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Es war kurz vor Weihnachten, als Thomas Mattig, Chef der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz, ins Bundeshaus zitiert wurde. Zum Gespräch gebeten hatten CVP-Präsident Christophe Darbellay und Marcel Kreber vom Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten – die Getränkelobby also.
Dieser war ein Bericht der Gesundheitsförderer, in dem es vor allem um Zucker geht, sauer aufgestossen. Titel des 44-seitigen Papiers: «Süssgetränke versus Wasser». Publiziert hatte es die Stiftung im Internet. Es geisselt Cola & Co. als böse Dickmacher und propagiert das Trinken von Hahnenwasser, am besten literweise.
Was Darbellay und Kreber besonders missfiel, waren die als «Massnahmen» verschleierten politischen Forderungen des Berichts: Die Schweiz soll das Food Labelling (ein Warnsystem für Kalorienbomben) einführen. Der Verkauf von Zuckerhaltigem an Schulen soll unterbunden, die Werbung dafür eingeschränkt werden. Und: Auf süssen Drinks soll der Staat eine Steuer erheben, um uns vom Zucker abzuschrecken.
Stattdessen sollen wir alle nur den nächsten Wasserhahn aufdrehen. Denn Fakt ist: Fast überall sprudelt in der Schweiz H2O in Mineralwasser-Qualität raus – billiger kann man den Durst nicht löschen. Klar, dass dieser Frontalangriff auf die Getränkeindustrie Darbellay und Kreber auf die Palme brachte.
Zu Recht, wie der Berner Präventionskritiker und Immunologe Prof. Beda Stadler sagt. «Heisse Luft» sei der Bericht. «Er widerspricht sich laufend und stützt sich mehr auf Vermutungen statt auf harte Zahlen.»
Zwanghaft werde versucht, einen Zusammenhang zwischen Süssgetränken und Übergewicht herzustellen. Zudem enthalte er Absurdes wie etwa einen seltsamen Satz über das beliebte Party-Gesöff Wodka Red Bull: Wer davon schlürfe, dem drohten Sex-Unfälle.
Das Schlimmste sei die Behauptung, man solle täglich bis zu zwei Liter Wasser trinken. «Diese Wasserpropaganda ist Unsinn», sagt Stadler. «Die Evolution gab uns den Durst mit. Das hat die letzten 200000 Jahre funktioniert.» Probleme mit zu wenig Wasser hätten höchstens Kleinkinder oder alte Menschen. «Das ist ein medizinisches Problem und nicht ein gesundheitspolitisches, wozu es eine Organisation braucht, die Millionen verschleudert.»
Fazit: «Das Papier ist widersprüchlich und unnötig.» Was es vorschlage, habe in anderen Ländern längst Schiffbruch erlitten, etwa in den USA: «Diese Art der Bemutterung des Bürgers führt nirgends hin. Trotz Wasserspendern an jeder Ecke sind die Amerikaner dicker als wir.»
Den obersten Schweizer Gesundheitsförderern müssen vor ein paar Tagen selbst Zweifel gekommen sein. Nachdem die Getränkelobby Druck gemacht hatte, nahm Stiftungschef Mattig das Papier vom Netz. Auf www.sonntagsblick.ch ist es nach wie vor abrufbar. A4-Bro-Suessgetraenke-versus-Wasser-d-2.pdf
Mit dem Kniefall befeuert Mattig die Diskussion erst recht: Kritiker, die die Stiftung für überflüssig halten, sehen sich jetzt bestärkt. «Mattig und Co. picken nur Rosinen aus der Literatur und betreiben Propaganda», sagt Prof. Stadler. Pikant: Finanziert werden die Präventionsexperten durch eine Zwangsabgabe: Zurzeit zahlt jedermann in der Schweiz via Krankenkasse Fr. 2.40 pro Jahr an die Stiftung. So läppern sich 18 Millionen zusammen.
Kommt das beim Bund geplante Präventionsgesetz durch, wird die Stiftung als verlängerter Arm des Bundesamtes für Gesundheit mit noch mehr Geld noch mehr Prävention betreiben. Dem Ständerat ist das inzwischen suspekt: Er hat das Präventionsgesetz fürs Erste gestoppt.
Thomas Mattig spricht inzwischen von einem «Grundlagenbericht», der eine «Auslegeordnung zum Thema» darstelle und «keine gesetzlichen Bestimmungen fordere», wie die Getränkeindustrie befürchte. Dies habe er auch Darbellay gesagt. «Um ähnliche Missverständnisse in Zukunft zu vermeiden, haben wir den Bericht von der Website genommen.»
Hier: Die umstrittene Bröschüre: Süssgetraenke versus Wasser
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