Lukas Reimann Blochers Antenne

  • Publiziert: 06.12.2009, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Daniel Ryser

Noch steht Lukas Reimann in Blochers Schatten. Doch der junge Populist spürt die Basis weit besser – zuletzt bei der Minarettabstimmung.

Lukas Reimann (27, SG) bringt die SVP auf den rechten Kurs. Dreimal stand er mit seinen Positionen allein auf weiter Flur – dreimal ist die Partei auf seinen Kurs eingeschwenkt:

• Das Referendum gegen die Personenfreizügigkeit ergriff er gegen den Willen der Partei. Gestern sagte Parteipräsident Toni Brunner an der Delegiertenversammlung in Pfäffikon SZ: «Wir müssen die Personenfreizügigkeit aufkündigen.» Brunner voll auf Reimann-Kurs.

• Als fast Einziger in der Fraktion stimmte er gegen den UBS-Kredit – plötzlich profilierte sich alt Bundesrat Christoph Blocher als UBS-Kritiker.

• Vor der Minarettabstimmung übte die Parteileitung Zurückhaltung – nach dem klaren Ja zeigt sich Blocher plötzlich kampflustig.

Wer ist dieser Newcomer, der die Themen weit besser zu spüren scheint als der Vollblut-Politiker Blocher? «Ich bin ein Alltagspragmatiker. Ich bringe aufs Tapet, was die Leute beschäftigt», sagt er.

Unterwegs mit dem Nationalrat zum Fondue-Abend der SVP Jonschwil. Den kleinen, grünen Rover hat er von einer alten Frau geschenkt bekommen, als Spende für seinen Nationalrats-Wahlkampf. Die Angst fährt in letzter Zeit mit. «Unter den 2500 E-Mails, die ich nach der Abstimmung erhalten habe, waren 2400 Gratulationen, aber auch einige Anfeindungen.»

Herr Reimann, sind Sie ein Rassist?

«Nein. Am ehesten bin ich ein Radikal-Liberaler. Ich wehre mich auf allen Ebenen gegen freiheitsfeindliche Tendenzen.» Ein liberaler Staat, der alles zulasse, werde zerstört. Das Minarett sei ein Zeichen für Separation, nicht für Integration. «Die Abstimmung setzt ein Zeichen: Wie soll die Schweiz mit Einwanderern umgehen, die sich nicht integrieren wollen?»

Wenn er zitiert, dann mit Vorliebe von links, etwa den islamkritischen Autor Lars Gustaffson: «Die Toleranz gegenüber Intoleranz führt zu Intoleranz.» Andere Linke zählt der Rechte zu seinen Freunden, etwa Max Andersson, Mitglied der Grünen Partei Schwedens. Die beiden eint das Feindbild EU. Sie sitzen im Vorstand einer internationalen EU-kritischen Bewegung.

Was niemand weiss: 2004 sorgte er dafür, dass der FC St. Gallen den linken Schmähpreis «Big Brother» erhielt, den Preis für «unverschämtes Datensammeln». Reimann war es, der heimlich die Vorgänge in einem Container fotografierte, in dem Auswärtsfans gezwungen wurden, sich bis auf die Unterhosen auszuziehen.

Freitagabend im «Wildberg» in Jonschwil: Zum Dank für seinen Einsatz erhält Reimann von der lokalen SVP ein Sackmesser und McDonald’s-Gutscheine. Ein Polizist sagt: «Reimann setzt sich unermüdlich für unser Land ein. Eine Schweiz, in der auch jeder beten kann, was er will. Aber bitte in den eigenen vier Wänden und nicht auf der Kreuzung.»

Mitternacht: Reimann zieht es heim. Am nächsten Morgen ruft die Uni. Im Januar stehen Zwischenprüfungen in Straf- und Privatrecht an. Und die Antennen sind ausgefahren: Die rechte Ausschaffungsinitiative und die eher linke Abzockerinitiative haben Reimanns Unterstützung.

play Zweite Reihe: Noch muss SVP-Nationalrat Reimann in der TV-«Arena» Blocher den Vortritt lassen. (Michele Limina)