Brisanter Vorschlag von Avenir Suisse Dienst-Pflicht für alle!

Alle sollen Dienst leisten. Auch Frauen und Ausländer sollen ran! Aber nicht nur im Militär.

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Im November kommt die neue Initiative der Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA) vors Volk: Sie will die allgemeine Wehrpflicht abschaffen und durch eine freiwillige Milizarmee ersetzen.

Jetzt kommt von überraschender Seite ein Vorschlag, der noch weitergeht. Die liberale Denkfabrik Avenir Suisse schlägt vor, die Wehrpflicht durch eine allgemeine Dienstpflicht zu ersetzen.

Die Forderung ist Teil des Thesen-Buchs «Ideen für die Schweiz», das die von der Wirtschaft finanzierte Denkfabrik heute in Zürich vorstellt. Zentrale Punkte sind:

  • Die allgemeine Dienstpflicht soll für Frauen und Männer gleichermassen gelten. «Seit geraumer Zeit sind die Frauen in Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Kultur und Politik auf dem Vormarsch», so Avenir Suisse. Dieser Prozess werde weiter fortschreiten. Darum: «Das Milizprinzip auch in Zukunft auf die Männer zu beschränken, wird zunehmend unglaubwürdig.»
  • Die allgemeine Dienstpflicht könnte laut Avenir Suisse «wahlweise in der Armee, im Bevölkerungsschutz oder in einer zivilen Tätigkeit absolviert werden». Letztere soll wie heute der Ersatzdienst vor allem Betreuung, Pflege und Umweltschutz umfassen. Aber, je nach Qualifikation der Dienstpflichtigen, vielleicht auch Einsätze an Schulen und Lehrbetrieben.
  • Brisant: Auch niedergelassene Ausländer möchte Avenir ­Suisse in die Dienstpflicht einbeziehen. Und zwar in den zivilen Teil, naheliegenderweise nicht in den militärischen. Diese Ausländer haben heute einen Vorteil auf dem Arbeitsmarkt, weil sie keinen Dienst leisten müssen. Wenn man von Ausländern Gemeinschaftsleistung verlangte, sei das nicht nur gerechter den Schweizern gegenüber, sondern auch ein Schritt zur verbesserten Integration der Ausländer in die Gesellschaft, so Avenir Suisse.
  • Vorteil für Männer im Vergleich zu heute: Weil mit dem Einbezug der Frauen die Zahl der Dienstpflichtigen verdoppelt wird, «könnte man mit weniger Diensttagen auskommen als den heutigen 260 Tagen im Militärdienst». Spezielle Rücksicht müsste auf Eltern genommen werden. Die Betreuung der eigenen Kinder etwa könnte teilweise an die Dienstzeit angerechnet werden.

 

Mit ihrem Modell will Avenir Suisse das Milizprinzip stärken. In der Armee habe es schon viel an Wert verloren, weil heute 60 Prozent der Stellungspflichtigen zum Vornherein untauglich sind. Anhand von Statistiken legt Avenir Suisse dar, dass es auch sonst massiv an Bedeutung verliert: Im Zug der Globalisierung und Individualisierung der Gesellschaft würden immer weniger unbezahlte und Freiwilligenarbeit geleistet.

Die unbezahlte Haushaltsproduktion (Hausarbeiten, Kinderbetreuung, Pflege, Freiwilligenarbeit) wuchs seit 1997 weit weniger stark als das Bruttoinlandprodukt. Das heisst, dass die Leute mehr Energie und Zeit für bezahlte Arbeit aufwenden müssen. Und: 1997 etwa leistete noch jeder Zweite Freiwilligenarbeit, 2010 waren es noch 37 Prozent.

Die Miliz ist in Gefahr. «Längerfristig riskiert die Schweiz, ein einzigartiges und identitätsstiftendes Wesensmerkmal zu verlieren», so Avenir Suisse.

