Blocher und Wyss streiten um Forschungsplatz Schweiz: Duell der Milliardäre

Seit der Masseneinwanderungsinitiative ist die Debatte um den Forschungsstandort Schweiz entbrannt. Bisher füllte Milliardär Blocher die Kampagnen-Kasse der SVP, doch nun mischt sich der vermögende Unternehmer und Abschottungs-Gegner Hansjörg Wyss in die Europa-Debatte. Er wäre in der Lage Blocher finanziell Paroli zu bieten.

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?

Top 3

1 Glarner, Köppel, Estermann sorgen für Zoff, aber… Glarner, Köppel,...
2 Schneider-Ammann schürt die Euro-Euphorie, aber: Dem Parlament ist die...
3 Streitgespräch zur PID - Chefarzt vs. Psychotherapeutin Muss das...

Politik

Wird Wyss das Blocher-Powerplay beenden?

Abstimmen
teilen
teilen
30 shares
5 Kommentare
Fehler
Melden

Geht es nach Christoph Blocher, steht der Schweiz die alles entscheidende Schlacht um die EU-Frage bevor. Schon heute zittern seine Gegner. Der Milliardär aus Herrliberg ZH füllt zuverlässig die Kriegskasse der SVP. Auch dank diesem Geldregen spielt seine Partei den politischen Gegner in Kampagnen immer wieder an die Wand.

Dieses Blocher-Powerplay könnte nun auf Widerstand treffen. Denn heute betritt ein zweiter, finanziell potenter Titan das Feld. Er ist zweieinhalb Mal so reich wie die Blochers. Und er steht auf der Seite der Abschottungs-Gegner. Der Mann heisst Hansjörg Wyss (79).

Der in Bern aufgewachsene Unternehmer hat in den USA den Medizinaltechnik-Konzern Synthes aufgebaut. Vor drei Jahren verkaufte Wyss seine Aktien an den Pharmariesen Johnson & Johnson. Heute soll er Schätzungen zufolge 11,5 Milliarden Franken auf der hohen Kante haben. Wyss gilt als ausgesprochen öffentlichkeitsscheu, zur Politik wahrte er stets Distanz. Nun aber schaltet er sich in die Europa-Debatte ein.

Anlass ist eine im Berner Kursaal stattfindende Konferenz. Der Titel: «Es ist unsere Zukunft – jetzt reden wir». Die Universität Zürich und die Forschungsagentur Euresearch wollen einer breiteren Öffentlichkeit bewusst machen, wie wichtig die internationale Vernetzung für junge Schweizer Forscher und Unternehmer ist. «Forschung, Entwicklung und Innovation leiden unter der Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative», erklären die Organisatoren. Klar: Es geht um Projekte wie das Forschungsprogramm «Horizon 2020», bei welchem Schweizer Forscher seit dem 9. Februar nicht mehr erste Wahl sind.

Für Blocher-Tochter und Ems-Chefin Magdalena Martullo sind solche Programme teuer und ineffizient. Ganz anders sieht das Hansjörg Wyss. Er spricht heute am Kongress über den «Aufbruch nach Europa» – und darüber, wie die Schweizer Jugend davon profitieren kann. Dass sich Wyss in seinem hohen Alter noch aufs Politik-Parkett wagt, zeigt, wie ernst seine Sorge um den Forschungsstandort Schweiz ist.

Brisant: Liegt ihm eine Sache am Herzen, zeigt sich Wyss von einer äusserst spendablen Seite. In der Schweiz bedachte er bislang vorab Institutionen aus Kultur, Kunst und Naturschutz mit Spenden.

In den USA jedoch tragen seine Zuwendungen eine klar liberale Handschrift. Der Elite-Universität Harvard vermachte Wyss bereits 250 Millionen Dollar. Über seine HJW-Stiftung finanziert Wyss auch ganz gezielt linksliberale Projekte. Der Denkfabrik «Center for American Progress», die den Demokraten nahesteht, schenkte er zwischen 2008 und 2012 rund 4,2 Millionen Dollar. Üppige Summen gingen auch an Umweltprojekte sowie an die Organisationen Greenpeace und Amnesty International

Ob Wyss, der in Genf zusammen mit Ernesto Bertaralli Dutzende Millionen in den Aufbau eines Forschungszentrums steckt, mit seinem Checkbuch weiter für eine offene Schweiz kämpft, ist noch nicht klar. Fest steht aber: Für die Abschottungs-Gegner ist schon das persönliche Engagement des Selfmade-Milliardärs Gold wert.

Publiziert am 02.10.2014 | Aktualisiert am 02.10.2014
teilen
teilen
30 shares
5 Kommentare
Fehler
Melden

5 Kommentare
  • Jean  Pfister 02.10.2014
    Wie wäre es wenn der Herr Wyss, bevor er sich in die Schweizer Politik einmischen will , auch einer Schweizer Uni 250 Millionen spenden würde wie er es einer amerikanischen Universität Harvard getan hat ? Das wäre ein Zeichen von Glaubwürdigkeit das ihm sein Heimatland ebenfalls am Herzen liegt !
    • Martin  Arnold aus Derendingen
      02.10.2014
      Herr Pfister. Wissen Sie wie viele Arbeitsplätze Herr Wyss in der Schweiz aufgebaut hat? Es sind etliche, total weit über Tausend!
      Und das ist weiss Gott mehr wert als 250 Mio. in eine Uni zu stecken. Überlegen Sie mal wie viele Familien davon leben!
      Nur soviel zu Ihrer Bemerkung von Glaubwürdigkeit und wie sehr die Heimat Herrn Wyss am Herzen liegt!
  • Andreas  Schnetzler 02.10.2014
    Abstimmungen werden nicht mit Geld gewonnen. Nicht in der Schweiz. Hat ein Komitee nicht die besseren Argumente, nützt viel Medienpräsenz auch nichts. Es kann sogar kontraproduktiv sein.
    Geld hilft aber mit, diese besseren Argumente in die Öffentlichkeit zu tragen.
    • Dominik  Reber 02.10.2014
      Bei allem Respekt, da sind Sie sehr sehr naiv...
      Geld spielt eine riesen Rolle... Da das Volk sowas von beeinflussbar ist...
    • Martin  Arnold aus Derendingen
      02.10.2014
      Geld spielt die fast alles entscheidende Rolle. Ohne das Geld wäre das Land nicht mit Plakaten zugepflastert, Ohne das Geld würden keine Gratis Abstimmungszeitungen im Briefkasten landen. Wer viel Geld zur Verfügung hat, hat die besseren Möglichkeiten seine "Argumente" unters Volk zu bringen. PR kostet, kostet viel Geld. Also gewinnt auch hier meistens der mit viel Geld.