BLICK-Direktzahlungs-Simulator schlägt Wellen – jetzt packt ein Bauer aus «Ohne Direktzahlungen hat die Landwirtschaft keine Zukunft»

Der BLICK-Simulator zeigt, wofür Bauern alles Direktzahlungen bekommen. Dutzende Landwirte haben sich daraufhin bei BLICK gemeldet, wenige waren erfreut. Einer erklärt BLICK, was für ihn Direktzahlungen bedeuten.

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So schaut der Direktzahlungs-Simulator aus. Probieren Sie ihn selber aus! play
So schaut der Direktzahlungs-Simulator aus. Probieren Sie ihn selber aus! Zum Simulator

Schweizer reden nicht gerne über Geld. Bauern reden nicht gerne über staatliche Zuwendungen. Wenn beides zusammenkommt, wird ein Acker schnell zum Minenfeld. Das musste auch BLICK feststellen, als es den Direktzahlungs-Simulator veröffentlichte. Dank diesem kann jeder sehen, wofür alles Direktzahlungen ausgezahlt werden.

Dutzende Leser, meist mit landwirtschaftlichem Hintergrund, haben sich daraufhin gemeldet. Der Tenor war eindeutig: Die Realität sehe anders aus, hinter den Direktzahlungen steckten viel Aufwand und nicht nur Geld. Die meisten wollten aber nicht mit Namen hinstehen. 

Bauer aus Überzeugung: Thomas Estermann (34). play
Bauer aus Überzeugung: Thomas Estermann (34). ZVG

Anders Thomas Estermann. «Als ich heute Mittag die Blick-App besuchte, kam mir dies sehr befremdend vor», schrieb er BLICK. Wir haben bei ihm nachgefragt, was für ihn Direktzahlungen bedeuten.

Tierfutter ohne Pestizide

34 Jahre alt, aufgewachsen in Gunzwil LU, wird der Landwirt ab Neujahr den elterlichen Hof übernehmen. Dann heissts um fünf Uhr mit der Arbeit beginnen, eine 55-Stunden-Woche ist die Regel. Der Jungbauer lebt von der Rindermast. «Wir kaufen junge Kälber, entwöhnen sie von der Muttermilch und gewöhnen sie ans Raufutter.»

Eine Streichung der Direktzahlungen führe in seinem Fall sofort zu teurem Rindfleisch: «Direktzahlungen sind auch eine Produktvergünstigung für den Konsumenten.»

Aber nicht nur auf den Preis wirkten sich die Direktzahlungen aus. «Ohne Direktzahlungen hätten wir nicht die gleiche Fleischqualität.» Denn Direktzahlungen seien kein Bonus, um damit die Ferien zu finanzieren.

Hinter den Direktzahlungen stehe ein Regelwerk, das eingehalten werden müsse. «Dank der Direktzahlungen können wir Gras und Mais selber produzieren. Dadurch garantieren wir Tierfutter, das frei ist von Glyphosat oder anderen Pestiziden.» Jährlich tauchten Kontrolleure auf, überprüften, ob Papier und Realität übereinstimmen.

Farbenpracht statt Monokulturen

Besonders stört sich Estermann aber daran, dass er von der Bevölkerung den Vorwurf hört, die Bauern verdienten sich mit den Direktzahlungen eine goldene Nase. «Wir häufen das Geld nicht auf unserem Konto an, wir reinvestieren, denn wir sind Unternehmer.» Das wirke sich wiederum auf die lokalen Handwerksbetriebe aus, die auch davon profitieren.

Ein weiteres Reizwort: Subventionen. 1992 beschloss das Parlament, die Subventionen durch Direktzahlungen abzulösen. Damit unterstützt der Bund nicht mehr die Landwirtschaft, sondern bestellt konkrete Leistungen bei den Bauern. Sei es Landschaftsschutz, Biodiversität oder die Sicherung der Landesversorgung. Diese werden auf die Hektare genau abgerechnet. Estermann wünscht sich, dass auch darüber mehr berichtet wird.

«Direktzahlungen bedeuten einen Mehrwert für den Konsumenten und sie prägen auch unser Landschaftsbild mit.» Farbenpracht statt Monokulturen.

