Beschimpfungen, Hass-Mails, Mord-Drohungen So bedroht sind unsere Politiker

Patronen, Messer, Säure: Hass-Bürger bedrohen Politiker so häufig wie noch nie.

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Politik

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Für Christian Levrat ist das Fass voll. Dem SonntagsBlick berichtete der SP-Chef in seltener Offenheit von Morddrohungen, die er erhalten hat. Anders als bei früheren Vorfällen sei der Urheber der Botschaft «kein Aussenseiter und kein Durchgedrehter» gewesen. Sondern ein Metzger aus einer kleinen Stadt. Levrat: «Das ist eine neue Dimension.»

Die Schock-Beichte des Freiburger Ständerats schlägt Wellen. Viele Politiker sprechen sehr ungern über Drohungen. Sie fürchten, das könnte Nachahmungs­täter anstacheln. Mit Schweigen wollen sie ihre Familien schützen.

Die Hemmungen fallen im Internet

Der Eindruck aber bleibt: Der Umgangston ist rauer geworden. Die Hemmungen fallen, besonders im Internet. Drohungen und Belästigungen sind häufig wie noch nie.

Neuste Zahlen bestätigen diesen Trend. 2012 gingen beim Bundessicherheitsdienst (BSD), der für den Schutz von Bundesräten, Politikern und Amtspersonen zuständig ist, 105 Drohungsmeldungen ein. 2014, nach einem halben Jahr,  sind bereits praktisch gleich viele Vorfälle registriert worden: Bis Ende Juli zählte der BSD 102 Drohungen. Setzt sich der Trend fort, dürften es 2014 bis zu 175 Drohungen werden (siehe Grafik).

Adrian Brügger, Leiter Sicherheitsmanagement beim BSD, sagt: «Die Drohungen nehmen zu.» Hinzu kommt: Die Dunkelziffer sei sehr hoch. «Es gibt viele Leute, die Drohungen nicht melden.» Kurzum: Schweizer Politiker werden jeden Tag bedroht, beschimpft, belästigt.

Auch FDP-Müller bedroht

Zum Beispiel FDP-Präsident Philipp Müller. Er wird «regelmässig» bedroht. «Meist anonym, per Mail, Brief oder via Telefon», sagt Müller. Nach Arena-Auftritten häuften sich die Übergriffe. «Ich rede Klartext. Manchen Leuten passt es nicht, wenn man ihr Idol angreift», sagt Müller.

Den BSD hat er jedoch noch nie eingeschaltet. «Wollen die vor meinem Haus patrouillieren? Das ist doch Blödsinn», meint er. Zudem wolle er den Droh-Mails nicht zu viel Gewicht geben. «Wenn man diese Briefe ernst nimmt, geht man kaputt daran.»

Auch der grüne Armeekritiker Jo Lang sagt: «Drohungen gehören zum Alltag.» Patronen im Briefkasten, Drohung mit Säureattentaten – bei Lang hat es all das schon gegeben. «Kürzlich schrieb mir einer, er werde mir die Kehle durchschneiden.»

Auch Bundesräte im Visier

Drohungen häufen sich, wenn Themen wie Armee, Nation, Zuwanderung oder Familie in der Öffentlichkeit diskutiert würden. «Da sind manche Leute sehr sensibel.» Bei Fragen zu Unabhängigkeit und Freiheit sähen manche Leute die Grenze nicht mehr, sagt Hans Fehr (SVP). «Spinner» habe es zwar schon immer gegeben, aber die Zahl habe wohl zugenommen.»

Selbst vor Bundesräten schrecken Hass-Bürger nicht zurück. Alt Bundesrat Samuel Schmid wurde direkt Opfer von Morddrohungen. Andere lassen ihrer Wut im Internet freien Lauf. Zuletzt traf es Justizministerin Simonetta Sommaruga – sie hatte Asylpläne der SVP kritisiert. Unveröffentlichte Online-Kommentare, die BLICK vorliegen, triefen vor Hass.

Publiziert am 12.08.2014 | Aktualisiert am 12.08.2014
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Brauchen unsere Politiker besseren Schutz?

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19 Kommentare
  • Peter  Hänsenberger 12.08.2014
    Es ist doch so, dass verschiedene Bundesräte, Politikern vor Wahlen mit Versprechungen nur so um sich werfen und nach der Wahl nicht einhalten. Da muss man sich nicht wundern, wenn solche Drohungen bekommen. Der leichtgläubige Wähler ist der Dumme und muss letzten Endes höhere Steuern usw. bezahlen
  • marcel  meuler aus Regensdorf
    12.08.2014
    Drohungen gehen natürlich nicht. Der Grund liegt in der Unzufriedenheit des Volkes. Das Volk äussert sich an der Urne und die Politiker suchen Wege den Entscheid zu umgehen! Die neuen Spiele für die Wahlen haben ja bereits wieder begonnen CVP & BDP suchen Listenverbindungen. Das Ziel ist einmal mehr klar, man möchte den Volkswillen umgehen und den Bundesrat nicht aufgrund der Wählerstärke zusammensetzen. Ganz schwach liebe Politiker, ganz schwach.
  • Adrian  Gerber aus Aarberg
    12.08.2014
    Jeder hat das Recht, seine Meinung bei Abstimmungen und Wahlen kundzutun. Es zeugt nicht gerade von Grösse, einen Menschen der eine andere Meinung vertritt zu anonym zu bedrohen.
  • Reto  Michel , via Facebook 12.08.2014
    Ich stimme Hans Plüss völlig zu ...
    Heute ist der Leistungsausweis der Politiker vielfach nicht mehr vorhanden. Die JEKAMI-Verantwortungslosigkeit ist bestimmend. Die Gier nach dem schnellen, leichtverdienten Geld ist bei der Mehrheit die einzige Motivation in ein paar Jahren ist man zum Kleinmillionär gekürt - und der kleine Mann der Masse hat dies ermöglicht.
    Die hass-kritischen Leute von heute haben mein volles Verständnis ...
    Reto Michel , Malters
  • beno  volken aus Brig
    12.08.2014
    Auf zum Kampf gegen unsere verlogenen Politiker " aber Bitte mit fairen Mitteln,