Bund lanciert #Woodvetia-Kampagne Förster fordern «Inländervorrang» beim Holz

ZÜRICH - Auf Schweizer Baustellen stammt nur noch knapp ein Viertel des verbauten Holzes aus inländischer Produktion. Das soll jetzt eine neue Kampagne des Bundesamts für Umwelt und der Holzwirtschaft ändern.

Schweizer Förster fordern «Inländervorrang» für Holzindustrie play
Mit ihrer #Woodvetia-Kampagne will der Bund die Bevölkerung sensibilisieren.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Albisgüetli-Tagung der SVP in Zürich Harmloser Blocher, Juso-Protestzug...
2 Senioren-Autofahrer sollen später zur Pflicht-Kontrolle Hausärzte für...
3 Armee-Chef Philippe Rebord (59) im Gespräch «Meinen Leuten muss ich...

Politik

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
5 shares
15 Kommentare
Fehler
Melden

Schweizerinnen und Schweizer mögen Holz. Im Baugewerbe spürt man einen regelrechten Aufwind im Holzbau. Während aber auf Baustellen immer mehr Holz verbaut wird, geht der Anteil an Holz aus einheimischer Produktion immer weiter zurück. Aus diesem Grund lanciert das Bundesamt für Umwelt (Bafu) zusammen mit der Holzwirtschaft heute eine Kampagne namens #Woodvetia.

Damit soll die Schweizer Bevölkerung für die Herkunft des Holzes sensibilisiert werden. «Wir wollen ja alle, dass der Wald gepflegt und bewirtschaftet wird», sagt Christoph Starck, Direktor von Lignum, dem Branchenverband der Schweizer Holzwirtschaft. 

Der Wald sei mit seiner Kohlenstoffbindung – Bäume nehmen CO2 auf und stossen Sauerstoff aus – schliesslich essentiell für den Klimaschutz. Dieser Funktion könne er aber nur nachkommen, wenn er ordentlich bewirtschaftet wird. «Für die abgeholzten Bäume wachsen neue, junge Bäume nach», führt Starck aus.

Ohne die Abholzung werde der Wald also immer älter. Die älteren Bäume würden weniger Kohlenstoff binden und zusätzlich der morschen Verfassung wegen ein beträchtliches Sicherheitsrisiko darstellen. 

70 Prozent des benötigten Holzes wird importiert

Ausserdem wolle man in der Baubranche den Fokus auf erneuerbare Energien setzen, und Holz eigne sich da als treibhausgasarmer Stoff sehr. «Daher macht es nur Sinn, das Holz aus unseren Wäldern zu nehmen, hier zu verarbeiten und dann auch hier zu verbauen», so Starck. Momentan würden für neue Häuser rund 70 Prozent des benötigten Holzes importiert, was die einheimische Industrie unter massiven Druck setze. 

Pro Jahr werden um die fünf Millionen Kubikmeter Holz aus Schweizer Wäldern entnommen. Vereinbar mit dem Prinzip der Nachhaltigkeit – also nur so viel wie im Jahr nachwächst – wären aber acht Millionen. Doch wegen des starken Frankens bevorzugen viele Konsumenten ausländische Lieferanten.

Baukosten wären rund ein Prozent teurer

#Woodvetia will da Gegensteuer geben und dazu anregen, beim Lieferanten explizit nach Schweizer Holz zu fragen. «Wir gehen davon aus, dass sich die Baukosten bei einem Einfamilienhaus um etwa ein halbes bis ein ganzes Prozent verteuern würden», führt Starck aus. Somit sei Schweizer Holz tatsächlich teurer, aber nicht so sehr, wie man sich vielleicht vorstellt. «Dieser Aufpreis kommt aber der Rettung von Arbeitsplätzen, der Waldpflege und somit auch der Umwelt zugute.» 

Marie Tussaud in Holz

Schweizer Förster fordern «Inländervorrang» für Holzindustrie play
Die erste Statue der Woodvetia-Kampagne: Marie Tussaud, modelliert von Inigo Gheyselinck (r.). Bruno Augsburger
Schweizer Förster fordern «Inländervorrang» für Holzindustrie play
Das ganze Jahr über werden verschiedene Statuen von Schweizer Persönlichkeiten aus Holz angefertigt. Den Anfang macht Marie Tussaud, die Bern als ihren Geburtsort angibt. Bruno Augsburger

Im Rahmen der Kampagne #Woodvetia stellt Künstler Inigo Gheyselinck nun Holzstatuen von bekannten Schweizer Persönlichkeiten her. Zum Auftakt präsentierten die Initianten heute Donnerstag das hölzerne Abbild von Marie Tussaud, der weltbekannten Gründerin des Wachsfigurenkabinetts «Madame Tussauds». 

