Die schwangere SVP-Nationalrätin Jasmin Hutter «Bundesrätin und Baby, das kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren»

  • Publiziert: 08.07.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Simon Spengler
play Die schwangere Jasmin Hutter erwartet ein Nikolaus-Kind. Nach der Geburt wird sie als SVP-Vizepräsidentin zurücktreten. (Toini Lindroos)

Bundesrätin mit Kleinkind? Für SVP-Vize Jasmin Hutter (31) nicht zu verantworten. Sie wird im Dezember selbst Mutter — und will dann vor allem fürs Kind da sein.

Blick: Frau Hutter, Karriere und Mutterschaft zugleich hat für Sie noch nie zusammengepasst. Bleiben Sie dabei, wo Sie selbst bald Mutter werden?
Jasmin Hutter:
Selbstverständlich stehe ich dazu. Für mich ist klar: Eine Mutter sollte sich primär um ihre Kinder kümmern.

Mit dieser Meinung liegen Sie aber nicht im Trend. Mutterschaft plus Karriere lautet doch die allgemeine Devise.
Das verbreiten vor allem die Medien. In Wirklichkeit findet aber die Mehrheit der Frauen Befriedigung genug im Muttersein. Sie müssen dazu nicht noch Karriere machen.

Isabelle Moret von der FDP sieht das ganz anders. Sie hat eine kleine Tochter und will trotzdem Bundesrätin werden.
Das muss sie selbst wissen. Ich könnte Bundesrat und Baby nicht miteinander vereinbaren. Weder zeitlich noch mit meinem Gewissen.

Ihre Namensvetterin, ABB-Chefin Jasmin Staiblin, geht in Mutterschaftsurlaub und steigt dann wieder ein. Läge das für Sie drin?
Schon in unserem mittelständischen Betrieb (Vertrieb von Baumaschinen – Red.) wäre es kaum möglich, dass sich die Chefin für 16 Wochen abmeldet. Geschweige denn bei einem Grosskonzern wie der ABB. Verantwortung ist nicht teilbar. Davon bin ich überzeugt.

Wie werden Sie es denn für sich selbst halten?
Ich muss zwischen Unternehmen, Politik und Kind wählen. Mein Entscheid ist gefallen: In Zukunft wird mein Kind im Vordergrund stehen.

Das klingt aber noch nicht nach einem völligen Rückzug aus der Politik. Können Sie sich vorstellen, das Nationalratsmandat zu behalten?
Dazu werde ich erst etwas sagen, wenn das Kind da ist.

Zumindest das Vizepräsidentenamt bei der grössten Schweizer Partei dürfte schwer mit Ihrer Auffassung der Mutterrolle vereinbar sein.
Richtig. Das schliesst sich für mich gegenseitig aus. Die Belastung ist viel zu gross, um sich nebenbei noch ums Kind zu kümmern. Wenigstens so, wie ich mir das für mein Kind wünsche.

Sie treten also nach der Geburt als SVP-Vizepräsidentin zurück?
Ja. Die Partei ist bereits darüber informiert.

Wie hat Ihr Chef Toni Brunner reagiert?
Der Toni hätte es lieber gesehen, wenn ich geblieben wäre. Aber ich lasse mich nicht überreden. Ich habe zwar viel für die SVP gemacht, aber jeder ist ersetzbar. Die SVP gabs schon vor mir und wirds auch nach mir geben.

Jetzt verraten Sie uns doch noch, wann das freudige Ereignis erwartet wird.
Im Dezember.

Also ein richtiges Christkind?
Schon eher ein Nikolaus-Kind.

Bundesrätin mit Kleinkind: Das geht für Jasmin Hutter nicht. Hat die SVP-Politikerin hier konservative Wertvorstellungen? Oder handelt sie völlig richtig? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

FDP-Nationalrätin mit Kind (2) will Nachfolgerin von Couchepin werden

Für die Waadtländer FDP-Nationalrätin Isabelle Moret (38) darf ein Kind kein Hindernis für die Karriere sein. Sie hat eine knapp dreijährige Tochter und will für die Couchepin-Nachfolge kandidieren. «Das ist eine Frage der Organisation. Dann muss sich halt der Papa mehr ums Kind kümmern», so Moret. Bei einem Mann frage schliesslich auch niemand, ob Vaterschaft und Bundesrat vereinbar seien, meint die Politikerin.

Karrierefrauen mit Baby — das Thema wurde schon letzte Woche kontrovers diskutiert, nachdem ABB-Chefmanagerin Jasmin Staiblin überraschend ankündigte, ihren 16-wöchigen Mutterschaftsurlaub anzutreten.