Bundesrat Guy Parmelin geniesst das Eidgenössische «Ich fühle mich hier wohler als in Rio»

Unauffällig mischte sich Bundesrat Guy Parmelin (56) gestern unter die Besucher in Estavayer FR. Im Interview erklärt er, warum der «Hosenlupf» derzeit so populär ist und wie er für die Sicherheit der Fans sorgte.

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SonntagsBLICK: Herr Bundesrat, haben Sie schon selber geschwungen?
Guy Parmelin:
Selber noch nicht. Aber in Mont-sur-Rolle, in der Nähe meines Wohnortes, gibt es einen Schwingklub, dort habe ich schon Schwingfeste besucht.

Wie gefällt es Ihnen heute in Estavayer?
Wunderbar, alles ist perfekt organisiert. Heute Morgen sah es aus, als ob die Leute nach Lourdes pilgerten. Viele Menschen, alles sehr friedlich. Das ist schon beeindruckend.

Haben Sie keine Angst, dass auch in der Schweiz an einem Grossanlass mit Tausenden von Leuten etwas vorfallen könnte?
Wir analysieren ständig, sind immer in Sorge. Aber ich glaube, es wird alles ruhig verlaufen.

Wurde am Sicherheitskonzept trotz der jüngsten Anschläge nichts geändert?
Jedes Mal, wenn etwas passiert, gehen wir über die Bücher. Ein Beispiel: Ich war in den Ferien, als mich die Nachricht vom Anschlag in Nizza erreichte, wo ein Attentäter mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge raste. Ich wusste, die Tour de France kommt bald nach Bern. Von der Toskana aus beriet ich mit dem Nachrichtendienst, ob wir auf einen solchen Angriff vorbereitet sind und was angepasst werden muss. Hier sehen Sie das Resultat: Am Eingang des Schwing- und Älplerfestes stehen die massiven Fahrzeugsperren, damit ein Attentäter nicht auf das Gelände rasen kann wie in Nizza.

Was ändert sich für Sie persönlich? Von Personenschutz ist weit und breit nichts zu sehen für Sie und Ihre Frau.
Wir haben auch diese Situation vorher analysiert und festgestellt, hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Hier brauche ich es wohl auch nicht. Wir sind immer noch in der Schweiz! Das ist so und ich hoffe, das bleibt noch lange so. Ich geniesse es sehr, mich mit meiner Frau wie ein gewöhnlicher Besucher unter das Volk mischen zu können.

Am Mittwoch haben Sie den Sicherheitspolitischen Bericht vorgestellt. Ist die Welt, ist die Schweiz unsicherer als noch vor ein paar Jahren?
Dieser Bericht ist eine Analyse der vergangenen fünf, sechs Jahre. Wir könnten jede Woche eine neue erstellen. Wir sind gut aufgestellt. Aber wenn wir an den Terrorismus denken, ist klar: Die Gefahr von Angriffen hat sicher zugenommen. Alle Sicherheitsorgane müssen noch besser, noch enger zusammenarbeiten. Wenn einmal etwas passiert, will ich hinterher nicht sagen müssen, dass wir nicht alles Mögliche unternommen haben, um das zu verhindern. Aber wir dürfen nicht naiv sein, in Europa sehen wir, wie heikel die Lage heute ist.

Angesichts der Lage an der Südgrenze ertönt immer wieder die Forderung, die Armee an die Grenze zu schicken. Wurde ein solcher Einsatz im Bundesrat thematisiert?
Ja, das war Thema. Wenn Ueli Maurer, dem das Grenzwachtkorps unterstellt ist, sagt: «Ich brauche die Armee», sind wir bereit. Wir haben Verbände, die bereits heute vom Grenzwachtkorps geschult wurden und, wenn nötig, als Unterstützung eingesetzt werden können. Damit haben wir bereits Anfang Jahr begonnen.

Zurück zum Sport: In der Westschweiz ist das Schwingen viel weniger populär als in der Deutschschweiz. Warum eigentlich?
Der Ursprungsort oder die Ursprungsregion des Schwingens ist nicht wirklich bekannt. Zuerst war der «Hosenlupf» in der Zentralschweiz und in den Voralpen des Mittellands Teil der Festkultur. In der Deutschschweiz fasste es darauf deutlich schneller und stärker Fuss als in der Romandie. Seltsamerweise findet man die erste Schwingerdarstellung auf einem Gemälde aus dem 13. Jahrhundert, das in der Kathedrale Lausanne hängt.

Der Traditionssport erlebt im Moment einen Boom. Warum?
Seit einigen Jahren stehen Werte wie Heimat, Tradition, Brauchtum wieder hoch im Kurs, was unter anderem mit der Globalisierung zusammenhängt. Schwingen verkörpert diese Werte. Ebenso steht dieser Sport für typische Schweizer Tugenden wie Fleiss und Bescheidenheit. Nicht zuletzt ist es gelungen, Schwingfeste zu richtigen Events zu machen und damit Jung und Alt, ländliches und urbanes Publikum anzusprechen.

