Bischof Büchel lehnt Abtreibungs-Initiative ab «Die Initiative führt am Ziel vorbei»

Erstmals nimmt ein katholischer Bischof offen Stellung gegen die Initiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache». Die Initiative stelle das Prinzip der Abtreibung nicht in Frage und bedeute einen Schritt in eine Zweiklassen-Medizin.

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Bischof Markus Büchel lehnt die Abtreibungsfinanzierungs-Initiative ab. SI

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Die von rechtskonservativem Kreisen im Juli 2011 eingereichte Volksinitiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache» treibt die Gläubigen in der Schweiz um. Die Initiative verlangt, dass Abtreibungen künftig nicht mehr von der obligatorischen Grundversicherung berappt werden. Die Frauen sollen selber zahlen.

Jetzt spricht sich erstmals ein Schweizer Bischof offen gegen die Initiative aus. «Für die Kirche ist der Schutz des Lebens absolut zentral», erklärt der St. Galler Bischof Markus Büchel gegenüber Blick.ch «Doch die Initiative führt meiner Meinung nach an diesem Ziel vorbei.»

Vier Punkte gegen die Initiative

Der künftige Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz (SBK) macht dabei vier Punkte geltend:

> Die Initiative stelle das Prinzip der Abtreibung nicht in Frage. «Es geht ihr ausdrücklich nur um die Finanzierung von Abtreibungen. Nicht einmal die Minderung der Abtreibungszahlen ist das Ziel.»

> Es werde immer Frauen geben die sich für eine Abtreibung entscheiden würden. «Das können wir als Kirche nicht verhindern, das wird auch die Initiative nicht verhindern.»

> Dass Abtreibungen nicht mehr aus Geldern der allgemeinen Krankenversicherung bezahlt werden sollen, «trifft Frauen in finanziell schwachen Verhältnissen viel stärker als Frauen in finanziell guten Verhältnissen».

> Schliesslich erachtet er die Initiative als einen «Schritt in eine Zweiklassen-Medizin, was ich als problematisch empfinde».

«Abtreibung ist keine Privatangelegenheit»

Büchel steht mit seiner Haltung nicht alleine. SBK-Mitglied Abt Martin Werlen vom Kloster Einsiedeln unterstützt die Initiative ebenfalls nicht.

«Die Volksinitiative geht von einer guten Absicht aus, indem sie gegen die institutionalisierte ‘Normalität’ der Abtreibung antritt», sagt er. «Aber die Initiative stellt das Prinzip der Abtreibung nicht in Frage, sondern reduziert sie zu einer Privatangelegenheit. Das ist sie aber gerade nicht.»

In diesem Sinne wird auch die Bischofskonferenz argumentieren. Das ist insofern überraschend, als sich die SBK vor zehn Jahren zusammen mit radikalen Abtreibungsgegnern eindeutig gegen die Fristenregelung ausgesprochen hatte – welche vom Volk 2002 mit 72,2 Prozent Ja deutlich angenommen wurde.

Bischofskonferenz: «Gute Absichten, starke Schwächen»

An der SBK-Versammlung von Anfang Dezember steht das Thema auf der Traktandenliste. Klar ist, dass die Bischöfe der Initiative ihre Unterstützung verweigern. Unklar ist noch, ob sie direkt ein Nein empfehlen oder auf eine Abstimmungsempfehlung verzichten. Letzteres empfiehlt ihnen die Beratungskommission Justitia et Pax.

«Die Richtung steht aber», sagt SBK-Sprecher Walter Müller. «Die Bischöfe sehen trotz guter Absichten vieler Initianten die starken Schwächen der Initiative.»

Offen ist, ob die offizielle Stellungnahme im Dezember verabschiedet oder zuerst die parlamentarische Debatte abgewartet wird.

«Frauen unterstützen, sich für das ungeborene Kind zu entscheiden»

Auch wenn die SBK der Initiative ihre Unterstützung versagt, ist für Abt Werlen klar: «Die Kirche ist herausgefordert, sich so gut wie möglich einzusetzen, dass es gar nicht zu Abtreibungen kommt.»

Bischof Büchel betont: «Wir unterstützen Frauen und ihr Umfeld, sich für das ungeborene Kind zu entscheiden. Das ist unser wichtigstes Ziel.»

Publiziert am 20.11.2012 | Aktualisiert am 21.11.2012
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7 Kommentare
  • Distel  Zimmermann aus Kloten
    21.11.2012
    Es braucht für eine Abtreibung wirklich keine Initiative.
    Abtreibung ist absolut und 100 Prozent Priavtsache - ausser Vergewaltigung etc. - und muss klar privat bezahlt werden. Keine Versicherung und somit der Steuerzahler soll dafür auch nur 1 Rappen bezahlen.
    Zuerst überlegen oder Verhüten bevor Leben entsteht bitte!
    ewz
    • Thomas  Wassmer , via Facebook 21.11.2012
      Trotzdem, mit dieser Initiative wird eine zwei Klassen Medizin gefördert, welche einfach nicht richtig ist.
      Gut situierte werden keinen einzigen Gedanken daran verschwenden, während weniger gut gestellte bei einer Verhütungspanne das nachsehen hätten.
      Aber dieser Aspekt ignoriert man ja gerne.
  • S.  Wander 21.11.2012
    Ich bin katholisch aber wer die Kirche heute noch ernst nimmt, ist selber Schuld. Ich werde im 2013 aus der Kirche austreten, da diese geschlossene Institution in der Denke so alt ist, wie die Institution selbst. Ein Mitarbeiter von Büchel sagte mir kürzlich auf die Frage, wie man die jüngere Leute wieder für die Kirche begeistern kann: "Wir brauchen keine Leute in der Kirche, es reicht, wenn sie die Kirchensteuer bezahlen". Die Kirche ist nicht ehrlich und unehrliche Menschen unterstütze ich nicht.
  • Mo  Meier 21.11.2012
    finde es traurig, dass es immer noch Leute gibt, die vor dem Sex nicht an die Verhütung denken, dann aber abteiben als Selbverständlichkeit ansehen. Im minimum en Gummi drum!
  • Guerino  Dal Santo , via Facebook 21.11.2012
    Es ist beruhigend, dass es in der Schweiz auch noch Bischöfe gibt, die im 21. Jahrhundert leben und sich nicht stur im Mittelalter festkrampfen.
  • Jürg  Frei , via Facebook 21.11.2012
    Entlich mal ein Bischof mit Einsicht.
    Eine Abtreibung ist fuer niemanden ein Vergnuegen/Hobby.......vielmals eine medizinische Notwendigkeit.
    • Andreas  Kaufmann 21.11.2012
      Wenn die meisten Abtreibungen eine med. Notwenigkeit sind, warum musste dann die Fristenlösung her?
      Schon vor der Fristenlösung gab es selbsverständlich Abtreibungen aufgrund medizinischer Indikationen.