Ab Januar wird er die Verantwortung über den Hof übernehmen. Aus Überzeugung, sagt er, damit die Landwirtschaft eine Zukunft habe. «Ohne Direktzahlungen funktioniert dies aber nicht.»

Publiziert am 02.12.2016 | Aktualisiert am 12.12.2016
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46 Kommentare
  • Remo  Albrecht aus Höri
    03.12.2016
    @E. Zellweger: soll ich sie typisch vegetarische, fanatische Gemüsefresserin betiteln?
    Ihre Worte:
    "Doch jeder Tierfresser und Tierausbeuter muss sich ja sein Verbrechen an den Tieren als Ausrede schönreden"
    ist so was von daneben. Ja ich geniesse ein Stück Fleisch bin aber kein Tierfresser. Ihre primitiven Worte zeigen uns wieder einmal mehr wie Vegetarier ticken. Verteufeln die Fleischesser, was würden unsere Bauern sonst machen? Tofuplätzli für wandelnde abgemagerte Striche in der Landschaft?
  • Remo  Albrecht aus Höri
    03.12.2016
    Alle wollen am Wochenende in die Berge, erfreuen sich an den weidenden Kühen und dem Alpkäse in der Berghütte, alles heile Welt, die man geniesst ohne weiter zu denken.
    Zuhause, wenn die Wanderschuhe abgezogen sind, regt man sich über die Subventionen auf und ist dagegen. Hallo, denkt mal nach!
    Die Lebensmittel werden aber im Aldi und Lidl gekauft (geil 2 Fr. gespart!). Wie sollen da die Bauern überleben und mit welchem Lohn? Möchte sehen, welcher Büezer mit dem Lohn zufrieden wäre!
  • Regula  Pünter , via Facebook 03.12.2016
    Ihr vergesst einfach, dass ALLE essen & trinken wollen. Für jeden Kaffee, für jeden Tee, für jedes Spaghetti, für ALLES braucht es am Anfang einen Bauern. Der kommt logischerweise nicht immer aus der Schweiz, aber es macht auch ökologisch Sinn, wo möglich regional produzierte Produkte zu berücksichtigen. Alle möchten Energiewende, öko, etc. aber schalten das Hirn im Laden gleich wieder aus.
  • Werner  Franz aus St. Gallen
    03.12.2016
    An alle Bauern: geht mal für 12 Monate in die Industrie arbeiten. Aufstehen um 5, Bus/Bahn um 05:45, 15 Minuten Pause um 9, 45 Minuten Pause über Mittag, 17:30 Feierabend, dann Bus/Bahn stehend, 18:30 Uhr hundemüde zuhause.
    • Remo  Albrecht aus Höri
      03.12.2016
      Franz: 365 Tage arbeiten, jeden tag morgens und abends in den Stall, Ernte einbringen um 2 Uhr nachts, denn wenn es schönes Wetter ist wird 24 Std. gemäht. Gehen SIE mal 12 Monate auf einen Bauernhof/Heimetli, denke sie würden ganz anders reden. Beschämend!
      Wo kaufen sie ein? Deutsche Milch und Fleisch aus dem grossen Kanton weil es halt geil ist billig einzukaufen?
      Heuchlerisch!
    • John  Livers aus St.Gallen
      03.12.2016
      Werner Franz
      Mein Nachbar ( Bauer ) steht auch um 05.00 auf und ist um 05.30 im Stall am Melken. Abends Feierabend zwischen 19.30, oder je nach Erntesaison, erst um 22.00. Von 4-5 Wochen bezahlten Ferien kann er nur träumen.
  • Hanspeter  Niederer 03.12.2016
    Solange der Import von tierquälerisch erzeugten Produkten sowie mit viel Chemie erzeugten Nahrungsmitteln erlaubt ist, kann die Schweizer Landwirtschaft niemals auf eine wirklich gesunde Basis gestellt werden, da gesund und wirklich artgerecht erzeugte Nahrungsmittel einen markant höheren Preis erzielen müssten. Im übrigen sollten die Bauern viel konsequenter einen Direktvertrieb ihrer Produkte organisieren. Wie wäre es zum Beispiel, mit Asylbewerbern einen Kurierdienst aufzuziehen ?