Heute dauert ein Asylverfahren bis zu vier Jahre. Das ist viel zu lange, darin sind sich alle einig. Gestern machten Mario Gattiker, Direktor des Bundesamtes für Migration, Peter Gomm, Solothurner Regierungsrat und Präsident der kantonalen Sozialdirektoren, sowie der Berner Regierungsrat Hans-Jürg Käser, Präsident der kantonalen Justiz- und Polizei­direktoren, konkrete Vorschläge:

  • Die wichtigsten Akteure, also Asylbewerber, Rechtsbeistand und Bundesvertreter, müssen am gleichen Ort sein. «Das ist zentral», sagte Käser.
  • Dazu braucht es grosse Zentren. Deshalb sollen die fünf Empfangsstellen in den Kan­tonen Waadt, Basel-Stadt, Thurgau, St. Gallen und Tessin von 1200 auf 3000 Plätze aus­gebaut werden. Zusätzlich braucht es noch ein paar Hundert Plätze in Militärunterkünften. «Ein einziges grosses Zentrum wie das Beispiel in Holland ist politisch nicht durchsetzbar», so Käser.
  • Die Verfahren in diesen Zentren dauern nur noch einige Wochen. Nach einer zweiwöchigen Vorbereitungsphase gibt es ein sieben- bis zehntägiges Verfahren. Darauf folgt noch eine mehrwöchige Rekursphase.
  • Für Dublin-Fälle gibt es Wartezentren und für renitente Asylbewerber separate Zentren.
  • Die Standortkantone sollen entschädigt werden. In welcher Form ist noch offen. Klar ist aber bereits, dass Asylbewerber in den Bundeszentren dem Kontingent des jeweiligen Standortkantons angerechnet werden sollen.

Für die Neuerungen braucht es eine weitere Gesetzesrevision, allerdings eine kleinere als ursprünglich geplant. Denn mehrere Vorschläge wurden bereits in der laufenden Asylgesetzrevision aufgenommen, die zurzeit im Parlament behandelt wird.

Im November sollen die zentralen Punkte der Neustrukturierung an einer Asylkonferenz definitiv beschlossen werden. Anschliessend wird ein Pilotprojekt gestartet.

Sozialdirektoren-Präsident Peter Gomm: «Wir dürfen niemandem etwas vormachen»

Was ist das Hauptziel dieses Asyl-Umbaus?
Peter Gomm: Das Verfahren bis zum erstinstanzlichen Asylentscheid soll beschleunigt werden. Dazu dienen Verfahrenszentren. Künftig soll rascher und klarer unterschieden werden zwischen jenen, die schutzbedürftig sind und jenen, die kein Anrecht auf Asyl haben.

 

War das nicht schon immer so?
Ziel war das sicherlich. So kann man es aber besser machen. Bei jenen, die kein Anrecht darauf haben, hier zu bleiben, soll das ordentliche Verfahren künftig nur noch ein paar Wochen dauern. Das heisst damit auch, dass sie in der Regel nicht mehr weiter auf die Kantone verteilt werden. Das ist neu.

 

Wie viele Menschen betrifft das pro Jahr?
Alle Asylsuchenden müssen durch das Nadelöhr der Verfahrenszentren. Klare Fälle, ob negativ oder positiv, können dann rasch entschieden werden. Wie viele dann noch den Kantonen zugewiesen werden, ist offen. Es werden aber deutlich weniger sein. Darunter werden sich zum grössten Teil diejenigen 37 Prozent befinden, die heute schon Anrecht auf Asyl oder eine vorläufige Aufnahme haben. Wichtig ist, dass auch mit den neuen Zentren die humanitäre Tradition gewahrt bleibt.

 

Und damit sind alle Probleme gelöst?
Nein, leider nicht. Die Frage des Rückführungsvollzugs ist damit nicht gelöst.

 

Was heisst das?
Kein Land in Europa hat so viele Rückübernahmeabkommen wie die Schweiz. Das reicht dennoch nicht aus. Der vom Bund eingeschlagene Weg zum Abschluss von Migrationspartnerschaften wie beispielsweise mit Tunesien muss weitergeführt werden.

