Börsenguru Marc Faber über die Gold-Initiative: «Wir müssen die Nationalbank in Fesseln legen»

Her mit dem Gold! Weg mit dem Euro-Mindestkurs! Börsenprophet Marc Faber über die Gold-Initiative und sein Misstrauen gegenüber den Notenbanken.

Weltbürger Faber zu Besuch in Zürich: Der Millionär logiert an der Langstrasse. play
Börsenguru, Blogger, Ökonom: Marc Faber, 68, lebt heute in Chiang Mai, Thailand. Goran Basic

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Herr Faber, Sie unterstützen die Gold-Initiative, die am 30. November vors Volk kommt. Warum?
Marc Faber:
Das Zentralbankensystem ist faul. Die Notenbanken haben enorm viel Macht, werden aber nicht kontrolliert. Von der Gold-Initiative, die einen Mindest-Goldanteil von 20 Prozent der Nationalbank-Reserven vorschreibt, verspreche ich mir da eine gewisse Disziplinierung. Wäre es nach mir gegangen, hätte man den Mindest-Goldanteil sogar bei 50 Prozent der Reserven ansetzen sollen.

Warum?
Was die Akademiker und Professoren bei den Notenbanken derzeit mit dem Papiergeld anstellen, ist sehr gefährlich. Die Tiefzinspolitik und die Geldschwemme werden nicht ohne Folgen bleiben. Es findet eine schleichende Enteignung des Volks statt. Und sie wird in Zukunft eskalieren. Eigentlich müsste die Gold-Initiative weltweit umgesetzt werden. Ein Ja in der Schweiz hätte aber bereits eine gewisse Signalwirkung. Ich bin sicher: Der Tag wird kommen, an dem die Notenbanken wieder namhafte Goldreserven halten.

Wird die Gold-Initiative angenommen, dürfte die SNB kein Gold mehr verkaufen. Ist es gut, der Nationalbank solche Fesseln anzulegen?
Sicher. Darum geht es ja: Wir müssen die Nationalbank in Fesseln legen.

Die Mehrheit der Ökonomen und Politiker ist aber überzeugt, dass die Nationalbank unabhängig sein muss.
Die Nationalbank ist schon heute nicht unabhängig. Sie wird unter Druck gesetzt durch andere grosse Notenbanken, die unablässig Geld drucken. Die oft geäusserte Behauptung, dass eine starke Währung das Wirtschaftswachstum verlangsamt, ist ein Irrtum.

Die Schweizer Industrie ist angewiesen auf Exporte. Ein starker Franken würde dies doch erschweren.
Dieses Problem wird überschätzt. Für viele Branchen macht die Stärke des Frankens nicht so einen grossen Unterschied. Der Tourismus könnte konkurrenzfähig bleiben, wenn man die Preise senken würde. Auch bei der Uhrenindustrie ist der Effekt eines starken Frankens gering: Die Leistungen, die in der Schweiz erbracht werden, machen nur einen Bruchteil des Preises einer Uhr aus.

Sie plädieren also dafür, dass die Nationalbank den Euro-Mindestkurs aufgibt?
Ja. Klar würde vorübergehend der Druck auf die Schweizer Wirtschaft steigen. Meine Beobachtung ist aber: Länder mit einer starken Währung sind konkurrenzfähig, Staaten mit einer schwachen Währung nicht.

Gegner der Gold-Initiative sagen, dass vorab Spekulanten von einem Ja profitieren würde.

Das sehe ich nicht. Die Käufe der SNB hätten kaum einen nennenswerten Einfluss auf den Goldpreis.

Unterstützen Sie die Gold-Initiative auch finanziell?
Nein. Ich wohne nicht in der Schweiz. Deshalb will ich mich da nicht zu stark einmischen.

Wie Recherchen zeigen, sind beträchtliche Summen aus dem Ausland in die Kampagne der Gold-Initianten geflossen. Finden Sie das gut?
Es gibt wohl bei allen Abstimmungskampagnen fragwürdige Finanzflüsse. Vielleicht sollte man für die Zukunft aber wirklich festlegen, dass ausländische Gelder in Kampagnen nicht verwendet werden dürfen.

