Homoknatsch in der SVP Brunner und Co. gegen Schwulen-Gruppe

  • Publiziert: 15.12.2009, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Simon Hehli

ZÜRICH – «Auch in der SVP ist jeder Zehnte homosexuell», ist sich der schwule Berner Grossrat Thomas Fuchs sicher. Gegen eine «GaySVP» wehren sich aber die Wertkonservativen.

Homosexuelle haben in der SVP einen schweren Stand. Das weiss auch Thomas Fuchs. Der Berner Grossrat erreicht zwar eine grosse Medienpräsenz – dennoch sammelte er im Wahlkampf 2007 bei der konservativen SVP-Basis zu wenige Stimmen, um den Einzug in den Nationalrat zu schaffen. Sein offen gelebtes Schwulsein dürfte dabei die entscheidende Rolle gespielt haben.

Doch Fuchs weiss, dass er nicht alleine ist. 5 bis 10 Prozent der Schweizer gelten als homosexuell – und innerhalb der SVP sehe es wohl nicht gross anders aus, vermutet der 45-Jährige. Deshalb findet er es toll, dass sein Bieler Parteikollege Beat Feurer innerhalb der Partei eine Schwulengruppe namens «GaySVP» gegründet hat, wie «20 Minuten» berichtet.

«Wir Schwulen müssen uns organisieren, so wie es auch die Bauern tun», betont Fuchs gegenüber Blick.ch. Er verweist darauf, dass selbst die erzkonservativen Republikaner in den USA über eine Homosexuellengruppe verfügten, weil sie das grosse Potential der rosa Wähler erkannt hätten.

«Viele Schwule sind auf SVP-Linie»

Aber SVP und schwul – geht das überhaupt zusammen? Schliesslich predigt die Partei ein konservatives Familienbild, das keinen Platz lässt für gleichgeschlechtliche Beziehungen. Doch mit den anderen Positionen der Rechtspartei könnten sich viele Homosexuelle durchaus identifizieren, sagt Fuchs.

«Sie unterstützen unseren Kampf gegen die Islamisierung, schliesslich gibt es in vielen muslimischen Staaten noch die Todesstrafe für Schwule», betont Fuchs. Als Schwuler werde man zudem auf der Strasse häufig von Ausländern angepöbelt.

Auch Uwe Splittdorf, Geschäftsführer der Homosexuellen-Organisation Pink Cross, hat einen Wertewandel beobachtet: «Mittlerweile gibt es auch in jeder konservativen Familie einen geouteten Schwulen, an jeder Hochzeit ist mindestens ein homosexuelles Paar dabei», sagt Splittdorf.

Die linken Parteien hätten deshalb das frühere Monopol auf homosexuelle Anliegen verloren – selbst auf dem Land, betont er.

SVP-Hardliner stellen sich quer

Doch so einfach lassen sich die strammen SVP-Heteros nicht von der rosa Welle überrollen. Die Parteizentrale hat die Gruppe «GaySVP» zurückgepfiffen. Deren Homepage ist vorerst wieder inaktiv, das SVP-Sünneli ist von der Seite verschwunden.

Der Walliser Nationalrat Oskar Freysinger betont gegenüber «20 Minuten», dass er gegen ein Grüppchen sei, das innerhalb der SVP Spezialanliegen vertrete. Ihm graut davor, dass Schwule ein Adoptivrecht oder schwulenfreundliche Lehrmittel an den Schulen verlangen könnten.

Auch sein Ratskollege Hans Fehr ist skeptisch. «Jeder soll im privaten Bereich leben, wie er es für richtig hält. Aber niemand soll sein Schwulsein in der Öffentlichkeit zelebrieren und es für politische Zwecke nutzen», findet der Zürcher Hardliner.

Auf die Unterstützung der Konservativen unter den zirka 250000 bis 500000 homosexuellen Stimmberechtigten wollen aber weder Freysinger noch Fehr verzichten. «Sie können uns ja auch wählen, wenn es bei uns kein gesondertes Schwulengrüppchen gibt», sagt Fehr.

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Ist die SVP die richtige Partei für Homosexuelle?»

  • 47,6% Ja.
  • 52,4% Nein.