Sie war zwar Französin, gab aber Bern als ihren Geburtsort an. Ihr werden durch das ganze Jahr weitere, vorerst noch nicht veröffentlichte Personen folgen. Ende Jahr sollen alle Figuren in Bern versammelt und ausgestellt werden.

Publiziert am 12.01.2017 | Aktualisiert am 12.01.2017
teilen
teilen
5 shares
15 Kommentare
Fehler
Melden

15 Kommentare
  • Annemarie   Setz 12.01.2017
    Es ist wie mit allen Produkten, was günstiger ist, kauft man im oder aus dem Ausland, ohne Rücksicht auf heimische Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft. Aendern kann man das wohl nicht, denn zum Einkaufen in der Schweiz kann niemand gezwungen werden, wenn er nicht selber einsichtig wird, dass es zu Problemen führt, wenn man die eigenen Produkte vernachlässigt. Was man verbieten müsste, ist die Einfuhr von Edelhölzern aus tropischen Regionen und deren Verkauf.
  • Thomas  Müller Thurgau 12.01.2017
    dann fordere ich das auch für andere Branschen.....Stichwort Zulieferer für Armeematerial !!!
  • Marco  Weber 12.01.2017
    Lieber Blick es stimmt so nicht, dass 70 Prozent des Holzes in die Schweiz importiert werden! Die Importrate liegt bei etwa 50 Prozent! Auf Grossbaustellen wird ca. 70 Prozent des verwendeten Holzes aus dem Ausland gekauft! Macht die Situation nicht besser, dafür wäre die Berichterstattung korrekt!
  • Susanne  Keller aus Basel
    12.01.2017
    Lieber Werner aus dingsda. Das Problem liegt anders. Solange die Schnäppchen-Jagt offen ist, ändert sich nichts. Solange jeder nach dem kleinsten Preis sucht und maximale Leistung verlangt bleibt es beim alten. Keiner will einen gerechten Preis zahlen, aber Lohntüte immer voll. Das geht eben je länger je mehr nicht mehr auf. Wir sägen ja am Ast und es dauert nicht mehr lange...
    • Marco  Weber 12.01.2017
      Frau Keller wie wollen Sie das ändern? wollen Sie Gesetze einführen welche bestimmen, was gekauft werden darf und was nicht? Wenn der Schweizer immer günstiger Einkaufen will soll er das auch machen! Jedoch sollte man sich dann über langzeitkonsequenzen nicht wundern!
    • Thomas  Hager aus Luzern
      12.01.2017
      Demnach gehe ich davon aus das auch sie als Baslerin ihre Einkäufe nur in der Schweiz tätigen und nicht schnell mit dem Drämli über die Grenze gehen.
    • Werner  Rutishauser aus St.Gallen
      12.01.2017
      Falsch, denn solange Transport so gut wie nichts kostet, kann man jedes Material von irgendwo herholen und es ist immer noch günstiger wie heimische Produkte. Flugtreibstoff wird nicht besteuert und in der Buchhaltung von Transportunternehmen die international tätig sind wie solche von Giezendanner kann man so ziemlich alles steueropimiert abschreiben. Die Globalisierung nützt nur noch den Konzernen!
  • Erich  Kälin 12.01.2017
    Ja so geht es in unserer Branche auch. Billig Import von Arbeitskräften und Produkten. Das so hochgepriesene Wirtschaftswachstum rächt sich jetzt in der Baubranche. Überkapazitäten in den heimischen Produktionen, die Arbeitslosigkeit wird sich auch noch von einer anderen Seite zeigen, die Fachkräfte die wir importiert haben werden auf allen Kassen liegen. Super gemacht lieber Staat, so spart man Geld (kurzfristig). Nachhaltiges denken ist in der Politik und Wirtschaft leider verlorengegangen.
    • Werner  Rutishauser aus St.Gallen
      12.01.2017
      Aber genau so werden Gipser und andere Bauherren wie FDP Müller reich, für die Leute die keine Arbeit finden müssen wir mit Steuergeldern bereitstehen.