Gaddafi-Deal Bringt dieser Jet die Geiseln nach Hause?

  • Publiziert: 26.08.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Simon Spengler und Henry Habegger

Der Poker um die Schweizer Libyen-Geiseln dauerte bis in die Nacht. Das Protokoll eines nervösen Tages.

Bern im Nervenkrieg. Kommen die Libyen-Geiseln am Dienstag zurück? Hochspannung pur den ganzen Tag:

Erste grosse Aufregung bei der Pressekonferenz von Bundespräsident Hans-Rudolf Merz am Mittag im Bernerhof. Eigentlich gings um das neue Steuer-abkommen mit Luxemburg. Das interessiert im Moment niemanden. Die zahlreichen Journalisten wollen nur eines wissen: «Gibts News aus Libyen?» Doch alle Fragen werden abgeblockt. Merz schweigt.

Zeitgleich wird auf dem Flugplatz Belpmoos bei Bern der Bundesrats-Jet Falcon 50 startklar gemacht.

Aus zwei Mercedes-Limousinen steigen wenig später Passagiere zu. Mit einem Tanklaster wird die Sicht auf die Zusteigenden versperrt. Gemäss BLICK-Informationen sind keine hochrangigen Staatsvertreter an Bord. Um 12.30 Uhr hebt die Falcon ab.

Per SMS wird Merz über den Start informiert. Er ist laut Tagesanzeiger.ch gerade beim Lunch mit Luxemburgs Finanzminister Luc Frieden. Der erfährt dank Merz die Kunde vom Hoffnungsflug des Jets in die libysche Wüste brühwarm und noch vor den Bundesratskollegen.

Geplante Landung der Falcon wäre 14.23 Uhr gewesen. Wegen verspätetem Start landet die Maschine erst nach 15 Uhr auf dem Militärflughafen Maitega, 6 Kilometer vor Tripolis.

Inzwischen verharrt Bundesbern in Totenstille. Schweigen im Aussendepartement, Schweigen im Finanz-departement. Nur so viel: Sobald der Jet mit den Geiseln in Tripolis abhebt, will das EFD sofort informieren.

Merz selbst nimmt unterdessen an der Sitzung der Wirtschaftskommission teil, muss den UBS-Deal mit den USA erklären. Gegen acht Uhr verlässt er die Sitzung, wird von Wirtschaftsministerin Doris Leuthard abgelöst. Noch immer banges Warten. Aus Tripolis sickert unterdessen durch, die Falcon stünde noch immer am Boden. Keine Bewegung um den Jet ist erkennbar.

Das Wort «Ramadan» macht die Runde. Der muslimische Fastenmonat hat am Samstag begonnen. Während dieser Zeit läuft tagsüber in Libyen nicht viel. Vielleicht später?

Die Stunden vergehen. Auch um 00.30 Uhr noch keine Meldung Meldung vom EFD, der Jet sei gestartet.

Merz hofft und bangt. Für ihn steht alles auf dem Spiel. In der Bundesratssitzung von heute Mittwoch muss er für seinen Sololauf geradestehen. Unendlich viel leichter würde ihm am Morgen der Gang ins Bundesratszimmer fallen, wenn die Geiseln endlich hier wären. Nur so kann er seinen Kopf aus der Schlinge ziehen.

Aber Gaddafi lässt unseren Bundespräsidenten weiter zappeln.

play Der Bundesrats-Jet heute Mittag beim Abflug in Bern-Belp. (Philippe Rossier)