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In einem heute veröffentlichten Interview, das «Weltwoche»-Boss Roger Köppel führte, feuert Christoph Blocher zahlreiche Breitseiten gegen die EU und den Euro ab. Angesichts des Milliarden-Rettungspakets für Griechenland träten die Mängel der EU nun deutlich und für jedermann sichtbar zutage, wettert der SVP-Chefstratege.
Man behaupte jetzt keck, der Euro sei eine grossartige Erfindung und das aktuelle Problem habe seine Ursache lediglich im Larifari der Griechen. Dabei sei der Euro selbst das Problem, nicht die sogenannt bösen Spekulanten.
«Die Griechen profitierten jahrelang ungerechtfertigt von einer Währung mit für sie zu tiefen Zinsen. So erhöhten sie die Ausgaben. Das Geld zur Schuldendeckung bekamen sie immer. Hätten die Griechen die Drachme behalten, hätte man ihnen nie diese Kredite gegeben, und es wäre nie so weit gekommen», so Blocher.
Nun klammerten sich die europäischen Regierungen an die gefährliche «Fehlkonstruktion» Euro, kritisiert er. Sie seien nicht bereit, Szenarien zu prüfen, wie marode Staaten aus der Währungsunion auszuschliessen wären.
Doch nicht mal das könnte gemäss EU-Gegner Blocher den Euro retten: «Der Euro wird nicht zu halten sein. Politisch geschaffene Währungen, es gab einige in der Geschichte, leben höchstens fünfzehn bis dreissig Jahre. Das ist beim Euro auch so. Es fehlen die ökonomischen Voraussetzungen.»
Der Euro wurde am 1. Januar 2002 als Bargeld eingeführt. Nach Blochers Logik hat die Währung also maximal noch sieben bis 22 Jahre, bis sie von der Bildfläche verschwindet.
Stichwort-Geber Köppel erinnerte Blocher daraufhin, dass ein Ende des Euros in den Augen der Deutschen und Franzosen das Friedensprojekt EU gefährden würde. Doch für Blocher braucht es für einen friedlichen Kontinent weder den Euro noch die EU selber.
Das Ziel, Kriege zu verhindern durch bessere Zusammenarbeit, bestreite doch niemand. «Aber eine Währung darf niemals zu einem derartigen Götzenbild werden, dass man es als Kriegsverhinderungsinstrument anbetet. Man kann auch dann zusammenarbeiten, wenn es verschiedene Währungen gibt.»
Das zwanghafte Zusammenbinden in der EU hingegen verschärfe die Spannungen, befürchtet Blocher. Die Bürger ärgerten sich über die unsolide Politik, was brandgefährlich werden könne – auch für die Schweiz. Deshalb plädiert der SVP-Vordenker für eine starke Armee. Noch im letzten November hatte Blocher ebenfalls in einem «Weltwoche»-Interview seinem Parteifreund Ueli Maurer nahegelegt, seine Armee zu einer kleinen Guerilla-Truppe à la Vietcong umzurüsten (Blick.ch berichtete).
Dass Blocher das Projekt der europäischen Einheit mit Häme eindeckt, kommt nicht wirklich überraschend. Interessant ist aber, welchen europäischen Politikern der Rechtsaussen am ehesten die Lösung der derzeitigen Krise zutrauen würde.
In Grossbritannien wäre das eher Labour-Mann Toni Blair als der neue konservative Premier David Cameron. Und in Deutschland könnten die beiden früheren deutschen SPD-Kanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder das Heft besser in die Hand nehmen als Angela Merkel, findet Blocher. «Ihr fehlt es an Kraft.» (hhs)
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Christoph Blocher hält den Euro für eine Fehlkonstruktion.