriell wett­bewerbsfähig bleibt. Ich kämpfe für Arbeitsplätze. Das geht nur, wenn man miteinander arbeitet, füreinander schaut.

Haben Sie als Firmenchef diesen Gemeinsinn gelebt – auch durch die Strategie, Steuern zu optimieren, um Arbeitsplätze zu sichern?
Ja. Ich finde, ich lebe ein gemeinsinniges Leben. Ich habe nie für mich persönlich gehandelt, immer für meine Unternehmungen und mein Land. Steuerwettbewerb und Rechtssicherheit ermöglichen den Firmen zu investieren: in Jobs und Gemeinwohl.

Publiziert am 12.09.2014 | Aktualisiert am 12.09.2014
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76 Kommentare
  • Ernst  Blum , via Facebook 12.09.2014
    Lieber Herrn Bundesrat helfen sie mir meine Steuern zu Optimieren.
    Bin Rentner mit AHV und Pension
    Durch Schweizerischem Krankenkassengesetz werde ich zu für mich Kuriose Steuervorschriften traktiert
    Ich lebe 6 Monate und 2 Tag in der Schweiz die Restliche Zeit in meiner 2. Heimat in Thailand bezahlen muss ich aber die Steuern für das gesamte Jahr. Weder meinen Steuerberater noch meine Flüge oder andere Abzuge werden von der Steuerverwaltung akzeptiert. Irgendwo ist doch eine Ungerechtigkeit
  • Karl  Müller aus Sins
    12.09.2014
    Karl Müller
    Wo um Himmelswillen ist mein Vertrauen in die Regierung???
    Danke für den Typ Hr. Bundesrat
  • Peter  Weber aus Zürich
    12.09.2014
    Wann kommt endlich der Steuersparratgeber für Angestellte raus?
    Ich habe mich immer gewundert wieso die Kinder wohlhabender Selbststädiger Stipendien fürs Studium bekommen, die Angestelltenkinder aber nicht. Jetzt ist das klar. Bereichert euch, werdet Unternehmer!
  • Mike  Müller aus Zürich
    12.09.2014
    «Steuern optimieren ist sehr schweizerisch» - was für eine plumpe und dreiste Ausrede eines Bundesrates. Mit anderen Worten: Leute Volk es besteht akuter Handlungsbedarf gegenüber jenen, die sich die Dinge so einrichten, wie man sie haben will.
  • Erik  Schiegg 12.09.2014
    JEDER KANN DAS NACHMACHEN: Eine Ltd. in England kostet 250 Stutz und damit kann man sich in einem Steuerparadies domizilieren lassen.Man arbeitet dann für keine Lohnkosten für die eigene Firma im Steuerparadies, welche eine Dienstleistungs- oder Werkverträge der Schweiz abschliesst, um Gewinn zu machen und lebt dann, persönliche Sozialbeiträge zahlend, vom steuerfreien Kapitalertrag der Firma.