Andreas Müller, Vizedirektor von Avenir Suisse und bis vor kurzem Politberater von Bundesrat Johann Schneider-Ammann und zuvor von Pascal Couchepin (beide FDP), sagt: «Es macht uns Sorgen, wenn die Freiwilligenarbeit und die Miliz auf dem Rückzug sind.» Das Milizprinzip müsse neu entdeckt werden. «Die Miliz gehört zum schweizerischen republikanischen Staatsverständnis. Sie macht die Schweiz aus.»

Publiziert am 15.01.2013 | Aktualisiert am 16.01.2013

Couchepin war der Zeit voraus

Bern – Alt Bundesrat Pascal Couchepin (70) hat das Problem der rückläufigen Freiwilligenarbeit früh erkannt, wie Avenir Suisse im Thesen-Buch anmerkt. Bereits 2007 lancierte der damalige FDP-Innenminister die Idee einer nationalen Zeittauschbörse: Pensionierte, die noch fit sind, helfen bei der Betreuung pflegebedürftiger Menschen. Sie erhalten keinen Lohn, dafür Gutscheine im Wert der geleisteten Arbeitsstunden. Wenn die Senioren später selbst Betreuung nötig haben, können sie die Gutscheine einlösen. 2012 wurde in St. Gallen eine «Stiftung für Zeitvorsorge» gegründet, die die Idee in die Praxis umsetzt. Couche­pin ist heute Abend an der Buchver­nissage im Zürcher Schiffbau als Referent dabei.

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68 Kommentare
  • bruno  koch 17.01.2013
    Fehlt gerade noch! Unsere Armee kann nicht noch weiter abgewertet werden. Und das wird sie durch die "Frei"-Willigkeit. Wir wollen keine österreichischen Verhältnisse in der Schweiz.
  • Claudio  Büsser , via Facebook 17.01.2013
    Oh mein Gott! Wie wäre es mit: Keine Dienstpflicht für alle!?
    Kann man sich von diesem nutzlosen und geldvernichtenden Relikt nicht ENDLICH verabschieden? Wir brauchen keine Armee sondern ein reines Katastrophen-Korps. Ohne Waffen und teures Prestigegerät.
  • Benno  Schoenholzer aus Yang Talad
    17.01.2013
    Ist nur ein weiterer Schritt zur Gleichberechtigung der Frauen!!
  • Cédric  Rüegsegger , via Facebook 17.01.2013
    Spannend die häufigsten frauen "argumente" in all den kommentaren der weiblichen blickleserinnen zu lesen...
    1. Gleicher lohn: das ist halt verhandlungsgeschick bei jeder lohnrunde egal ob mann oder frau meine damen!!!
    2. Babysitten sowie haushalt: ja das ist halt auch verhandlungssache bei "einer ehegesprächsrunde" mit dem mann meine damen...
    Ergo: klappts mit dem lohn nicht, liegts wohl am können/fleis/willen/mut und klappts zuhause nicht liegts wohl daran dass mann den falschen mann in die kirche gelockt hat... Alle personen, egal ob frau oder mann haben die gleichen möglichkeiten, "mann" nützt sie halt einfach besser bis jetzt denke ich ;
    • Jan  Berger 17.01.2013
      Sie scheinen mir ja einen unglaublichen Frust gegen Frauen zu schieben und sollten sich erst mal kundig machen, bevor Sie solch dumme Sachen von sich geben! Die Lohnungleichheit ist bewiesene Tatsache - da gibt es genügend Informationsquellen, wenn Mann wollte - und in der heutigen Zeit total überholt und unfair.

      Unsäglich altertümlich und arrogant, dass wir Frauen auch noch "den richtigen Mann in die Kirche locken" sollen! Würden wir das, wäre die Mehrzahl der Männer unverheiratet und dürfte selber für saubere Unterhosen und Socken sorgen!
  • Sam  Moor , via Facebook 16.01.2013
    Im Ansatz finde ich das gut, aber riskieren wir dabei nicht, dass dabei viele Arbeiten durch befohlene Freiwillige erledigt werden wodurch bezahlte Arbeitsplätze verloren gehen? Ich denke, dass hier besonders Bereiche betroffen sind, in denen heute Leute tätig sind, die froh sind, überhaupt noch eine Stelle zu finden.