Sie waren kürzlich in Rio an den Olympischen Spielen. Wo gefällt es Ihnen besser – in der brasilianischen Metropole oder in Estavayer?
In Rio hat es mir sehr gut gefallen. Ich durfte vor Ort an den Olympischen Spielen mitverfolgen, wie unsere Sportler grossartige Erfolge feiern konnten. Gemeinsam mit den Betreuern und den mitgereisten Sportfans aus der Schweiz war ich sehr stolz auf unsere Athleten. Hier in Estavayer fühle ich mich aber insgesamt schon wohler. Ich kann mich unter den Fans frei bewegen, mich austauschen und es kommt zu spannenden Begegnungen mit den Besuchern.

Das Abschneiden der Schweizer Athleten in Rio mit drei Goldmedaillen hat Sie sicher sehr gefreut. Wie sieht Ihre Bilanz aus?
Ich war und bin immer noch beeindruckt von den Erfolgen des Schweizer Teams. Damit meine ich die Medaillenerfolge und die Diplome, aber ich denke auch an jene, denen es trotz grossem Einsatz nicht auf die vorderen Ränge gereicht hat. Etwas stolz bin ich, dass auch der Bund mit seinen Unterstützungsleistungen zum einen oder anderen Erfolg hat beitragen können.

Trotzdem kommt jetzt Kritik auf. Ralph Stöckli, Chef de Mission, sagt, es sei falsch vom Bundesrat, keine zusätzlichen Mittel in den Spitzensport zu investieren. Ist die Regierung zu knausrig, ist die Zitrone ausgepresst, wie Stöckli behauptet?
Es ist die Pflicht von Herrn Stöckli als Vertreter von Swiss Olympic, mehr Mittel einzufordern. Der Bund unterstützt den Schweizer Spitzensport bereits heute mit gegen 50 Millionen Franken im Jahr. Aus finanzpolitischen Gründen ist es derzeit nicht möglich, diese Mittel zu erhöhen.

Publiziert am 28.08.2016 | Aktualisiert am 30.08.2016

Die Rangliste nach 4 von 8 Gängen

1a Bless Michael (NOSV) 38.75
1b Clopath Beat (NOSV) 38.75
1c Glarner Matthias (BKSV) 38.75
1d Käser Remo (BKSV) 38.75
1e Stucki Christian (BKSV) 38.75
1f Thürig Mario (NWSV) 38.75
____________________________________

2a Anderegg Simon (BKSV) 38.50
2b Graber Willy (BKSV) 38.50
2c Laimbacher Philipp (ISV) 38.50
2d Sempach Matthias (BKSV) 38.50
2e Siegenthaler Matthias (BKSV) 38.50
2f Bösch Daniel (NOSV) 38.50
2g Müllestein Mike (ISV) 38.50
2h Orlik Armon (NOSV) 38.50
2i Scheuber Lutz (ISC) 38.50

_____________________________________

3a Alpiger Nick (NWSV) 38.25
3b Bieri Christoph (NWSV) 38.25
3c Giger Samuel (NOSV) 38.25
3d Gisler Bruno (NWSV) 38.25
3e Moser Steven ((ARLS) 38.25
3f Schuler Christian (ISV) 38.25
3g Guisolan Marc (ARLS) 38.25
3h Räbmatter Patrick (NWSV) 38.25
3i Schuler Philipp (ISV) 38.25
3j Schurtenberger Sven (ISV) 38.25

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8 Kommentare
  • André  Gubelmann , via Facebook 28.08.2016
    Wenn man kein Portugiesisch spricht,ist man in Brasilien eben der Lackierte.
  • Concolor  Shalako 28.08.2016
    Ist ja logisch dass es Parmelin in Estavayer gut gefällt. Da spricht man Französisch seine Muttersprache und sowohl die Zuschauer und Sportler sind friedlich gesinnt. Möge das noch lange so bleiben.
  • Fritz  Frigorr 28.08.2016
    Naja die Fleischkolosse sind halt schöner anzusehen, als die Bikinischönheiten in Rio!
  • Harry  Potter aus Hogwarts
    28.08.2016
    Finde es sympathisch dass er nicht immer mit Anzug und Krawatte an solche Anlässe kommt. Man würd es ihm nicht ansehn dass er Bundesrat ist. Aber trotzdem wer bezahlt z.B. den Flug nach Rio? Wir!
  • Toni  Lauber aus Reinach
    28.08.2016
    Die Rangliste muss man sich auf der Zunge vergehen lassen. Alles Namen die man kennt und versteht. Das scheint das letzte Stück Kultur zu sein das uns gehört. Künftig werden solche Anlässe sicher etwas Farbenfröhlicher und die Rangliste orientalischerauch das nehmen sie uns noch weg.Zeit fürs training hätten sie ja und gut für die Integration wäre das allemal.