SVP-Kollege spottet: «Blochers Guerilla-Pläne sind lächerlich!»

  • Publiziert: 19.11.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Simon Hehli

BERN – Christoph Blocher will die Schweiz verteidigen wie einst die Vietcong Vietnam. Aus der SP gibts dafür verhaltenen Applaus – aus den eigenen Reihen Spott.

Christoph Blocher hat in einem «Weltwoche»-Interview einen älteren Vorschlag von Strategie-Experte Albert Stahel aufgegriffen: Sie wollen die Schweiz künftig mit einer Armee à la Vietcong verteidigen. Kleine, bewegliche Truppen sollen einen allfälligen Invasoren mit nadelstichartigen Überfällen zermürben (Blick.ch berichtete).Unterstützung bekommt der SVP-Vordenker ausnahmsweise von SP-Seite: «Ich bin sehr froh, dass Blocher in der Lage ist, von Tabus wegzukommen», erklärt Sicherheitspolitiker Hans Widmer gegenüber Blick.ch. Er wolle schon lange weg vom Massenheer nach preussischem Vorbild – hin zu einer effizienteren Miliz-Truppe mit rund 50000 Freiwilligen.«Die Gebirgigkeit des Landes spricht dafür, dass Untergrund-Kämpfer hier eine bessere Alternative zu einem altmodischen Panzerheer sind», hält der Luzerner Nationalrat fest. Und in den Zentren könnten Stadt-Guerillas aktiv werden – wie die linken Tupamaros, welche in den 60er- und 70er-Jahren in Uruguay gegen die Militärdiktatur kämpften. So würde das gemäss Widmer konkret aussehen: «Ein ETH-Ingenieur im Militärdienst könnte dank seinem Fachwissen die technische Infrastruktur einer besetzten Stadt lahmlegen.»Mittelland kampflos dem Feind überlassen?Solche Aussagen und die Vorschläge seines Parteikollegen Blocher bringen SVP-Nationalrat Roland Borer auf die Palme. «Das ist doch lächerlich. Man kann nicht die Schweiz mit dem Vietnam der 60er-Jahre oder mit Afghanistan vergleichen. Schliesslich besteht unser Land nicht nur aus dem Aletschgletscher», enerviert er sich.Das Guerilla-Konzept bedeute, dass die Armee das Mittelland dem Gegner mehr oder weniger kampflos überlasse: «Da war das Réduit-Denken des Zweiten Weltkriegs ja noch moderner», meint der Major der Schweizer Armee. Wer so etwas vorschlage, den könne er nicht mehr ernst nehmen. Und verspottet Blocher: «In zwei Wochen kommt er dann und behauptet, dass wir die Strategie der verbrannten Erde übernehmen sollten, welche die sowjetische Armee im Zweiten Weltkrieg praktizierte.»Eine hochgerüstete Verteidigungsarmee, wie sie Roland Borer vorschwebt, findet wiederum SP-Mann Widmer keine Option. Falls es eines Tages zur extrem unwahrscheinlichen Attacke einer konventionellen Armee käme, würde das bedeuten, dass dieser Feind den Gürtel von befreundeten Nationen durchbrochen habe, der uns umgebe. «Wenn diese keine Chance hatten, können wir erst recht einpacken», prophezeit Widmer. Darum sei es besser, sich von vornherein auf einen Kleinkrieg gegen einen möglichen Besatzer vorzubereiten.Alternative zur Nato-Kooperation und AbschaffungWenig anfangen mit solchen Planspielen kann der Grüne Josef Lang, der mit Borer und Widmer in der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats sitzt. Zentrale Bedrohungen der Zukunft seien der Klimawandel und möglicherweise der Terrorismus. «Dagegen kann keine Armee was ausrichten, egal, wie sie konzipiert ist», sagt das Zuger GSoA-Mitglied.Lang hat eine eigene Deutung für Blochers Vorpreschen: «Er hat eingesehen, dass sich die Schweiz wegen des engen Finanzrahmens je länger je weniger eine moderne Hightech-Armee leisten kann und will.» Eine Zusammenarbeit mit der Nato wäre eine Alternative, komme für die SVP aber nicht in Frage, genauso wenig wie eine Abschaffung der Armee. So bleibe nur noch eine abgespeckte Truppe – eben eine Guerilla-Armee ohne schwere Waffen.