Publiziert am 07.11.2014 | Aktualisiert am 07.11.2014
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31 Kommentare
  • Urs  Hagen , via Facebook 08.11.2014
    Früher habe ich mal gelernt, dass Notengeld eine Golddeckung hat. Dann habe ich gehört nur noch einen Teil davon, und dann als Gipfel, dass ein grosser Teil in Amerika lagert. Ja so ein Mist, meine Grossmutter hat ihren Zahltag noch mit Goldvreneli bekommen, ich will meinen auch wieder so, nicht wertloses Geld welches nur einen Gegenwert darstellt wenn ich etwas kaufe damit. In Asien sieht es noch anders aus, die legen aus Erfahrung Gold auf die Seite und kein Papier.
  • Markus  Meier aus Zürich
    08.11.2014
    Marc Faber schätze ich sehr, in diesem Punkt aber ist festzuhalten; die Geldschwemme, das billige Geld, viele Bürger können sich, wollen sich, Sachen Häuser, Wohnungen leisten, welche Sie gar nicht finanzieren könnten bei normalen wirtschaftlichen Verhältnissen. Die heutige Generation im Arbeitsverhältnis bekommen immer weniger betreffend Pensionskassen-Leistungen etc. Ob Euro wird sehr schwach werden Gold wird wegen dem US-Dollar weiter an Wert verlieren, am Ende des Tages...alles neg.
  • Georg  Schneider aus Aarau
    08.11.2014
    Absolut lesenswertes Interview. Ich bin positiv überrascht, ein Interview mit einem Mann zu lesen, der hinter die Kulissen sieht und weiss wovon er spricht.
  • J.  Meyer 08.11.2014
    Der Goldkurs würde relativ stabil bleiben? Wenn alle wissen, dass die SNB 1500t Gold kaufen muss wird der Kurs massiv steigen. Und wenn wir dann kein Gold mehr zukaufen müssen fällt der Kurs und übrig bleibt ein Buchverlust von mehreren Mia. Dann bekommen die Kantone nichts mehr von der SNB und alle bezahlen höhere Steuern. Außer den Reichen, die finden sicher ein Schlupfloch.
    • Alfred  Baum 08.11.2014
      Unsinn! China und Russland kaufen seit Jahren Gold. Und die Silver Eagle Münzen bei der U.S. Mint wurden kürzlich alle ausverkauft. Was machten die Börsenpreise? Beide sind gefallen! Ich glaube kaum das es dem Markt juckt wenn die SNB Gold kauft. Ausserdem ist es allgemein bekannt das beide Märkte nach unten manipuliert werden. Trotz steigender Nachfrage siehe Silver Eagle fallen die Preise beim Papiergold und -silber. Darum wäre es gut das die SNB hire neuen Positionen absichert.
    • Werner-René  Zwicky aus Chur
      08.11.2014
      Herr Zoli, kennen Sie den Unterschied zwischen Buch- und Realverlust ? Vermutlich nicht so ganz. Die SNB hat fünf 5 Jahre Zeit um die Goldreserven aufzustocken. Da jährlich - schon im Normalfall - 1 bis 2000 Tonnen Gold gekauft und verkauft werden, fällt ein Goldkauf der SNB nicht stark ins Gewicht, wie schon Herr Faber erwähnt. Die SNB konnte bis jetzt mit einer Ausnahme immer auch wegen den Goldreserven einen Überschuss ausschütten, ohne 1 Gr Gold zu verkaufen. Gold hat immer seinen Wert.
  • Rolf  Beck aus Lienz
    08.11.2014
    Ist doch ganz klar, das eigene Gold der Nationalbank muss dringend im eigenen Land gelagert sein.
    Denn wenn mehr als die Hälfte im Ausland ist, werden wir es nie mehr voll zurück bekommen und die Schweiz ist erst noch sehr leicht erpressbar. Daran sollte jeder Gegner auch mal denken.