 

Und was bedeutet das konkret?
Wir dürfen niemandem etwas vormachen. Die Sisyphusarbeit wird nicht nachlassen. Die Schweiz ist ein reiches Land und damit ein klassisches Migrationsziel. Auch bei Staaten mit Rückübernahmeabkommen muss das Verständnis immer wieder neu erarbeitet werden, dass sie abgewiesene Asylsuchende wieder aufnehmen. Ein Beispiel ist Nigeria. Menschen aus Nigeria bekommen nur sehr selten einen positiven Asylentscheid.

 

Interview: Irène Harnischberg

Beliebteste Kommentare

  • Sina  Kuhn , Therwil , via Facebook
    Na klar, baut doch gleich noch 6 Sterne Luxushotels, soll denen doch gut gehen, wenn sie in die Schweiz einreisen. Nein, ehrlich da kann ich nur noch den Kopf schütteln....Hat jemand diese Reportage gesehen auf telebasel? CHF15 bekommt jeder am Tag zur freien Verfügung, dass heisst Essen, Kleidung und Unterkunft ist bereits schon bezahlt, die CHF 15.- dürfen sie für alles andere bauchen. Macht im Monat CHF 450! Und nun: Welcher normal Verdiener kann sich jeden Monat einfach so für CHF 450 etwas schönes kaufen? Praktisch keiner und genau da fängt das Problem an! Ich bin nicht dagegen, dass man denen hilft, ich bin dagegen, dass es denen besser geht als manch Schweizer.
    Wieviele Mamis müssen ihre Kinder alleine gross ziehen? Die haben vielleicht CHF 450 um Essen zu kaufen aber nicht für jeden sonstigen Luxus... Wie gesagt, so kann und darf es nicht weitergehen!
    • 03.07.2012
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Alle Kommentare (22)

  • Martial  Callair , Aargau
    Es wird viel geredet, referiert und die Situation ist immer noch die gleiche. Viele Kosten, viele Palavern und für unsere Politiker ist der Tag wieder einmal gerettet. Sie haben nichts erreicht aber viel "geschnurrt"!
    • 03.07.2012
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  • Khun  Matin , Zürich
    Sozialhilfe zahlt Miete geregelte Maximalhöhe und Krankenkasse plus Betrag für die Grundlebenskosten 900. Gibt pro Tag 30., davon mss aber Bahn/Bus-Monatskarte, Strom, Internet, Telefon, Billag, Kleider, Möbel, Zubehör, Pflegeprodukte vom WC-Papier bis zum Waschmittel alles zur Verfügung im Heim, und natürlich das ganze Essen bis zu jedem Gewürz und Saucen bezahlt werden, das steht nicht alles wie in den Asylzentremn auf dem Tisch bereit, da bleiben keine 15 Franken! Wehe es geht mal ein Elektrogerät kaputt!
    • 03.07.2012
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    • Martial  Callair , Aargau
      Martin, ich würde nicht soweit gehen, aber eine straffe "Filtrierung" mit starken Kontrollen und Sanktionen, wären schon ein erster Schritt. Dazu diese Verfahren auf 6 Wochen max. reduzieren. Innerhalb von ein paar Wochen, hätten wir schon keine Scheinasylanten von Nord/Mittelafrika mehr in unserem Land!
      • 03.07.2012
      • als Kommentar auf Khun  Matin , Zürich
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  • Khun  Matin , Zürich
    Schon mal ausgerechnet was 3000 Asylbewerber nur im Monat kosten?
    • 03.07.2012
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  • john  meier
    wenn solche Zentren eingeführt werden, die Aufenthaltsdauer massiv verkürzt wird und nur noch Nothilfe gewährt wird werden die asylgesuche massiv zurückgehen,vor allem von den scheinasylanten.
    • 03.07.2012
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  • Hanspeter  Rüegg
    Ich hoffe, dass die Bewegungsfreiheit der Asylanten in den Grosszentren dann massiv eingeschränkt wird. Sonst lungern jeweils hunderte vor diesen Zentren herum und als Schweizer wirds ein No Go-Area.
    • 03.07.2012
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