Geheimtreffen der Parteispitzen von SVP und FDP Brunner quält Pelli

  • Publiziert: 04.07.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Joël Widmer und Marcel Odermatt
play Treffen: Letzten Donnerstag gab Toni Brunner (SVP, rechts) Fulvio Pelli (FDP) den Tarif durch. (Keystone)

Die erste Annäherung von FDP und SVP ist gescheitert. SVP-Chef Toni Brunner beharrt auf einem «unabhängigen Kandidaten».

Wenn die FDP den Sitz von Pascal Couchepin behalten will, ist die Partei bei der kommenden Bundesratswahl am 16. September auf die volle Unterstützung der SVP angewiesen. Parteipräsident Fulvio Pelli (58) suchte denn auch sofort die Unterredung mit der Volkspartei und zeigte sich vor drei Wochen im SonntagsBlick-Interview zuversichtlich: «Es wird Gespräche geben. Mit der SVP können wir wohl ohne grosse Schwierigkeiten Lösungen finden.»

Letzten Donnerstag kam es nun zum Geheimtreffen der Parteispitzen von FDP und SVP. Doch zu schnellen Versprechungen waren SVP-Präsident Toni Brunner (34) und Fraktionschef Caspar Baader (55) nicht bereit. Die SVP-Spitze quälte Pelli und Fraktionschefin Gabi Huber (53) mit Geringschätzung für die im Raum stehenden FDP-Kandidaten und mit harten Vorgaben für die Kandidatenkür.

«Wir haben die FDP aufgefordert, auch nach kompetenten, womöglich noch unabhängigen Kandidaten Ausschau zu halten», sagt Brunner nach dem Gipfeltreffen zu SonntagsBlick. Bei der FDP sieht die SVP offenbar keinen geeigneten Couchepin-Nachfolger. Die Partei denkt vor allem an Leute aus der Nationalbank. Brunner erklärte vor zwei Wochen den abtretenden Nationalbank-Präsidenten Jean-Pierre Roth (63) zum Kandidaten. SVP-Strategiechef Christoph Blocher (68) bringt einen weiteren Namen ins Spiel. «Der Chefökonom der Nationalbank, Ulrich Kohli, wäre ein weiterer geeigneter Kandidat», sagte er am Freitag zu SonntagsBlick. Kohli (61) ist letzte Woche von seinem Posten zurückgetreten.

Falls die FDP nicht auf die Wünsche der SVP eingeht, will diese die Wahlchancen der FDP mit einem eigenen Kandidaten torpedieren. «Ein zweitklassiger Kandidat hätte keine Chance, womit wir erst recht eine eigene Kandidatur stellen müssten», sagt Brunner.

FDP-Präsident Pelli zum Spitzentreffen: «Wir haben Vorgespräche geführt.» Die wichtigen Gespräche würden erst im August stattfinden, wenn Kandidaten bekannt seien. Auch Brunner bestätigt, dass weitere Gespräche geplant sind. Bis dahin sei «die FDP gefordert», so Brunner.